Politik

Ein Jahr undercoverRTL schleust Reporter in russisches Netzwerk für "Wegwerfagenten" ein 

19.08.2026, 13:03 Uhr
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Ein Jahr undercover im mutmaßlich russischen Agentennetz: RTL-Reporter dokumentieren Spionageaufträge, Sabotagepläne und Rekrutierung über Telegram. Eine Reporterin wird enttarnt und erhält sogar eine Morddrohung.

Eine RTL-Recherche für das Format "stern Investigativ" enthüllt Spionageaufträge gegen die CDU und die deutsche Rüstungsindustrie, Angriffe auf kritische Infrastruktur sowie Russlands Geschäft mit rekrutierten Helfern in Deutschland. Erst Anfang August warf ein gescheiterter Sprengstoffangriff auf ukrainische Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle erneut die Frage auf, ob Deutschland womöglich bereits seit Längerem systematisch zum Opfer hybrider Angriffe durch sogenannte "Wegwerfagenten" russischer Geheimdienste werde. Doch wie leicht lassen sich mitten in Deutschland Menschen für russische Interessen rekrutieren? 

Um das System hinter den Wegwerfagenten zu verstehen, begeben sich RTL-Reporter unter aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen sowie in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden ein Jahr lang undercover in ein Netzwerk zur Rekrutierung von Wegwerfagenten. Über den Messengerdienst Telegram erhalten sie Aufträge von mutmaßlich russischen Akteuren, die sie gegen Bezahlung in der Kryptowährung Bitcoin erfüllen sollen. Sie sollen eine Menschenrechtsorganisation auskundschaften, einen CDU-Mitarbeiter ausspionieren, eine Partei infiltrieren und Informationen über deutsche Rüstungsunternehmen beschaffen. Die ganze RTL-Reportage "Putins Wegwerfagenten - Die billigen Vollstrecker" ist ab Mittwoch, den 19. August, um 18:45 Uhr auf RTL+ abrufbar. Zudem zeigt RTL eine erweiterte Version der Reportage am 2. September um 20:15 Uhr.

Das System hinter den Wegwerfagenten

Die Recherche zeigt, dass russische Gruppierungen offenbar nach Menschen mit wenig Geld, schwierigen Lebensumständen oder sogar mit krimineller Vergangenheit suchen. Die Aufträge klingen dabei meist zunächst alltäglich und nach schnell verdientem Geld - ein Foto machen, ein Paket abholen, eine SIM-Karte besorgen. Dahinter offenbart sich jedoch ein System, bei dem solche scheinbar harmlosen Tätigkeiten nur einzelne Bausteine einer größeren Operation mit potenziell gravierenden strafrechtlichen Konsequenzen sein können.

Das RTL-Reporterteam rekonstruiert für "stern Investigativ" zudem einen mutmaßlichen russischen Sabotageakt, bei dem bereits vor zwei Jahren präparierte Pakete in Frachtflugzeugen am Flughafen Leipzig/Halle in Brand geraten sollten, und trifft in Litauen einen angeklagten mutmaßlichen Wegwerfagenten. Außerdem gelingt es den Reportern, den bislang öffentlich kaum bekannten Rüstungsmanager Stefan Thumann ausfindig zu machen und exklusiv mit ihm zu sprechen.

Mindestens zwei mutmaßliche Wegwerfagenten sollen ihn im Auftrag Russlands ausspioniert und verfolgt haben. Bei der Festnahme des einen fand man eine Machete. Thumann, dessen Unternehmen Drohnen für die Ukraine produziert, lebt wegen der anhaltenden Bedrohung inzwischen versteckt. Die Recherchen zeichnen das Bild einer hybriden Strategie: billig rekrutierte Helfer, Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Propaganda mit schwer nachweisbaren Verbindungen zu den eigentlichen Auftraggebern.

Nach rund einem Jahr Recherche wird schließlich eine RTL-Reporterin von den russischen Akteuren als Journalistin enttarnt. Sie erhält ein kurz zuvor aufgenommenes Foto von sich, Drohungen gegen sie und RTL - und schließlich eine Morddrohung auf die Mailbox ihres Telefons. Die Undercover-Recherche zeigt auf, wie niedrig die Einstiegsschwelle in Russlands mutmaßliches Agentennetzwerk ist und wie schnell durch vermeintlich kleine Aufträge Menschen in Deutschland gefährdet werden können.

Quelle: ntv.de

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