Baden-WürttembergWie es den Fischottern im Südwesten geht und was ihnen hilft

Klimawandel, Straßenverkehr und verbautes Ufer: Warum Fischotter in Baden-Württemberg selten sind, was man über die Tiere weiß und welche Maßnahmen ihre Rückkehr unterstützen könnten.
Stuttgart/Freiburg (dpa/lsw) - Der Klimawandel erschwert die Wiederbesiedlung und Ausbreitung der in Baden-Württemberg seltenen Fischotter. "Viele Fischarten leiden unter den Folgen der Klimakrise", erklärte die Artenschutzreferentin des Naturschutzbunds (Nabu) Baden-Württemberg, Alexandra Ickes. Sinkt der Sauerstoffgehalt mit der Wassertemperatur oder trocknen Gewässer aus, wanderten sie ab oder sterben. "Da Fische einen wesentlichen Bestandteil der Nahrung des Fischotters darstellen, können solche Entwicklungen auch dessen Lebensbedingungen verschlechtern."
Dichtestes Fell aller heimischen Säugetiere
Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dämmerungs- und nachtaktiv sowie meist als Einzelgänger unterwegs. Er lebe in Bauten mit Unterwasser-Eingang. Ab der sechsten Woche erlernten Jungtiere Schwimmen, schreibt der Landesverband im Internet. Fischotter könnten bis zu acht Minuten unter Wasser sein und bis zu 18 Meter tief tauchen. Mit 50.000 bis 80.000 Haaren pro Quadratzentimeter hätten sie das dichteste Fell aller heimischen Säugetiere. Es ist braun mit hellerem Hals und Bauch. An den Pfoten haben sie Schwimmhäute.
Nachdem der Fischotter lange in Baden-Württemberg verbreitet war, galt er rund 100 Jahre als ausgerottet - bis vor wenigen Jahren. An der oberen Donau wurde laut BUND mehrfach ein Exemplar gesichtet, 2021 am Kaiserstuhl. "Wissenschaftler vermuten, dass er entweder aus Bayern oder aus der nahe gelegenen Schweiz eingewandert ist." Dem Nabu zufolge gibt es seit 2017 meist nur sehr vereinzelte Nachweise, etwa auch an Tauber und Jagst.
"Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich lediglich um einzelne Tiere", so Ickes. "Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Fischotter Reviere von bis zu 100 Flusskilometern nutzen können." Aufgrund einzelner Sichtungen könne noch nicht von einer Population gesprochen werden.
Otter-Suche in Südbaden
Das Regierungspräsidium Freiburg lässt aktuell Fischotter-Vorkommen in der Region untersuchen. Fachleute sollen an großen Fließgewässern Ausschau nach Hinweisen auf die inklusive Schwanz rund 1,10 Meter langen Tiere halten.
Es gehe um sogenannte Trittsiegel und Losungen, sagte Babette Köhler vom Freiburger Institut für angewandte Tierökologie, die mit Mareike Steingaß-Höchst das Gutachten bis Jahresende erstellen will. "Die Tiere sind so scheu, wir sehen die auch nicht." Nur Wildkameras hielten die Otter fest. Auch die Bevölkerung ist um Mithilfe gebeten und soll dem Naturschutzreferat bei möglichen Sichtungen Bescheid geben.
Fischotter wurden einst wegen ihres kostbaren Pelzes bejagt. "Die Rückkehr der inzwischen streng geschützten Art ist ein Beleg für die gute Qualität der Gewässer, ihren Strukturreichtum und ein entsprechend hohes Fischvorkommen", erklärte Tobias Kock vom Regierungspräsidium bei Bekanntgabe des von der Stiftung Naturschutzfonds geförderten Projekts.
Der Fischotter kommt laut BUND heute hauptsächlich in West- und Osteuropa vor. In Deutschland gelte er als gefährdet und lebe vor allem im Nordosten, vereinzelt etwa in Bayern und Rheinland-Pfalz. Köhler und Steingaß-Höchst meinen: "Trotz seiner nur sehr langsamen Vermehrung und nach wie vor großen Verbreitungslücken ist zu erwarten, dass der Fischotter in den nächsten Jahren sukzessive in sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet zurückkehrt."
Unterquerungshilfen bewahren vor Tod im Straßenverkehr
Damit sie sich im Südwesten ausbreiten, müssten nach Einschätzung von Ickes Bestände in angrenzenden Regionen und Ländern - Bayern, Österreich und der Schweiz - wachsen. Die Tiere seien sehr mobil und anpassungsfähig.
Viele sterben laut den Expertinnen aber im Straßenverkehr. Denn die Fischotter nähmen eher eine Brücke, als unter ihr durchzuschwimmen. Helfen könnten Unterquerungshilfen - Laufbarren oder Otterbermen genannt. "Zusätzlich ist von einer hohen Dunkelziffer bei illegalen Tötungen auszugehen", so Ickes.
Ferner bräuchten die Tiere als Fischjäger ein möglichst reichhaltiges Beuteangebot, weil sie keinen Winterschlaf hielten und einen hohen Energiebedarf hätten. "Je stärker ein Gewässer verbaut ist, desto geringer sind häufig die Artenvielfalt und die Gesamtbiomasse der Fische." Neben Fischen fressen Fischotter laut Regierungspräsidium auch Krebse, Nagetiere und Vögel.
Ruheplätze möglichst nah am Gewässer gesucht
Die scheuen Tiere ruhen oder schlafen den Nabu-Angaben zufolge bis zu 17 Stunden am Tag. Daher seien geeignete Versteckmöglichkeiten wichtig - etwa zwischen den Wurzeln von Uferbäumen, in Hohlräumen, unter Asthaufen oder im Schilf. "Die Ruheplätze sollten sich möglichst nah am Gewässer befinden, damit sich die Tiere bei Gefahr schnell zurückziehen können", erklärte Ickes.
Doch vielerorts sind Gewässer verbaut. Nur rund sechs Prozent der Fließgewässer waren laut Umweltportal Baden-Württemberg bei einer Untersuchung 2021 in einem guten ökologischen Zustand. Hier oder auch bei der Ausweisung von Schutzgebieten oder der Einrichtung geeigneter Wildruhezonen sieht der Nabu weitere Ansatzpunkte, Ottern zu helfen.