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HessenKaum mehr ein normaler Tag - Besuch in Leitstelle der S-Bahn

26.10.2026, 04:04 Uhr
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Weichenbruch, Signalstörung, Person im Gleis: Das erfordert von den Disponenten, die den Zugverkehr steuern, eine schnelle Reaktion. Was dann genau geschieht und was das für die Fahrgäste bedeutet.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Bahn hält an. Die Fahrgäste wissen zunächst nicht, was geschehen ist oder wann es weitergeht. Was passiert in diesen Momenten hinter den Kulissen und warum kommt die Information nicht früher? Ein Besuch in der Leitstelle der S-Bahn Rhein-Main, die den Zugverkehr steuert und bei Störungen eingreift:

In dem großen Raum in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs sitzen sogenannte Disponenten vor vielen Bildschirmen mit bunten Linien. Sie beobachten den Zugverkehr, erhalten Störungsmeldungen und geben Informationen für die Fahrgäste an eine interne Plattform weiter, von der sie in die Apps und Anzeigen fließen.

Weichenbruch, Signalstörung, Person im Gleis - in solchen Fällen muss die Leitstelle schnell reagieren. Die wichtigste Frage sei: "Wie kann man den Betrieb fortführen? Und zwar unter möglichst geringer Auswirkung für die Reisenden und so, dass es mit den verbleibenden Ressourcen und Triebfahrzeugführern, die wir zur Verfügung haben, umsetzbar ist", sagt Dirk Helfert, Produktionsleiter der S-Bahn Rhein-Main.

Auch Lokführer stecken fest

Denn eine Störung trifft nicht nur die Fahrgäste. Sie kann auch bedeuten: Bahnen gelangen nicht wie geplant an ihre Endstation und auch Lokführer stecken nun fest, die eigentlich an anderer Stelle ihren Dienst antreten sollten.

Das Team der Leitstelle hat verschiedene Szenarien erarbeitet, in denen die einzelnen Schritte vorgezeichnet sind. Diese können weitreichend sein: Fahrzeuge müssen vorzeitig wenden, Lokführer müssen mit dem Taxi weiterfahren, Bereitschaftspersonal herbeigerufen und für Fahrgäste Busse organisiert werden.

"Das Schlimmste ist, wenn etwas auf der Tunnel-Stammstrecke passiert", sagt Schichtleiter Robert Loof. Denn unter der Frankfurter City fahren besonders viele S-Bahnen in besonders kurzem Abstand, in der Rushhour alle paar Minuten. Zur Hauptverkehrszeit können schnell Zehntausende Menschen betroffen sein.

Die Disponenten versuchen zu vermeiden, dass ein Zug auf freier Strecke stehen bleibt und eine Evakuierung nötig wird. Notfalls müssen Bahnen daher erst einmal am Bahnsteig warten, bis sich die Situation geklärt hat.

Nur gesicherte Informationen sollen hinausgehen

Was ist los und wann geht es weiter? Während die Fahrgäste mit drängenden Fragen in der Bahn sitzen, muss die Leitstelle herausfinden, welche Züge wie lange betroffen sind. Die Information an die Fahrgäste gehe erst hinaus, wenn sie gesichert sei, sagt Dirk Helfert.

"Und das dauert unter Umständen einen Moment, denn es sind auch Absprachen nötig mit den Kollegen der InfraGo, die das Netz insgesamt im Blick haben, und auch mit der Bundespolizei, wenn sie beteiligt ist." Die DB InfraGo ist die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn.

Dauert die Störung nur einige Minuten oder eine Stunde? Das sei oft schwer zu sagen. Die Informationen beruhten auf Prognosen und Erfahrungswerten, denn gesicherte Erkenntnisse gebe es meist erst einmal nicht.

Die Rollen sind aufgeteilt. Während zwei Disponenten und der Schichtleiter den Zugbetrieb organisieren, sorgen weitere dafür, dass bei Störungen die Dienstpläne und Werkstatttermine der S-Bahnen geändert werden.

Fahrplan kann kaum wie geplant gefahren werden

Flexibilität ist in der Leitstelle seit einiger Zeit besonders gefragt. Normalen Verkehr gebe es gar nicht mehr, sagt Helfert. Vor allem wegen Baustellen. "Wir haben keinen einzigen Tag mehr im Jahr, wo wir das fahren, was wir im Fahrplan stehen haben." Neben Baustellen machten auch Veranstaltungen wie Fußballspiele einen dichteren Takt oder längere Züge nötig.

Auch die Störungen nehmen zu, besonders häufig seien Probleme mit der Infrastruktur wie Weichen oder Signalen. Auch hielten sich häufig Menschen im Gleisbereich auf. Zunehmen würden von Fahrgästen verursachte Probleme am Zug, wenn etwa Türen gewaltsam aufgeschoben und beschädigt würden oder die Notbremse gezogen werde.

Entscheidungen mit Auswirkung auf zehntausende Fahrgäste

Entscheidungen mit Auswirkung auf Zehntausende Menschen zu treffen, dafür erhalten die Schichtleiter eine halbjährige Zusatzausbildung. Unter anderem gehe es dabei darum, wie man unter hohem Stress richtige Entscheidungen treffe. "Das ist schon ein Thema, das muss man können", sagt Helfert. Meist handele es sich um Kollegen mit langjähriger Berufserfahrung, die das komplexe System Bahn gut kennen würden.

Das Team analysiere die Geschehnisse im Nachhinein, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen, sagt Betriebsqualitätsmanager Christian Kranhold. Dies gelte auch für die Frage, wie der Verkehr nach einem Störfall möglichst schnell wieder anlaufen könne.

Themen Türstörung und Zugfolge

Ein aktuelles Thema seien Türstörungen und die Frage, wie technische Verbesserungen zur Reduzierung beitragen könnten. Zudem laufe gerade ein Probeversuch auf der Strecke der S6, bei dem es um die Zugfolge geht: Steigt die Pünktlichkeit, wenn die Vorfahrtsregeln zwischen S-Bahn und Regionalbahn geändert werden? "Die erste Tendenz stimmt ganz optimistisch", sagt Kranhold.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Der Anteil pünktlicher S-Bahnen sank in den ersten neun Monaten 2026 auf 83,3 Prozent, im Vorjahreszeitraum waren es 85,3 Prozent, wie der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf Anfrage mitteilt. Der Anteil der Bahnen, die tatsächlich fuhren, erhöhte sich leicht von 84,6 auf 85 Prozent.

Das bedeutet, dass in dem Zeitraum fast 17 Prozent der Züge verspätet ankamen und 15 Prozent der Bahnen ausfielen. Als verspätet gilt ein Zug erst ab einer Verspätung von mindestens sechs Minuten.

Quelle: dpa

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