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Sachsen-AnhaltLehrermangel an Berufsschulen - das sagen die Betroffenen

24.09.2026, 04:03 Uhr
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Unterrichtsausfall, mehr Seiteneinsteiger und offene Stellen: Warum der Lehrermangel an Berufsschulen in Sachsen-Anhalt zur Herausforderung für Betriebe wird.

Magdeburg (dpa/sa) - Die Schülerzahlen steigen, zugleich fehlen Lehrkräfte - an den berufsbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt ist die Unterrichtsversorgung zuletzt gesunken. Während für das Schuljahr 2021/22 noch 96,3 Prozent ermittelt wurden, waren es im vergangenen Schuljahr nur 93 Prozent, teilt das Bildungsministerium in Magdeburg auf Nachfrage mit. Im vergangenen Schuljahr sind den Angaben zufolge 8,6 Prozent des Unterrichts ersatzlos ausgefallen.

Um den Bedarf an Lehrkräften zu decken, wird noch stärker als an den allgemeinbildenden Schulen auf Seiteneinsteiger zurückgegriffen. Im vergangenen Jahr etwa wurden 122 Lehrkräfte eingestellt, davon 47 mit Lehramt für berufsbildende Schulen und 75 Lehrkräfte im Seiteneinstieg. In diesem Jahr gab es laut Bildungsministerium bis Mitte September 68 Einstellungen, davon waren 22 ausgebildete Lehrkräfte und 46 Seiteneinsteiger.

Die Sicht der Berufsschullehrer

"Das ist oft vorteilhaft", sagt der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands Sachsen-Anhalt, Jörg Riemer, zum hohen Anteil von Seiteneinsteigern. Die Kräfte aus der Wirtschaft brächten das Wissen aus der Praxis mit. Und die Zahl der Seiteneinsteiger, die abbrechen, sei an den Berufsschulen deutlich geringer als an den allgemeinbildenden Schulen.

Die sinkende Unterrichtsversorgung führt Riemer im Wesentlichen auf die steigenden Schülerzahlen zurück und betont: "Wir 24 Schulleiter sind gewohnt, Herausforderungen zu managen." Die Berufsschulen seien vergleichsweise groß mit 60 bis 150 Lehrkräften. Da könne man gut Kräfte verteilen. Fachliche Inhalte oder Prüfungen sind seines Wissens nach nicht gefährdet.

Als Herausforderung sieht Riemer vor allem den Mangel an Lehrkräften im gewerblich-technischen Bereich, in der Metalltechnik, Elektrotechnik und der Kfz-Technik. "Dort gibt es einen ganz großen Bedarf", so Riemer. Die Absolventenzahlen an der einzigen Ausbildungsstätte für Berufsschullehrer in Sachsen-Anhalt an der Universität Magdeburg seien gering. "Viele Lehramtsstudierende gehen an die allgemeinbildenden Schulen. Die Schulform der berufsbildenden Schulen kennen ganz wenige." Studierende haben zumeist ein Gymnasium besucht.

Das fordert die Wirtschaft

Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, sagt: "Besonders bedeutsam ist der kontinuierliche Unterricht in den Kernfächern Deutsch und Mathematik sowie in den fachbezogenen Ausbildungsfächern. Diese vermitteln grundlegende Kompetenzen, die für das Verständnis von Arbeitsaufträgen, Berechnungen und technischen Zusammenhängen ebenso notwendig sind wie für die Kommunikation im betrieblichen Alltag und eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung."

Anhaltender Unterrichtsausfall belaste nicht nur die Auszubildenden, sondern zunehmend auch die Ausbildungsbetriebe. Fehlende schulische Inhalte müssen zusätzlich im betrieblichen Ausbildungsalltag aufgefangen und vermittelt werden - und das während des laufenden Betriebs. Gerade kleine und mittlere Handwerksbetriebe stelle dies vor erhebliche Herausforderungen. "Dauerhaft können Handwerksbetriebe nicht zusätzlich die Aufgaben der Berufsschulen übernehmen", so Grupe.

Unternehmen sorgen für Nachhilfe und Prüfungsvorbereitungen

Und auch Simone Danek, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der IHK Halle-Dessau, betont: "Fällt die Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen an berufsbildenden Schulen in Größenordnungen wegen Unterrichtsausfall aus, hat dies Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildung. Viele Unternehmen steuern hier durch eigene Unterstützungsstrukturen wie Nachhilfe oder Prüfungsvorbereitungskurse von Bildungsdienstleistern gegen." Es gebe aber finanzielle wie auch organisatorische Grenzen.

"Insofern fordern wir seit Jahren eine ausreichende Unterrichtsversorgung und auch das Nutzen neuer Lernformate, so zum Beispiel von blended Lernen", sagt Danek. "Damit könnte in einigen Bereichen Engpässen entgegengewirkt werden. Bestehende Pilotprojekte im Land sollten ausgebaut werden."

Die Azubis

In einer Azubi-Umfrage 2026 der IHK im südlichen Sachsen-Anhalt hatte der Nachwuchs die Situation an den berufsbildenden Schulen kritisch bewertet. 57 Prozent berichteten von Unterrichtsausfall und gaben an, dass dieser manchmal, oft oder sehr oft vorkommt. Die Ergebnisse aus dem laufenden Jahr seien im Vergleich zur Vorjahresbefragung nahezu unverändert. Betroffen seien dabei häufig auch berufsspezifische Fächer, die für den Ausbildungsabschluss und Berufsalltag besonders wichtig sind, teilte die IHK Halle-Dessau mit. Gleichzeitig sei der Anteil derjenigen, die selten oder nie Unterrichtsausfall erleben, leicht gestiegen.

Die Rolle der Universität Magdeburg

Berufsschullehrer werden in Sachsen-Anhalt nur an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ausgebildet. Es gibt zwei Möglichkeiten: ein grundständiges Studium sowie Master- und Aufbaustudiengänge. Im Studienjahr 2025/26 lag die Gesamtkapazität bei 130 Plätzen, darauf gab es 75 Bewerbungen, wie aus der Statistik der Uni hervorgeht. Die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester lag bei 50. Zusammen 57 Absolventen gab es den Angaben zufolge im Studienjahr 2024/25, davon hatten 19 ein grundständiges Studium abgeschlossen, 38 Master- und Aufbaustudiengänge.

Derzeit sind laut dem Bildungsministerium 21 Stellen an berufsbildenden Schulen offen. Diese seien Anfang September ausgeschrieben worden, Bewerbungen sind bis zum 30. September möglich.

Quelle: dpa

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