Regionalnachrichten

ThüringenVom Arbeitstier zum Familienpferd: 70 Jahre Haflingerzucht

06.08.2026, 04:03 Uhr
Die-aus-dem-Alpenraum-stammenden-Haflinger-finden-im-Thueringer-Wald-ideale-Bedingungen-und-werden-im-Gestuet-Meura-artgerecht-gehalten

Einst halfen Haflinger beim Holzrücken und in der Landwirtschaft, heute sind sie begehrte Freizeit- und Familienpferde. Im Gestüt Meura werden sie seit Jahrzehnten erfolgreich gezüchtet.

Meura (dpa/th) - Sie tragen klangvolle Namen wie "Excalibur", "Eiswind" oder "No Mercy" und sind mit ihrem fuchsfarbenen Fell und blonder Mähne unverwechselbar: Seit nunmehr 70 Jahren werden in Thüringen Haflinger gezüchtet. Das Jubiläum wird am Sonntag im Haflingergestüt in Meura (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) mit einem großen Schauprogramm gefeiert. Dazu werden rund 140 Mitwirkende und etwa genauso viele Pferde erwartet, sagte Gestütsinhaberin Anke Sendig.

Mit dem Jubiläumsprogramm soll die Geschichte der Rasse und der Zucht im Freistaat nachgezeichnet werden, sagte Sendig. Die ersten Pferde seien 1956 im Zuge eines Forschungsprojekts der Universität Leipzig an die damalige Lehr- und Versuchsanstalt in Jena-Zwätzen gekommen. Von dort aus habe sich die Zucht entwickelt. In Meura begann die Haflingerzucht zehn Jahre später. Als staatlich anerkannter Haflingerzuchtbetrieb besteht das Gestüt seit 1977.

Robust, gelassen und vielseitig

Haflinger gelten als robust und werden wegen ihres ausgeglichenen und genügsamen Wesens geschätzt. Sie zeichneten sich zudem durch ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten aus, sagte Sendig. Das spiegele sich auch in der Showvorführung in Meura wider: Gezeigt werden historische Gespanne, Zuchtlinien, Fahr- und Reitvorführungen sowie eine Abschlussquadrille mit 40 Pferd-Reiter-Paaren.

Die ursprünglich aus dem Alpenraum stammenden Haflinger hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Arbeitspferd – etwa beim Holzrücken oder in der Landwirtschaft – zum vielseitigen Freizeit- und Familienpferd entwickelt. Sie würden heute unter anderem für Ausritte, Kutschfahrten sowie im Dressursport eingesetzt, berichtete Sendig.

Zucht, Aufzucht und Ausbildung aus einer Hand

Im Gestüt Meura werden heute rund 140 Haflinger und Edelbluthaflinger gehalten – eine mit Vollblutarabern veredelte Zuchtlinie. Zehn festangestellte Mitarbeiter kümmerten sich um Zucht, Aufzucht, Ausbildung und Vermarktung der Tiere. Jährlich werden laut Sendig rund 35 bis 40 Fohlen geboren und eine ähnliche Zahl an Pferden verkauft. Die meisten Pferde aus Meura gingen an private Halter in ganz Deutschland, die sie als Freizeit- und Familienpferde nutzten. Züchter kauften häufig bereits Fohlen, Reitbetriebe spielten als Käufer eher selten eine Rolle.

Eine Besonderheit sei, dass die Pferde ihren gesamten Werdegang an einem Ort verbringen. Sie würden auf dem Gestüt gezüchtet, in Gruppen aufgezogen und anschließend im eigenen Betrieb zu Reit- oder Fahrpferden ausgebildet, berichtete Sendig. Auch im Winter stünden die Tiere in Herden auf den weitläufigen Koppeln im Thüringer Wald und könnten sich frei bewegen. Auf 260 Hektar Fläche erzeugt das Gestüt zudem sein Futter selbst und wirtschaftet nach ökologischen Grundsätzen.

Familienbetrieb mit mehreren Standbeinen

Das Gestüt Meura zählt nach eigenen Angaben mit zu den größeren Haflingerzuchtbetrieben in Deutschland und blickt zugleich auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach der Wiedervereinigung wurde der frühere volkseigene Betrieb im Zuge der Privatisierung von der Familie übernommen. Sendig übernahm 1998 die Geschäfte von ihrem Vater und führt den Familienbetrieb seither fort.

Heute steht die traditionsreiche Haflingerzucht auch vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Steigende Tierarzt-, Energie- und Personalkosten belasten laut der Inhaberin den Betrieb. Um wirtschaftlich breiter aufgestellt zu sein, setzt das Gestüt neben der Ausbildung und dem Verkauf von Pferden auf weitere Standbeine. Dazu gehören eine Pension mit rund 35 Betten, Reiterferien, Lehrgänge und Veranstaltungen für Gruppen und Firmen. Außerdem werden Produkte aus Stutenmilch hergestellt und über einen Hofladen sowie einen Onlineshop verkauft.

Quelle: dpa

Regionales