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Aus Ausland wieder mehr Besucher Deutschland ist beliebt wie nie

Rekordjahr für das Reiseland Deutschland: Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland Urlaub oder eine Geschäftsreise gemacht wie 2010. Experten halten sogar weitere Steigerungen für möglich - unter anderem durch die Könige Fußball und Auto. Auch die Deutschen selbst machen am liebsten Urlaub im eigenen Land.

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Eine Gruppe jugendlicher Touristen springt für ein Foto am Brandenburger Tor in die Luft: trotz Kältegraden und ungemütlichem Wetter ist Berlin eine Reise wert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Reiseland Deutschland feiert einen Rekord: Im Jahr 2010 haben so viele Gäste in Hotels und anderen Berbergungsbetrieben übernachtet wie noch nie, berichtete am Mittwoch das Statistische Bundesamt. Für Häuser mit mehr als neun Betten wurden im vergangenen Jahr 380,3 Millionen Übernachtungen gezählt, von denen der Löwenanteil mit 320 Millionen auf Gäste aus dem Inland entfiel. Die Steigerung brachten aber vor allem Touristen und Geschäftsreisende aus dem Ausland, deren Zahl um 10 Prozent auf 60,3 Millionen stieg.

Insgesamt betrug das Übernachtungsplus im Vergleich zu 2009 rund 3 Prozent. Ein weiteres Wachstum könnte drin sein, wenn viele Touristen wegen der politischen Unsicherheiten in Nordafrika ihre Sommerpläne umwerfen. Immerhin jeder zweite Bundesbürger passe sein Reiseverhalten den Terror- und Reisewarnungen an, ergab die in Hamburg vorgestellte Deutsche Tourismusanalyse. Nur 13 Prozent der 4000 Befragten gaben an, sich von Krisen nicht beeinflussen zu lassen. Ein Drittel der Leute gab sogar an, ausschließlich in risikoarme Regionen zu reisen.

Eine ähnliche Steigerung der Übernachtungszahlen hatte es zuletzt im Jahr 2006 zur Fußball-WM gegeben. Auch für 2011 setzt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) auf König(in) Fußball. Die Frauen-WM wie auch Veranstaltungen rund um den 125. Geburtstag des in Deutschland erfundenen Automobils sollen die aktuellen Besuchermagneten werden. In den kommenden zehn Jahren könne die Zahl der ausländischen Besucher noch einmal um ein weiteres Drittel auf 80 Millionen gesteigert werden, erklärte DZT-Chefin Petra Hedorfer in Berlin.

Hotels in großen Städten legen besonders zu

Vor allem die Hotels und hier noch einmal besonders stark die in den größeren Städten konnten im vergangenen Jahr zulegen. In den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern lag das Gästeplus bei 9 Prozent, die Häuser in den kleineren Kommunen mussten sich mit einem mageren Plus von 1 Prozent begnügen. Die Hotels waren auch die einzige Gattung mit Zugewinnen, während die ebenfalls erfassten Reha-Kliniken leicht verloren und andere touristische Anbieter wie zum Beispiel Campingplätze und Ferienheime stagnierten.

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Touristen genießen das Kölner Stadtpanorama: Immer mehr Urlauber in Deutschland zieht es in die Großstädte.

Neben der schnellen Erholung der Geschäftsreisen haben das ständig wachsende Segment der Städtereisen stark zu dem Rekord beigetragen, sagte der Chef des Veranstalters Ameropa, Martin Katz, in Bad Homburg. Für den Markt würden Kurzreisen immer wichtiger, von denen nahe Ziele naturgemäß am meisten profitierten. Eine zentrale Rolle spielten außergewöhnliche Kulturangebote wie im vergangenen Jahr die Botticelli-Ausstellung in Frankfurt oder die Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet. "Wenn man etwas tut, anbietet und es sehr breit kommuniziert, dann kommen auch die Gäste." Das Ruhrgebiet habe zweistellige Zuwachsraten bei den Übernachtungen erzielt.

"Herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis"

Deutsche Städte könnten im internationalen Vergleich mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis glänzen, meinte Katz. Die Hauptstadt Berlin liege in der Gunst der Gäste an der Spitze unter anderem wegen des Überangebots von Fünf-Sterne-Hotels, die häufig zum Drei-Sterne-Preis angeboten würden. Die deutschen Regionen auch außerhalb der Touristenmagneten Nord- und Ostsee sowie den Alpen müssten stärker mit ihrer Vielfalt und Themen wie Wellness, Kulinarik und sportlichen Aktivitäten werben, sagte Katz. "'In der Rhön ist es schön' reicht schon lange nicht mehr. Das sagen schließlich alle."

Positiv habe sich die abgesenkte Mehrwertsteuer für die Hotels ausgewirkt, meinte Katz. Sie habe zwar kaum zu niedrigeren Preisen geführt, aber etliche Investitionen in die Qualität ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle lobte die starke mittelständische Tourismusindustrie für ihren Beitrag zum Gäste-Boom.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) betonte das breite Angebot in den deutschen Zielen, die sämtlich auch über Kataloge in den Reisebüros buchbar seien. "Es gibt vielmehr Pauschalangebote auch für Inlandsreisen", berichtete DRV-Sprecherin Sibylle Zeuch. Als Beispiele nannte sie Pakete zum Besuch von Musicals oder einer Aufführung in der Semper-Oper in Dresden.

37 Prozent machten Urlaub im eigenen Land

Nach der in Hamburg vorgestellten 27. Deutschen Tourismusanalyse unternahmen im vergangenen Jahr 52 Prozent der Bevölkerung eine mindestens fünftägige Urlaubsreise - ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2009. Allerdings verkürzte sich die durchschnittliche Reise um einen halben Tag auf zwölfeinhalb Tage, und die Deutschen gaben pro Person nur noch 944 Euro und damit fast 100 Euro weniger als im Vorjahr aus. Die Bundesbürger sparten lieber im Urlaub selbst und an der Dauer ihrer Reise, als komplett daheim zu bleiben, erklärte der Auftraggeber der Studie, die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.

Aber auch einen günstigen Urlaub konnten sich der Studie zufolge viele Geringverdiener nicht leisten. Von ihnen fuhren demnach nur 31 Prozent in den Urlaub, während bei den Besserverdienenden 79 Prozent mindestens fünf Tage lang verreisten. Die Stiftung warnte, in puncto Mobilität drohe eine Spaltung in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Kroatien überholt Griechenland

Das beliebteste Reiseziel der Deutschen blieb auch 2010 Deutschland; 37 Prozent verbrachten laut Tourismusanalyse hierzulande ihren Urlaub. Dabei verbuchte vor allem die Ostseeküste ein Gästeplus, während es weniger Urlauber in den Schwarzwald oder an den Bodensee zog.

Spanien blieb mit 12,9 Prozent das meistbereiste Ziel im Ausland, vor Italien, der Türkei und Österreich. Gewinner der Reisesaison 2010 war Kroatien, das sich an Griechenland vorbei auf Rang fünf schob. 11,6 Prozent unternahmen Fernreisen nach Übersee. Für die Studie befragte die GfK 4000 Personen im Alter ab 14 Jahren.

Der Flughafenverband ADV berichtete ebenfalls von zunehmender Reiseaktivität 2010. So sei die Zahl der Fluggäste auf den 23 internationalen Verkehrsflughäfen hierzulande um 4,7 Prozent auf 190 Millionen angestiegen, trotz Einschränkungen etwa wegen des Vulkanausbruchs auf Island.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa/AFP

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