Reise

Hunderte Schlangenbisse jährlich Überraschend viel Natur in Hongkong

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So ist es sicherer: Schlange mit "Maulkorb" (Aufnahme aus Singapur)

(Foto: dpa)

In der Millionenmetropole Hongkong erleiden jedes Jahr Hunderte Menschen Schlangenbisse. Aufenthaltsorte der Schlangen sind Parks und fast unberührte Hügel und Berge.

Der Gärtner vor dem Hongkonger "Sea Crest"-Villenkomplex macht das, was ein Gärtner so macht: Er jätet Unkraut. Doch der Arbeitstag des Mannes nimmt ein jähes Ende, als ihm eine kleine giftgrüne Bambusschlange in die Hand beißt. Fluchend greift der Gärtner einen Stein, erschlägt das Tier und wird von Kollegen mitsamt Schlange in ein Krankenhaus gebracht. Die Schlange wird als giftig erkannt, ein Serum wird gespritzt und der Mann nach Hause geschickt. In der Millionenmetropole Hongkong erleiden jedes Jahr Hunderte Menschen Schlangenbisse. Nur wenige gehen tödlich aus, denn im Normalfall werden die Opfer in kürzester Zeit mit einem Gegen-Serum behandelt.

Üppige subtropische Vegetation

Aufenthaltsorte der Schlangen sind Parks, fast unberührte Hügel und Berge. Da Hongkongs Regierung die Bebauung nur in wenigen Zonen genehmigt, sind weite Teile der chinesischen Sonderverwaltungszone mit üppiger subtropischer Vegetation bewachsen. Die größten der in Hongkong heimischen Schlangen messen sechs Meter. "Touristen sind immer sehr überrascht, wenn sie feststellen, dass der größte Teil Hongkongs aus grüner Natur besteht", berichtet Alan Wong vom Hongkonger Amt für Landwirtschaft, Fischerei und Artenschutz. "Man glaubt, hier seien nur Wolkenkratzer und das laute Treiben einer riesigen Stadt, doch in Wirklichkeit steht fast die Hälfte von Hongkongs gesamtem Territorium unter Naturschutz."

Acht der vierzehn in Hongkong heimischen Giftschlangenarten können Menschen töten. Der frühe Herbstanfang gilt als besonders gefährlich. Spielende Kinder, die keine festen Schuhe tragen, gehen ein erhöhtes Risiko ein, denn das Gift wirkt in ihrem kleineren Organismus stärker. Hongkong verfügt aber über ein hoch entwickeltes Gesundheitssystem. Schlangenbissopfer werden im Durchschnitt schon nach 40 Minuten mit einem Serum behandelt.

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Blick aufs Bankenviertel von Hongkong: So viel Natur würde man in dieser Stadt gar nicht erwarten.

(Foto: REUTERS)

Der aktivste Beißer in Hongkongs Parks und Naturschutzgebieten ist die Bambusschlange. Sie wird bis zu 75 Zentimeter lang. Untersuchungen zufolge ist sie wählerisch, denn Opfer sind fast immer Männer. Und besonders oft gebissen werden deren linke Beine und Hände. Die Bambusschlange trägt den lateinischen Namen "Trimeresurus Stejnegeri" und wurde von dem deutschstämmigen Amerikaner Karl Patterson Schmidt, dem wohl bedeutendsten Herpetologen des 20. Jahrhunderts, entdeckt. Im Gegensatz zu den meisten Hongkongern, die gebissen werden, erlag Schmidt den Folgen einer Schlangenattacke.

Schlangenfleisch auf dem Speiseplan

Es ist eine ironische Besonderheit des Schlangenproblems, dass "Täter" oft zu Opfern werden: Schlangenfleisch steht in vielen Restaurants auf dem Speiseplan. Die wohl berühmteste Spezialistin auf dem Gebiet ist Chau Ka-ling, von den Hongkongern "Snake Queen" genannt. In einem Interview preist Frau Chau die medizinischen Wirkungen von Schlangenfleisch an: "Heutzutage leidet unsere Haut sehr an Luftverschmutzung, da ist Schlangenfleisch genau das Richtige. Einen Teller Schlangensuppe am Tag, und ich garantiere die Linderung von Hautproblemen." Doch das Geschäft laufe nicht mehr gut, klagt die "Schlangenkönigin", denn seit der Wiedervereinigung mit China 1997 reisten immer mehr Hongkonger zum Schlangenessen in die chinesischen Nachbarstädte.

Da ein Hochhausappartement einer Hongkonger Familie im Durchschnitt nur etwa 55 Quadratmeter misst, sind häufige Ausflüge in die Natur beliebt. Doch genau dort kreuzen sich die Wege von Großstadtbewohnern und Schlangen. Allerdings gibt es in Hongkong eine Tiergattung, die noch öfter zubeißt als die kleine Bambusschlange: Die über 25 000 jährlich registrierten Hundebisse stellen die Gefährdung durch Schlangen weit in den Schatten.

Quelle: ntv.de, Jens Kastner, dpa

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