Kritik an olympischer MonokulturAlpenverein will DOSB verlassen
Der Deutsche Alpenverein (DAV) droht als erster deutscher Fachverband mit dem Austritt aus dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Der Deutsche Alpenverein (DAV) droht als erster deutscher Fachverband mit dem Austritt aus dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Hauptgeschäftsführer Thomas Urban erklärte, die 735.000 Mitglieder zählende Organisation vermisse die "richtige politische Weichenstellung der DOSB-Spitze". "Wir erwägen einen Austritt. Nach der Fusion des organisierten Sports 2006 sind wir schlechter als vorher gestellt", sagte er. Der DAV zahlt nach eigenen Angaben einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 40.000 Euro an den DOSB. "Der Rückfluss ist gleich null." Der DAV war 1995 in den damaligen Deutschen Sportbund (DSB) eingetreten. Der endgültige Beschluss über einen möglichen Austritt kann nur von der Mitgliederversammlung, frühestens 2009 getroffen werden.
"Der Alpenverein ist ein gern gesehenes Mitglied. Wir arbeiten gut zusammen, vor allem in ökologischen Fragen. Ich habe Herrn Urban und der Verbandspitze schon vor einer Weile ein Gespräch angeboten", erklärte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Dieser Austausch soll zeitnah erfolgen. Vor allem bei der deutschen Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018 sei der Dialog mit dem Alpenverein sehr wichtig.
Der Naturschutzverband vertritt mit seinen sportlichen Angeboten 500.000 aktive Sportkletterer, die in künstlichen Anlagen trainieren. 2.500 von ihnen treiben Leistungssport. Urban: "Es ist doch absurd: Wenn unsere Athleten Leistungen von den Olympiastützpunkten in Anspruch nehmen wollen, müssen sie Gebühren bezahlen." Sportfördermittel aus dem Haushalt des Bundesinnenministeriums würden genauso wenig gezahlt wie Organisationskostenzuschüsse für Weltmeisterschaften, erklärte Urban.
Vom Ministerium werde ultimativ verlangt, dass der DAV zunächst seine Rücklagen, etwa für den Gletscherschutz und andere Umweltprojekte, aufbrauche. Urban, der in Berlin an einer Sportausschuss-Anhörung über Förderungsdefizite bei den nichtolympischen Verbänden teilnahm, sagte: "Wir stellen in der Leistungssportförderung nicht den Vorrang der Olympischen Spiele in Frage. Der DOSB muss allerdings die reine olympische Monokultur aufgeben."