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Kurioser Verdacht"Gott hasst die Ravens": Sorgte Priester für dramatisches Playoff-Aus?

05.01.2026, 11:24 Uhr
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Der verhängnisvolle Moment ... (Foto: IMAGO/UPI Photo)

Einen machbaren Schuss sind die Baltimore Ravens nach einem aufregenden Spiel vom Einzug in die NFL-Playoffs entfernt. Doch der entscheidende Versuch geht schief - und es gibt eine kuriose Theorie, wie das passieren konnte.

Die Baltimore Ravens verpassen auf dramatische Weise den Einzug in die Playoffs der NFL: Erst kassiert das Team zu Beginn der Schlussminute des entscheidenden letzten Saisonspiels bei den Pittsburgh Steelers einen 26-Yards-Touchdown und gerät damit mit 24:26 ins Hintertreffen. Doch dann führt Quarterback Lamar Jackson seine Offense noch einmal bis tief in die Hälfte der Steelers, ein verwandeltes Fieldgoal über 40 Yards ist man noch vom Comeback in letzter Sekunde und dem Einzug in die Playoffs entfernt.

Rookie-Kicker Tyler Loop läuft an, tritt das Ei in Richtung der Torstangen - und jagt es weit vorbei. Die Uhr ist abgelaufen, die Steelers stehen in den Playoffs und die fassungslosen Ravens kollabieren. Kurz nach dem verhängnisvollen Fehlschuss macht eine Theorie die Runde: Die Ravens wurden von göttlicher Hand ausgebremst. Es gibt ein Beweisvideo!

In den sozialen Medien kursiert ein Clip, der einen Priester zeigt, wie er die Endzone mit Weihwasser segnete – dieselbe Endzone, über der Loop seinen Field-Goal-Versuch vergab. "Loop schenkte den Steelers den Sieg und erhörte die Gebete vieler treuer Steelers-Fans", schreibt "USA Today". Auf CBS verkündeten die Kommentatoren in der Sendung "Saturday Night Football" unmissverständlich und mit einem Schmunzeln: "Und deshalb war es nicht Tyler Loops Fehler!" Und ein User formulierte die bittere These: "Dass die Steelers die Endzone, in der Tyler Loop sein spielentscheidendes Field Goal verfehlte, vor dem Spiel mit Weihwasser besprengt haben, bestätigt nur eines: Gott hasst die Baltimore Ravens."

"Liegt in der Natur der Sache"

Zumindest die Statistik des unglückseligen Loop vor dem verschossenen Fieldgoal legt eine übersinnliche Einflussnahme nahe: Ein 40-Yard-Fieldgoal gehört in der NFL zum Standardrepertoire eines Kickers. Keinen seiner zuvor 29 Versuche unter 50 Yards Entfernung hatte der Rookie bis dahin vergeben. Nun passierte es ihm im unglücklichsten Moment. "Leider gehört es zum Job eines Kickers dazu, dass man Treffer landet, und das ist großartig, aber leider auch, dass man daneben schießt, und dass das heute Abend passiert ist, ist bitter", sagte er.

Ravens-Quarterback Lamar Jackson, der noch während des Spiels mit seinem Kicker nach einem missglückten Kickoff geschimpft hatte, wollte nicht den Stab über dem 25-jährigen Unglücksraben brechen: "Ich hatte das Gefühl, dass es am Ende auf ihn ankommen würde, das Spiel für uns zu gewinnen, einfach wegen des Verlaufes des Spiels. Er ist ein Rookie. Es ist alles gut. Er sollte es einfach hinter sich lassen."

Der tiefgläubige Loop, den die Ravens im Draft 2025 an 186. Stelle gezogen (und damit erstmals in der Franchise-Geschichte überhaupt einen Kicker) gezogen haben, ist selbst überzeugt, dass Gott maßgeblich für seine Geschicke verantwortlich ist. Vor dem Draft habe er sich mit seiner Verlobten entschlossen, ein Gebet zu sprechen, erzählte er zu Beginn der Saison in einer Geschichte über ihn. "Wir baten Gott einfach: ‚Bring uns dorthin, wo du uns haben willst ... aber wir würden gerne nach Baltimore gehen.‘"

"Alles wird gut"

Nach seinem Fehlschuss ergoss sich nun Spott über den Rookie: "Deshalb rede ich nicht mit ihnen, sie machen so einen Scheiß", sagte der ehemalige NFL-Runningback LeSean McCoy über Kicker. Der langjährige NFL-Reporter Ed Werder machte es gnädiger: "Aaron Rodgers und Lamar Jackson haben in der entscheidenden Phase Höchstleistungen gezeigt. Die Kicker nicht so sehr." Andere legten ihm nahe, unter der über ihn hereinbrechenden Flut an Memes und Beschimpfungen enttäuschter Fans seine Social-Media-Kanäle vorerst stillzulegen.

Doch Loop wird den Shitstorm überstehen. "Ich kann daneben schießen oder es kann etwas schiefgehen, ich könnte mich verletzen, mir könnte morgen das Ei genommen werden, und mir wird es gut gehen", sagte der Kicker einst zu seinem gefundenen Glauben. "Mein Leben wird sich in Bezug auf das, was ich tue, verändern, aber mein Ziel, mein Zweck und meine Mission im Leben werden sich nicht ändern. [...] Wenn man seinen Glauben findet, kann man einen Schritt zurücktreten und sagen: 'Okay, mir geht es gut. Alles wird gut. Wir werden es schaffen.' Ich glaube, dass diese Art von geistiger Freiheit den Druck nimmt und es einem ermöglicht, sein Bestes zu geben."

Für seinen Fehlschuss wollte er indes keine göttliche Intervention in Anspruch nehmen: "Ich habe ein bisschen in den Boden getreten. Es war eine großartige Situation, genau wie wir es wollten, aber leider habe ich den Ball einfach falsch getroffen. Wir nennen das einen "dünnen Treffer". Der Ball dreht sich schnell und fliegt nach rechts, und ja, genau so war es."

Quelle: ntv.de, ter