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"Didi" Senft trotzt Corona Dann trägt der Tour-Teufel eben Maske

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Der Teufel trägt Maske.

(Foto: dpa)

Dieter "Didi" Senft ist der Tour-Teufel - und weltberühmt. Auch bei der 107. Rundfahrt durch Frankreich wird "El Diablo" mit Dreizack am Straßenrand stehen. Ein Leben ohne seine Passion ist für den bekanntesten Radsport-Fan nicht vorstellbar - auch nicht in der Corona-Krise.

Saint-Martin-du-Var. Das erste Ziel einer langen Reise hat Didi Senft schon auf der Karte markiert. Am Samstag rollt das Peloton der 107. Tour de France auf der ersten Etappe durch die kleine Gemeinde im Departement Alpes-Maritimes, ein Spektakel für die Einwohner, unter die sich ein besonderer Gast mischen wird: "El Diablo", der Tour-Teufel. Angst und Schrecken sind nicht sein Geschäft. Verkleidet im rot-schwarzen Kostüm, mit zwei Hörnern auf dem Kopf und dem Dreizack in der Hand verbreitet der Brandenburger gute Laune - und stiehlt am Streckenrand mitunter sogar den Fahrern die Show. "Überall bin ich so unterwegs", sagt Senft: "Man kennt mich. Ich freue mich."

Der Mann, der als Tour-Teufel auf der ganzen Welt bekannt ist, ist ein herzlicher Radsport-Romantiker. Eigentlich heißt er Dieter. Für die meisten ist er einfach der "Didi". Als Person lässt sich Senft in kein Muster pressen. Künstler, Erfinder, Handwerker, Individualist, Exzentriker. Vor allem zeichnet ihn aber seine beispiellose Liebe fürs Fahrrad aus. Wenn Senft, 68, am Donnerstag aus seiner Heimat in Storkow aufbricht, reist er zum 27. Mal zur Tour de France. "Ich war auch 20-mal beim Giro, 15-mal bei der Tour de Suisse", sagte Senft. Über 1000 Etappen habe er an der Straße verfolgt. Die genaue Zahl kennt er nicht. "Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das mal zusammengezählt habe", sagt er.

Ullrichs Tour-Sieg 1997? "Ober-sensationell!"

Senft träumte als junger Mann von einem Dasein als Rennfahrer, so wie sein Idol Täve Schur. Fehlendes Talent stand ihm im Weg. Seine Stärken liegen in den Händen, nicht den Beinen. Also begann Senft zu tüfteln und kuriose Fahrräder zu schweißen. "Das habe ich knapp über 50 Jahre gemacht. Es sind ein paar Hundert Modelle und über 20 Weltrekorde geworden", sagt Senft. Das Museum, in dem er viele Exponate ausstellte, hat er inzwischen aufgegeben. Dem Profisport blieb er als Fan verbunden.

Und er hat viel erlebt. Besonders an die 90er Jahre denkt er gerne zurück. Er nennt sie die "D-Mark-Zeit". Jan Ullrichs Tour-Sieg 1997? "Ober-sensationell!" Die Tour 1998 mit dem Sieg Marco Pantanis? "Genauso sensationell. Es war die größte Zeit", sagt Senft. Heute heißen die Helden Emanuel Buchmann, Egan Bernal oder Primoz Roglic. Der Tour-Teufel ist derselbe. Nur der Rauschebart ist über die Jahre ergraut.

Die Einstufung der Cote d'Azur und dem Startort Nizza als Corona-Risikogebiet bereitet ihm keine Sorgen. Erst bei einer möglichen Grenzschließung würde er die Reise abbrechen. Also packt Senft mithilfe seiner Frau - seit 47 Jahren an seiner Seite - mal wieder seine Sachen. Fisch in Dosen, 14 Gurkengläser und andere Köstlichkeiten hat er dabei, denn in Ruhe Einkaufen kann er in Frankreich nicht mehr. "Im Supermarkt muss ich erstmal hinter der Fleischtheke mit den Damen ein Mannschaftsfoto machen", sagt Senft: "Aber es ist Frankreich. Ich liebe es."

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid