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Gabriel Clemens vor WM-Auftakt "Ich will den Ally Pally einfach genießen"

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Gabriel Clemens spielt heute in seinem WM-Auftaktspiel gegen den Niederländer Benito van de Pas.

(Foto: imago images / Sven Simon)

An Tag sechs der Darts-WM in London treten endlich die ersten beiden Deutschen ans Board. Einer von ihnen ist Gabriel Clemens. Der 36-Jährige trifft am heutigen Mittwoch auf Benito van de Pas. Gewinnt Clemens gegen den Niederländer, wartet Deutschlands Nummer eins in der nächsten Runde.

Als Darts-Legende Rod Harrington Ende November bei der WM-Auslosung das schwarze Kügelchen mit der Nummer 5 aus der Lostrommel fischte, wird Deutschlands laut Weltrangliste zweitbestem Spieler Gabriel Clemens schnell klar gewesen sein: Auf ihn wartet ein großer Medienrummel. Das liegt nicht an Clemens' Erstrundengegner Benito van de Pas, sondern am möglichen Kontrahenten in der zweiten Runde: Da würde nämlich Max Hopp, Deutschlands Darts-Nummer eins warten. Im Interview mit n-tv.de gibt sich "The German Giant" cool und erklärt, warum er an ein mögliches deutsches Duell noch keinen Gedanken verschwendet.

n-tv.de: Sie spielen in der ersten Runde der WM gegen Benito van de Pas. Das ist ein ehemaliger Top-16-Spieler, der sich aber erst am letzten Tag für die WM qualifizieren konnte. Was sagen Sie zum Los?

Gabriel Clemens: Es hätte mit Sicherheit einfachere Gegner gegeben, aber es hätte auch schlechter kommen können. Benito hatte zuletzt eine schlechte Zeit, ist in der Weltrangliste in kurzer Zeit deutlich abgestürzt. Aber er kommt langsam wieder. Die letzten Wochen und Monate hat er teils richtig gut gespielt.

Der Aufreger für Darts-Deutschland ist aber weniger Ihr Erstrundengegner. Jeder fiebert einem möglichen Duell mit Max Hopp entgegen. Gewinnen Sie gegen van de Pas, würde es in Runde zwei gegen Hopp gehen. Beschäftigen Sie sich damit?

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Gewinnt Clemens sein Auftaktspiel, würde in Runde zwei am Freitagabend Max Hopp warten.

(Foto: imago images/osnapix)

Nein, ich mache mir darüber überhaupt keine Gedanken. Das wäre auch ziemlich respektlos gegenüber Benito. Ich habe im Vorfeld der WM auch keine weitere Fragen zu dem Thema beantwortet.

Sie sind das zweite Mal in London bei der Weltmeisterschaft der PDC am Start. Im Vorjahr haben Sie die erste Runde überstanden und sind dann knapp gegen John Henderson ausgeschieden. Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Ich will es einfach wieder genießen, im "Ally Pally" (Alexandra Palace, Austragungsort der WM; Anm. d. Red.) zu spielen. Das ist die schönste Halle von allen. Die Stimmung ist mit Abstand die beste, das muss man einfach so sagen. Ich will einfach gut spielen und dann kommt der Rest von alleine. Wenn ich gute Darts werfe, kann ich mit Sicherheit meine Spiele gewinnen. Wenn nicht, bin ich auch schnell fertig.

Wer sind Ihre Favoriten in diesem Jahr?

Die üblichen Verdächtigen sind natürlich Michael van Gerwen, Gary Anderson und Gerwyn Price. Vor allem van Gerwen und Price haben in den letzten Monaten dominiert. Aber es gibt mittlerweile ziemlich viele Spieler, die überraschen können. Und man hat ja vor allem bei der WM immer wieder gesehen, dass es zu einigen Überraschungen kommt.

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Im Juli erreichte Gabriel Clemens beim hochkarätig besetzten German Darts Masters das Finale.

(Foto: imago images / Herbert Bucco)

Sie haben in diesem Jahr erstmals auch bei den großen Turnieren vor TV-Kameras starke Leistungen gezeigt. Beim German Darts Masters in Köln standen Sie im Finale, beim Grand Slam sind Sie zuletzt erst im Achtelfinale knapp an Glen Durrant gescheitert. Wie würden Sie Ihr zweites Jahr auf der Profitour zusammenfassen?

Ich habe auf jeden Fall den zweiten Schritt gemacht. Am Anfang war es noch ziemlich ungewohnt, auf den großen Bühnen zu spielen. Mittlerweile habe ich mich aber gut darauf eingestellt und es wird immer besser.

Sie sind 36 Jahre alt, spielen schon einige Jahre Darts, sind aber erst vor knapp einem Jahr Profi geworden. Wie sind Sie an diesen Punkt gekommen?

Ich habe, wie die meisten anderen Spieler auch, einfach mal mit Freunden in der Kneipe am E-Dart-Automaten angefangen, dann in einer Liga gespielt. Irgendwann bin ich zum Steeldart gewechselt und habe Bundesliga gespielt, dann auch mal bei dem einen oder anderen BDO-Turnier (British Darts Organisation, größter Amateur-Dartsverband der Welt; Anm. d. Red.) mitgemacht. 2018 habe ich mich dann mal an der Qualifikation für die PDC (Professional Darts Corporation, Profidartverband; Anm. d. Red.) probiert und das sofort geschafft. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, deshalb war ich in dem Moment total unvorbereitet für das, was dann kam. Im ersten Jahr auf der Profitour habe ich noch drei Tage die Woche gearbeitet in meinem Job als Schlosser beim Entsorgungsverband. Seit Februar bin ich freigestellt. Erstmal für ein Jahr.

Wie haben Sie sich auf die WM vorbereitet?

Ich habe meine Abläufe überhaupt nicht verändert. Ich habe genau das gemacht, was ich immer mache, etwa drei bis fünf Stunden täglich trainiert.

Mit Gabriel Clemens sprach Kevin Schulte.

 

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Quelle: ntv.de