"Ein nichtsnutziger Bastard"Das ungezügelte Leben des Jake LaMotta

Berühmtheit erlangte er auch durch den Film "Wie ein wilder Stier" - ein bezeichnender Titel für das gesamte Leben des einstigen Box-Weltmeisters. Selten hatte er sich unter Kontrolle. Nun ist Jake LaMotta tot. Robert de Niro schreibt: "Ruhe in Frieden, Champ."
Der Film, mit dem er lange nach seiner Karriere eine Art Popstar wurde, hat Jake LaMotta erst einmal nicht gefallen, er hat ihn, wenig verwunderlich, wütend gemacht. So wütend, dass er die Produktionsfirma verklagte. Irgendwann fiel ihm dann aber wohl auf, dass "Raging Bull" auf seinen Memoiren basierte, und er räumte ein: "Ich habe schlecht ausgesehen in dem Film, aber dann habe ich erkannt: Es ist wahr." "Wie ein wilder Stier", so der deutsche Titel, ist ein Meisterwerk. Gedreht in Schwarz-Weiß von Martin Scorcese, geprägt von einem später dafür mit dem Oscar prämierten Robert De Niro in der Rolle seines Lebens.
Es zeichnet Aufstieg und Fall des Boxweltmeisters im Mittelgewicht von 1949 bis 1951 nach. LaMotta wird darin mit aller Konsequenz als unsympathischer Schlägertyp dargestellt, der später zu einem aufgeschwemmten Pseudo-Entertainer verkommt. Der Film erschien 1980. Bereits am vergangenen Dienstag, 37 Jahre später, starb der am 10. Juli 1922 als Giacobba LaMotta geborene Sohn italienischer Vorfahren nun in einem Pflegeheim nahe Miami mit 95 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Dies bestätigte seine langjährige Verlobte Denise Baker. Zu Ende ging ein "Leben voll ungezügelter Wut, im Ring und außerhalb", wie die "New York Times" schrieb.
Er prügelte sich durch seine Jugend
Wer behauptet, das Leben von LaMotta sei bewegt gewesen, untertreibt. Er prügelte sich durch seine Jugend, Boxen lernte er in einer Besserungsanstalt. Er verschob sogar mal einen Kampf, wie er später gestand. Er war sieben Mal verheiratet, hatte sechs Kinder, seine beiden Söhne starben 1998: Jake jr. an Leberkrebs, Joseph beim Absturz der Swissair 111. "Ich war", gestand LaMotta, "ein nichtsnutziger Bastard." Er legte jedoch auch großen Wert auf die Feststellung, dass er sich später geändert habe.
Profi wurde LaMotta 1941. Bis zu seinem endgültigen Rücktritt 1954 bestritt er 106 Kämpfe, er gewann 83, davon 30 durch K.o. Weltmeister wurde er am 16. Juni 1949 in Detroit gegen Marcel Cerdan aus Frankreich, er verteidigte seinen Titel zweimal, dann verlor er ihn am 14. Februar 1951 im ersten von sechs Kämpfen gegen Sugar Ray Robinson. Es war eine blutige Ringschlacht, genannt das "Massaker am Valentinstag". LaMotta war bekannt für seine Nehmerqualitäten. Nur einmal in seiner 13 Jahre währenden Karriere ging er auf die Bretter. Seine Gegner hatten ihn oft in den Seilen, verprügelten ihn, wurden dann allerdings von einer wahren Flut von Haken überrumpelt. "Er war eine Art Tier", sagte Robinson, der im zweiten Kampf gegen LaMotta am 5. Februar 1943 seine erste Niederlage als Profi einstecken musste.
Alkohol und Frauengeschichten
Wie ein "raging bull", ein wütender Stier, war LaMotta auch im Privatleben. Zu oft hatte er sich nicht unter Kontrolle. Seine erste Frau verprügelte er, seine zweite Ehe endete wegen seiner Alkoholprobleme und Frauengeschichten im Chaos. Nach dem Ende der Karriere stürzte er ab, er wurde fetter und fetter. 1957 musste er wieder ins Gefängnis, sechs Monate, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte.
Sein Freund Rocky Graziano überredete LaMotta Ende der 1950er-Jahre, ins Showgeschäft einzusteigen. Und so versuchte er sich als Stand-up-Comedian in düsteren Nachtclubs und Oben-ohne-Bars, er spielte einen Barkeeper in Paul Newmans legendärem Film "The Hustler" (Haie der Großstadt) und einen Mafiosi in einem Musical. Vor allem aber war er: "Raging Bull". Grandios dargestellt von De Niro. Der schrieb zum Abschied: "Ruhe in Frieden, Champ".