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Ion Tiriac wird 80 Der Mann, der Boris Becker groß machte

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Der bessere Tennisspieler von beiden war zweifellos Boris Becker (r.), auch wenn Ion Tiriac hier den Ton angibt.

(Foto: imago/Sven Simon)

Boris Becker war nicht nur einer der erfolgreichsten Tennisspieler der Geschichte, der Deutsche ist auch zu einer globalen Marke geworden. Dieser Aufstieg ist untrennbar mit seinem ehemaligen Manager Ion Tiriac verbunden. Ein Porträt von Rumäniens erstem Milliardär.

Geschlagene fünf Stunden lang hat Ion Tiriac dem Treiben zugesehen, dabei natürlich keine Miene verzogen, das tat er ja nie. Fünf Stunden, in denen Argentiniens begnadeter Tennis-Poet Guillermo Vilas einen Halbwüchsigen mit Babyspeck und roten Haaren unter der stechenden Sonne im Monte Carlo Country Club über den Platz gescheucht hat, von rechts nach links, vor, zurück, weiter, immer weiter. "Ich hab fast gekotzt", erinnert sich Boris Becker. Der 17-jährigste Leimener aller Zeiten ist damals erst 15, Tiriac auch noch deutlich jünger. Heute wird Beckers einstige Gelddruckmaschine 80 Jahre alt.

Als die Tortur beendet ist, damals im Monte Carlo Country Club, geht Tiriac zu Günther Bosch. "Günther, wir müssen mit den Eltern reden. Der Junge wird mal Wimbledon gewinnen", sagt er. Wenig später, irgendwann im Herbst 1983, trifft man sich im Flughafenhotel in Frankfurt am Main. Tiriac, der Manager mit der Lizenz zum Geldbeschaffen, Bosch, der sich als Trainer bedingungslos dem rothaarigen Jungen verschrieben hat, und Familie Becker aus Leimen: Vater Karl-Heinz, Mutter Elvira und ihr Sohn Boris. An dem Tag verlieren Karl-Heinz und Elvira ihren Zweitgeborenen an Deutschland.

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"Er ist für immer der Allergrößte", sagte Tiriac noch Jahrzehnte nach der Trennung.

(Foto: imago images / Paul Zimmer)

Das Prinzip war so simpel wie erfolgreich: Becker spielte, Bosch trainierte, Tiriac beschaffte Verträge und Geld. Rumäniens ehemaliger Eishockey-Nationalspieler wurde für das deutsche Tennis zu einem Glücksgriff. Becker kassierte, der Deutsche Tennis Bund kassierte, und Graf Dracula mit der schwarzen Löwenmähne und dem gewaltigen Schnauzbart kassierte ordentlich mit. Vom Preisgeld behielt er zehn Prozent ein, von den Werbeeinnahmen 30 Prozent. Boris Becker wurde dennoch locker zum Multimillionär. "Er ist für immer der Allergrößte", sagte Tiriac noch Jahrzehnte nach der Trennung: "So einer fällt vom Himmel, den gibt es nicht noch einmal."

Mit dem alten Java-Motorrad zum Turnier

Einen wie Tiriac vielleicht auch nicht. Er stammt aus Kronstadt in Siebenbürgen, dort stand er am Fließband einer Kugellagerfabrik und prüfte den Härtegrad der Lager. Er wohnte in derselben Straße wie Günther Bosch, der auch im selben Werk arbeitete. Bosch spielte gerne und gut Tennis, Tiriac nicht so sehr, deshalb gab ihm der Kollege ein paar Trainerstunden. Beide fuhren mit einem alten Java-Motorrad zu den Turnieren in Rumänien, "das ganze Jahr über, bis der Frost kam", erinnert sich der zwei Jahre ältere Bosch. Ion Tiriac hatte keinen leichten Start ins Leben: Als er neun Jahre alt war, starb sein Vater, fortan war er der "Mann" in der Familie.

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Erfolgreich als Einzelkämpfer: Ion Tiriac.

(Foto: imago sportfotodienst)

Er musste sich alleine nach oben durchkämpfen, und das tat er ziemlich konsequent. Er war Präsident des rumänischen NOK, er besitzt Wohnungen in New York, Paris, Monte Carlo und London, er besitzt Autohäuser, Banken, Privatjets und Immobilienfirmen, in seiner Garage stehen fast 500 blank polierte Oldtimer. Einen großen Teil seines fast unvorstellbaren Reichtums hat er Zeit seines Lebens auch mit denen geteilt, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite stehen. Viele Waisenhäuser in seiner rumänischen Heimat tragen seinen Namen, in Bukarest baute er ein modernes Eishockey-Stadion, in dem Kinder und Jugendliche umsonst trainieren und spielen dürfen.

Ion Tiriac lebt heute überwiegend in Bukarest, ganz oft kann man ihn dort am Steuer eines seiner Oldtimer sehen. Manchmal, wenn das Wetter besonders schön ist, holt er die richtigen Schätzchen aus der Garage. Den schwarzen Cadillac zum Beispiel, mit dem einst Evita Peron an der Casa Rosada vorfuhr. Tiriac ist mit seinen 80 Jahren nach wie vor ausgesprochen umtriebig, auch im Sport. Eine seiner Firmen veranstaltet das Tennis-Masters in Madrid, im Oktober ist er ebenfalls als Mitveranstalter erstmals bei einem Golf-Turnier in der spanischen Hauptstadt dabei. Und wo ist der Weltbürger Ion Tiriac am Ende des Tages zu Hause? "Eines ist ganz klar", sagt er: "Ich werde als Rumäne sterben." Aber bestimmt wird er vorher noch ein bisschen Geld verdienen.

Quelle: n-tv.de, Angela Bern, sid