"War die falsche Entscheidung"Deutsche Ski-Hoffnung verzweifelt bei Kläbos Rekordsieg an sich selbst

Eigentlich ist die fordernde Schlussetappe der Tour de Ski ein Festtag für Friedrich Moch, doch diesmal geht für den besten deutschen Langläufer der vergangenen Jahre nichts. Während Johannes Hösflöt Kläbo seine Rekordsammlung erweitert, ist für Moch sogar die Olympia-Qualifikation in Gefahr.
Als Norwegens Langlauf-Gigant Johannes Hösflot Kläbo hoch oben auf der Alpe Cermis schon seinen Rekordcoup feierte, stapfte Friedrich Moch noch chancenlos und frustriert den härtesten Anstieg der Loipenwelt hinauf. Beim historischen fünften Gesamtsieg des Rekordweltmeisters bei der Tour de Ski kassierte Moch die nächste bittere Niederlage - einen guten Monat vor Olympia geht beim deutschen Topläufer gar nichts.
"Er hat die Entscheidung gefällt, im Wettkampfmodus drinzubleiben. Stand heute können wir sagen, es war die falsche Entscheidung", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder nach Mochs 46. Platz in der Tageswertung: "Am Ende des Tages müssen wir es nach Olympia beurteilen. Wenn wir doch noch Olympiasieger werden, sagen alle: Gut, haben wir es richtig gemacht."
Nach der Vorstellung in Val di Fiemme, dem Ort der kommenden Winterspiele, scheint es aber schon fraglich, ob Moch überhaupt das Olympia-Ticket bucht. Nichts geht mehr beim Shootingstar der vergangenen Jahre, der dreimal auf der Cermis-Etappe auf das Podest gelaufen und vor zwei Jahren Gesamtzweiter der Tour geworden war. "Eigentlich fühle ich mich gut und habe hier immer gute Rennen gezeigt", hatte Moch vor der finalen Etappe gesagt. Doch dann kam zur fehlenden Form noch ein Skibruch hinzu.
Kläbo bei Tour de Ski seit 2022 ungeschlagen
Kläbo reichte indes bei der abschließenden "Bergetappe" der 20. Tour ein zwölfter Platz beim Tagessieg seines Landsmanns Mattis Stenshagen, um in der Gesamtwertung vorne zu bleiben. "Vor Kläbo kann man nur den Hut ziehen", sagte Schlickenrieder im ZDF: "So eine Konstanz an Erfolgen ist eindrucksvoll und inspirierend."
Der große und kräftige Kläbo hatte auf dem bis zu 26 Prozent steilen Schlussanstieg, bei dem auf 3,6 Kilometern rund 400 Höhenmeter zu überwinden sind, erwartungsgemäß nichts mit dem Tagessieg zu tun. Angesichts von 1:23 Minuten Vorsprung, die er mit ins Finale genommen hatte, musste der 29-Jährige aber nicht mehr ans Limit gehen. Im Ziel lag der Mann im goldenen Trikot 58,9 Sekunden hinter Stenshagen zurück. Bester Deutscher war Florian Notz auf Platz 18.
Kläbo gewann damit die Tour de Ski zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren, 2023/24 hatte er erkrankt gefehlt. Bislang hatte er sich den Siegrekord mit dem Schweizer Dario Cologna geteilt. Einziger deutscher Gewinner der Tour ist Tobias Angerer, der bei der Premiere 2006/07 vorne lag.
Bei den Frauen triumphierte Jessie Diggins aus den USA zum dritten Mal. Die 34-Jährige kam im 10 Kilometer Massenstart als Zweite ins Ziel und lag im Gesamtklassement 2:17,7 Minuten vor der Österreicherin Teresa Stadlober. Der Tagessieg ging an Karoline Simpson-Larsen aus Norwegen. Beste Läuferin im durch etliche Krankheitsausfälle dezimierten DSV-Team war Helen Hoffmann als Zehnte. Im Gesamtklassement verbesserte sich die 23-Jährige auf Platz 13.