Sport

Kati Wilhelm zur Biathlon-WM "Deutsche holen sechs Medaillen"

97554927.jpg

Kati Wilhelm, Biathlon-Olympiasiegerin, -Weltmeisterin und -TV-Expertin.

(Foto: picture alliance / Tobias Hase/d)

Die Biathlon-WM in Antholz lockt mit Höhe, Superfans - und deutschen Medaillen. "Der Formaufbau stimmt", sagt Expertin und Olympiasiegerin Kati Wilhelm im Gespräch mit ntv.de und erklärt, wen man auf dem Zettel haben sollte und warum die deutschen Athletinnen und Athleten vorne mitmischen werden.

ntv.de: Frau Wilhelm, die bisherige Biathlon-Saison hatte für die deutschen Frauen und Männer Höhen und Tiefen. Was stimmt Sie für die am 13. Februar beginnenden Weltmeisterschaften in Antholz zuversichtlich?

Kati Wilhelm

Kati Wilhelm war von 2001 bis 2010 eine der erfolgreichsten deutschen Biathletinnen. Sie gewann insgesamt 37 Weltcuprennen, davon 21 Einzelsiege. Die Thüringerin holte bei insgesamt drei Olympischen Winterspielen drei Gold-, drei Silber- und eine Bronzemedaille. Bei Weltmeisterschaften triumphierte sie fünf Mal. Heute arbeitet sie als TV-Expertin für die ARD, hält Vorträge zum Thema "Entscheidungen" und betreibt mit dem "Heimathlon" ein eigenes Restaurant in ihrem Heimatort Steinbach-Hallenberg.

Kati Wilhelm: Für mich überwiegen die positiven Ergebnisse in diesem Jahr. Das gilt bei den Frauen für Denise Hermann, aber vor allem bei den Männern durfte nahezu jeder mal rauf aufs Podest. Zudem haben die Männer gezeigt, dass sie läuferisch mit der Spitze mithalten können, dass sie gut drauf sind. Das passt schon!

Apropos gut drauf: Das gilt vor allem für die Weltcups in diesem Jahr, Oberhof, Ruhpolding und zuletzt im slowenischen Pokljuka gab es Podestplätze und Topplatzierungen. Der Formaufbau in Richtung WM stimmt also?

Davon gehe ich ganz fest aus, das ist immer der Plan im deutschen Team. Die Weltmeisterschaften oder die Olympischen Spiele sind das Saison-Highlight, da gilt es zu glänzen und Medaillen einzufahren. Wobei Antholz als Austragungsort in diesem Jahr noch etwas Spezielles hat: Die Athleten tragen ihre Wettkämpfe in rund 1600 Metern Höhe aus.

Spielt die Höhe in der Vorbereitung eine Rolle? Der letzte Weltcup liegt rund zweieinhalb Wochen zurück.

Ja, natürlich. Die Sportler sind schon länger dort und daher auch gut an die Höhe gewöhnt, denke ich. Die Pause ist aber auch nicht extra lang, sondern eher die Regel zwischen dem letzten Weltcup und der WM.

Kann man in dieser Zeit noch einmal Form aufbauen, was die Lauf- oder die Schießleistung betrifft?

Ja. In der Regel regenerieren die Sportler erst und können dann aber auch individuelle Schwerpunkte setzen, um die Form zu halten oder aufzubauen. Das geht sowohl beim Laufen als auch beim Schießen. Aber klar ist auch: Läufst du die ganze Saison bisher hinterher, schaffst du den Anschluss in diesen zwei, zweieinhalb Wochen nicht mehr. Man kann vielleicht dann in ein oder zwei Rennen glänzen, aber für die gesamte WM reicht es dann nicht.

Das spricht nicht unbedingt für den Thüringer Erik Lesser ...

lesser.jpg

Erik Lesser suchte bisher seine Form der Vorjahre. Findet er sie ausgerechnet während der WM in Antholz?

(Foto: picture alliance/dpa)

Oder gerade doch. Er weiß, dass er nicht viele Einsatzchancen bei der WM bekommen wird. Aber er ist auch jemand, der sich dann notfalls auch auf ein Rennen voll fokussieren kann und alles rausholt.

Bundestrainer Mark Kirchner sieht Lesser nach eigener Aussage bisher nicht im Einzelrennen beispielsweise, sondern eher in der Single-Mixed-Staffel oder der Männer-Staffel.

Single-Mixed kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Ich denke auch, dass Erik so realistisch ist und weiß, dass er nicht mit sehr viel mehr rechnen kann. Wenn alle gesund bleiben.

Wer ist denn in der Verlosung für die Besetzung der Männer-Staffel?

Zunächst: Es ist erst einmal genug Potenzial vorhanden, seien es Benedikt Doll und Arnd Peiffer oder Johannes Kühn und Philipp Horn. Philipp Nawrath gibt es auch noch. Dazu ein Erik Lesser in der Hinterhand. Da haben die Trainer die Qual der Wahl. Aber es gibt ja zum Glück nicht nur die Staffel und so können sie schauen - und ich denke, das machen sie auch - dass vielleicht jeder mal in einem WM-Rennen ran darf. Und speziell die Staffel, denke ich, wird ein Mix aus alten Hasen wie Doll und Peiffer und jungen Wilden - wie Horn und Kühn.

Gibt es denn eine positive Überraschung für Sie im bisherigen Saisonverlauf?

128852680.jpg

Philipp Horn aus Frankenhain ist die positive deutsche Überraschung der bisherigen Saison.

(Foto: picture alliance/dpa)

Philipp Horn aus Frankenhain. Er hat in Hochfilzen zwar eine wirklich schlechte Staffelleistung abgeliefert, aber das hat ihn nicht lang beschäftigt. Er hat danach abgeliefert, vor allem bei den Heimrennen in Oberhof und ist mittlerweile ein fester Bestandteil des deutschen Männerteams.

Schaut man auf den Gesamt-Weltcup, machen die Norweger und Franzosen unter sich die Medaillenränge aus. Vor allem die Seriensieger im bisherigen Saisonverlauf Martin Fourcade und Johannes Thingnes Boe gelten als Goldfavoriten. Wer hat Ihrer Meinung nach am Ende die Nase vorn?

Es könnte wirklich eng werden. Aber ich glaube, dass Boe dieser WM seinen Stempel aufdrücken wird. Wenn er an den Start gegangen ist, war er meist immer der Beste. Fourcade konnte erst gewinnen, als Boe wegen der Geburt seines Sohnes eine Pause vom Weltcup eingelegt hat.

Wer könnte denn von den Deutschen am ehesten in die norwegisch-französische Phalanx einbrechen?

Ich würde mich da gar nicht auf einen speziellen Namen festlegen wollen. Die bisherigen Saisonergebnisse haben gezeigt, dass jeder das Zeug hat, vorn anzugreifen: Es war mal Benedikt Doll, dann Arnd Peiffer, Johannes Kühn. Und wie gesagt: Läuferisch stimmt es in dieser Saison bei den deutschen Männern. Damit ist schon einiges gewonnen. Wird dann noch gut geschossen, sind sie von allein in der Lage, aufs Podium zu laufen. Sie müssen nicht unbedingt auf Fehler der anderen hoffen. Auch wenn man einschränkend sagen muss, dass Fourcade und Boe bisher nicht wirklich viele Fehler gemacht haben.

Bei den Frauen belegen Dorothea Wierer, Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roiseland die ersten drei Plätze. Sind das in Ihren Augen auch die Topfavoriten bei der WM?

129634563.jpg

Doro Wierer hat in Antholz ein WM-Heimspiel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die drei sollte man auf jeden Fall auf dem Zettel haben. Jede hat diese Saison schon gezeigt, dass mit ihr zu rechnen ist. Für Wierer spricht zudem, dass Antholz eine Heim-WM ist. Allerdings hatte sie in den vergangenen Wochen auch gesundheitliche Probleme. Aber für sie wäre es natürlich etwas Besonderes, vor heimischem Publikum Weltmeisterin zu werden. Das spornt natürlich an, aber setzt auch unter Druck.

Bei den deutschen Frauen ruhen die Medaillenchancen allein auf Denise Hermann?

Jein. Klar ist sie die derzeit beste deutsche Biathletin. Sie ist läuferisch am stärksten. Wenn es am Schießstand passt, redet sie bei der einen oder anderen Medaillenvergabe sicher ein Wörtchen mit. Aber ich denke auch, dass eine Franziska Preuß durchaus für eine Medaille gut ist, wenn die Laufleistung stimmt. Oder eine Vanessa Hinz ...

Damit wären schon drei Staffelplätze vergeben. Wer wird Ihrer Meinung nach noch laufen?

Schwierig. Ich denke, es wird zwischen Janina Hettich und Karolin Horchler entschieden. Horchler hat mehr Staffel-Erfahrung. Aber eine junge und unbekümmerte Athletin wie Hettich passt vielleicht auch ganz gut ins Bild. Wir werden es sehen.

Am Ende wird der Erfolg natürlich auch an der Zahl der Medaillen festgemacht. Sie sind kein Freund dieser Prognosen, wagen Sie dennoch eine: Wie viele Medaillen bringen die deutschen Teams mit nach Hause?

Da muss ich mal zählen: Männer-Staffel, zwei weitere noch. Dazu zwei bei den Frauen. Und Mixed. Sechs Stück. Das ist eine Ausbeute, die sich sehen lassen kann!

Mit Kati Wilhelm sprach Thomas Badtke

Quelle: ntv.de