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Ex-Profi Vollmer im Interview "Deutschland steht bei der NFL ganz oben"

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"Ich fühle mich oft noch gezwungen, bestimmte Gegenspieler zu beobachten": Sebastian Vollmer.

(Foto: imago/Icon SMI)

Er zog als Student 2003 aus Kaarst bei Düsseldorf in die USA, um Football zu spielen. Sechs Jahre später schaffte Sebastian Vollmer den Sprung in die NFL, die beste Liga der Welt. 2015 gewann der 2,03 Meter lange Spielmacher-Beschützer mit den New England Patriots den Superbowl. Seinen zweiten Sieger-Ring bekam er 2017, war aber in der Saison verletzt und absolvierte kein einziges Spiel. Kurz darauf beschloss er, seine Laufbahn als Sportler zu beenden. Im Football-Ruhestand hat er ein Buch geschrieben: "German Champion - Die Geschichte meiner NFL-Karriere". Was er jungen Spielern rät, die Profi werden wollen, und warum 120-Millionen-Dollar-Verträge durchaus ihre Berechtigung haben, darüber spricht er im Interview mit n-tv.de. Und auch darüber, wann die NFL nach Deutschland kommt.

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Nun ist er im Football-Ruhestand.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstens)

n-tv.de: Sie sind mit 34 Jahren im Ruhestand, wohnen in den USA. Wie verfolgen Sie die NFL jetzt als Football-Rentner?

Sebastian Vollmer: Ich bin immer noch ein riesen Fan. Aber ich muss sagen, dass es für mich anstrengend ist ein Spiel im Fernsehen zu verfolgen. Ich fühle mich oft noch gezwungen, bestimmte Gegenspieler zu beobachten oder zu analysieren, wie ich es jahrelang gemacht habe. Da sage ich auch schon mal zu meiner Frau: Hast du den Block gesehen?!

In Ihrem Buch geht es um deine Karriere in der NFL bei den New England Patriots. Wer es noch nicht gelesen hat: Was hat er verpasst?

Ich glaube, es ist ein sehr ehrliches Buch. Es geht um die Höhen und Tiefen - also auch um die Schattenseiten der NFL - um Verletzungen, Entlassungen, was Frauen und Kinder alles mitmachen müssen. Ich wollte den Fans etwas zurückgeben. Einen Blick hinter die Kulissen werfen, damit man mal ein paar mehr Informationen bekommt - also einen ehrlichen Einblick.

Sie heben immer wieder hervor, wie wichtig "harte Arbeit" ist. Ist das das wichtigste auf dem Weg zum Superstar?

Harte Arbeit ist die absolute Nummer eins. Die Konkurrenz ist einfach so groß. Jedes Jahr gibt es etwa 300 Nachwuchsspieler, die deinen Job haben wollen. Dazu die Spieler in deinem Team oder aus einem anderen Verein. Wenn man da nicht hart arbeitet und trainiert, dann ist man ganz schnell arbeitslos.

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Und hier noch ein Bild aus dem September 2014.

(Foto: picture alliance / Cj Gunther/EP)

Das Geschäft in der NFL ist viel brutaler als etwa in der Fußball-Bundesliga. Es passiert sogar, dass viele Spieler in den Bankrott abrutschen, wenn sie aus dem Team fliegen. Dann gibt es aber auch Stars wie Ihren alten Teamkollege Tom Brady und Aaron Rodgers, den Quarterback der Green Bay Packers. Der hat kürzlich einen 120 Millionen Dollar-Vertrag unterschrieben. Ist er das wert?

Ja, ich glaube schon. Ein Quarterback wie Rodgers macht das Team besser. Er ist für vieles verantwortlich und sorgt mit seinem Spiel maßgeblich dafür, dass die Packers gewinnen. Man muss aber auch sagen, dass diese Summen meist nicht voll garantiert sind. Oft wird das gesamte Geld gar nicht ausbezahlt. Der Verein kann dich vorzeitig entlassen oder du verletzt dich und kannst nie wieder spielen. 120 Millionen sind auch ein Ausnahmefall. Von den 53 Spielern im Kader bekommen nicht alle so viel.

Kann denn auch die Nummer 53 im Kader noch gut verdienen und vorsorgen?

Das sind Profisportler. Man verdient sehr gut und kann auch als "am schlechtesten bezahlter Profi" noch gut leben. Es kommt aber natürlich auch darauf an, wie lange du spielen kannst.

Wir erleben hier in Deutschland gerade einen unglaublichen NFL-Hype. Wenn Kinder jetzt Lust bekommen auf Football. Was sollten die dafür mitbringen?

Ehrlich gesagt, nicht viel. Ich glaube, für jeden Körper ist eine Position vorhanden. Ich war damals groß und stark und passte deshalb gut als Offensive Tackle. Aber auch klein und flink geht. Ich würde sagen: Harte Arbeit ist natürlich wichtig. Dass man den Körper etwas in Schuss bringt, ins Fitnessstudio geht oder Laufen geht. Aber einfach mal hin zu einem Training. Einfach mal versuchen. Keine Angst haben und ausprobieren. Fit werden reicht erst mal als Voraussetzung.

Sie haben Ihren Weg hinter sich. Sie haben 88 Spiele in der NFL gemacht, zwei Super Bowl-Ringe zu Hause, sind seit vier Jahren verheiratet, zwei Kinder. Was machen Sie jetzt den ganzen Tag?

Ich arbeite immer noch eng mit der NFL zusammen. Wir versuchen das Spiel nach Deutschland zu bekommen. Das ist das nächste Projekt der NFL. Der Markt in den USA ist gesättigt, da wächst nichts mehr. Football ist schon die Nummer eins Sportart. Deshalb möchte die Liga in andere Märkte eindringen und Deutschland steht da bei denen ganz oben.

Mit Sebastian Vollmer sprach Matthias Gindorf. Das Interview in der ungekürzten Fassung gibt es zum Anhören auf beimfootball.de.

Quelle: n-tv.de