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Surf-Star Köster über Quarantäne "Die Strafen reichen bis 60.000 Euro"

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Philip Köster sitzt derzeit notgedrungen auf dem Trockenen.

(Foto: imago/argum)

Philip Köster ist von den strengen Maßnahmen gegen das Coronavirus in Spanien stark eingeschränkt. Der fünffache Surf-Weltmeister kann nur auf dem Trockenen trainieren. Ins Wasser darf derzeit niemand. Die lange Pause hat aber auch etwas Gutes: Der 26-Jährige hat ganz viel Zeit für seine Tochter, erzählt er im ntv.de-Interview.

Wie bleiben Sie als Surfer fit, wenn Sie wegen der Ausgangssperre in Ihrer Heimat Gran Canaria gar nicht rausdürfen?

Philip Köster: Das Fitbleiben ist sehr, sehr schwierig. Wir dürfen schon seit eineinhalb Monaten nicht aufs Wasser. Das wird wohl noch bis zum 10. Mai anhalten. Zum Fitbleiben bin ich sehr viel am Rudergerät, ein bisschen auf dem Fahrrad und sonst mache ich leichte Übungen. Aber so hundertprozentig gut ist das alles nicht. Wenn ich wieder ins Wasser darf, werde ich den ganzen Tag auf dem Wasser verbringen.

Wird denn wirklich kontrolliert, ob man die Ausgangssperre einhält?

Also, man kann zum Supermarkt fahren, mal in die Apotheke oder ins Krankenhaus, sonst darf man wirklich nicht aus der Haustür raus - okay, noch in den Garten. Die Polizei fährt sieben-, achtmal am Tag vor dem Haus herum und macht sehr viele Kontrollen. Man braucht wirklich einen sehr guten Grund und wenn man diesen nicht hat und trotzdem im Auto sitzt, muss man eine sehr hohe Strafe zahlen. Die Strafen reichen von 600 Euro bis 60.000 Euro. Einige wurden dreimal erwischt und die müssen jetzt für drei oder vier Monate ins Gefängnis. Das muss man hier schon alles sehr ernst nehmen.

Vielen Sportlern macht die Krise auch finanziell zu schaffen. Keine Wettkämpfe, weniger Aufmerksamkeit - bedeutet das auch für Sie weniger Geld?

Jetzt, im Moment, bedeutet das für mich noch nicht weniger Geld. Klar, es sollte nicht jahrelang andauern, hoffen wir mal nicht! Dann wäre es ein Problem, aber bis jetzt läuft noch alles sehr, sehr gut, ich kann mich nicht beklagen.

Sie sind fünffacher Weltmeister und reisen für Ihren Sport an die schönsten Orte der Welt. Ist es derzeit ein Trost, dass Sie schon so viel gesehen haben?

Ja, das stimmt, sehr viel habe ich schon gesehen. Normalerweise bin ich jedes Jahr ein-, zweimal in Australien und zweimal auf Hawaii, was sehr schön ist. Dazu kommen noch ein paar andere Trips. Es fehlt mir jetzt schon. Der Hawaii-Trip im März ist schon ausgefallen, was normalerweise ein super Training für mich ist. Aber gut, ich kann das womöglich alles noch nachholen und dann muss ich jetzt etwas lokaler trainieren. Fuerteventura, Teneriffa - auf den Inseln kann man schon noch andere Bedingungen finden. Das ist nicht hundertprozentig gleich, aber es geht schon.

Sie sind im Februar erstmals Vater einer Tochter geworden. Kommt Ihnen da die Sportpause ganz recht?

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Köster lechzt danach, bald wieder surfen zu können.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

Klar, die Sportpause ist so viel schöner. So kann ich mit meiner Tochter sehr viel Zeit verbringen und auch ein bisschen spielen, was sehr viel Spaß bringt. Sie ist jetzt zweieinhalb Monate alt und fängt schon an zu lachen und greift sich so ein paar kleine Sachen, das ist richtig toll. Ja, also diese Pause hat nicht nur negative Aspekte, es gibt auch viele schöne Sachen.

Wellenreiten wird olympisch, sollte Windsurfen auch olympisch werden?

Also, es gibt ja schon eine Olympische Klasse im Windsurfen. Das ist so ein Dreieckskurs, den man fährt - was ich noch nie ausprobiert habe. Beim Waveriding dauert es wohl noch eine Weile. Wellenreiten ist dabei, was sehr, sehr cool ist. Das Windsurfen in der Welle ist, glaube ich, zu kompliziert, um es jetzt nach Japan oder so zu bringen. Das wäre natürlich ein Ziel, bei den Olympischen Spielen zu sein, aber ich glaube, das ist einfach sehr schwierig und zu aufwändig.

Mit Philip Köster sprach Birgit von Bentzel

Quelle: ntv.de