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"Weihnachtspullis sind erlaubt" Die außergewöhnlichste Darts-WM aller Zeiten

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Die Party bei der Darts-WM, wie hier nach dem Sieg von Peter Wright, wird in diesem Jahr kleiner ausfallen.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Ab dem 15. Dezember kämpfen 96 Spielerinnen und Spieler um den Titel bei der Darts-Weltmeisterschaft. Aus Deutschland sind drei Akteure in London dabei. Ein Blick auf die Auslosung und die besonderen Vorzeichen der WM während der Pandemie.

Im zweiten Jahr in Folge hat es "Losfee" Wayne Mardle mit den deutschen Teilnehmern bei der Darts-WM nicht gerade gut gemeint. Obwohl nur drei Deutsche für das Turnier im Alexandra Palace in London qualifiziert sind, können zwei von ihnen schon ganz früh aufeinandertreffen. Nico Kurz, der im Vorjahr überraschend die dritte Runde beim größten und prestigeträchtigsten Darts-Event des Jahres erreicht hatte, trifft in der ersten Runde auf Andy Hamilton und würde im Falle eines Sieges in der zweiten Runde auf den Gesetzten Gabriel Clemens treffen.

Ein deutsch-deutsches Duell in der zweiten WM-Runde? Sehr gut möglich. Ein Erfolg von Kurz, der sich im Sommer durch den Gewinn der "German Superleague" für die WM qualifiziert hatte, ist nicht unrealistisch. Die besten Jahre von Hamilton liegen lange zurück, 2012 stand der 53-Jährige Engländer im WM-Endspiel. Gewinnt Kurz gegen "The Hammer", und die Premiere wäre perfekt: Ein deutsches Duell bei der Darts-Weltmeisterschaft hat es noch nie gegeben.

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Max Hopp (rechts) hat den Status als deutsche Nummer eins an Gabriel Clemens (links) abgegeben.

(Foto: Kais Bodensieck/PDC Europe)

Dabei war die Auslosung im Vorjahr ähnlich verlaufen. Damals war es ausgerechnet Gabriel Clemens, der sich mit einem Sieg über Benito van de Pas eine Partie mit dem damals gesetzten Max Hopp hätte erspielen können. Doch Clemens verlor überraschend gegen den Niederländer, der wiederum gegen Hopp ausschied. In diesem Jahr hat Clemens als Nummer 31 der Weltrangliste bereits die Teilnahme an der zweiten Runde sicher.

Max Hopp dagegen hat im Verlauf des Jahres seinen langjährigen Status als bester deutscher Dartspieler an den "German Giant" abgegeben. Weil Hopp in der Weltrangliste aus dem Kreis der Top 32 rausgefallen ist, muss der "Maximiser" bereits in der ersten Runde ans Board. Sein Gegner heißt Gordon Mathers, ein 39 Jahre alter Australier, der 2018 bereits einmal bei der WM dabei war, aber kein Spiel gewinnen konnte. Auf der PDC-Bühne hat Mathers ansonsten kaum Erfahrung, bislang kann er nur Turniersiege bei kleineren Amateur-Events in seiner Heimat vorweisen. Hopp geht somit als klarer Favorit in seine Erstrundenpartie. Lässt er nichts anbrennen, wartet in der zweiten Runde Mervyn King auf den 24-Jährigen Hessen. Es hätte auf den ersten Blick schlimmer kommen können, allerdings hat "Merv" bei der WM-Generalprobe, den Players Championship Finals, das Finale erreicht und nur knapp gegen Michael van Gerwen verloren.

Hammer-Lose für "Voltage" und "The Special One"

Für "MvG", den Weltranglistenersten und dreifachen Weltmeister, könnte es zum Auftakt gegen einen Debütanten gehen. Ryan Murray aus Schottland muss für das Duell gegen den Mega-Star der Szene aber erst einmal den nicht zu unterschätzenden Philippinen Lourence Ilagan aus dem Weg räumen.

Alles andere als Losglück hatte 2018er-Weltmeister Rob Cross. "Voltage" wird bereits in seinem ersten Spiel eine Topleistung abrufen müssen. Sein Kontrahent wird zwischen Dirk van Duijvenbode, der hauptberuflich auf einer Auberginen-Plantage arbeitet, und dem frisch gebackenen Junioren-Weltmeister Bradley Brooks ermittelt. Schlechter hätte die Auslosung für den gelernten Elektriker Cross kaum laufen können. Van Duijvenbode ist einer der aufstrebenden Stars in der Darts-Welt, hatte im Herbst sensationell das Finale des World Grand Prix erreicht.

Ein hartes Los ergab die Auslosung auch für José de Sousa, der sich spätestens durch seinen Sensationstriumph beim Grand Slam of Darts, in den erweiterten Favoritenkreis gespielt hat. Allerdings muss der Portugiese, genannt "The Special One", sein ganzes Können schon zum Auftakt gegen einen starken Engländer - entweder Ross Smith oder David Evans - beweisen.

Deutlich entspannter kann Titelverteidiger Peter Wright auf den WM-Start blicken. "Snakebite" trifft entweder auf Steve West oder Amit Gilitwala, ein unbeschriebenes Blatt aus Indien. Und auch Gerwyn Price geht als haushoher Favorit in sein erstes Spiel. Der Ex-Rugbyprofi aus Wales trifft auf seinen walisischen Landsmann Jamie Lewis oder den Engländer Luke Woodhouse.

1000 Fans trotz Corona

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Auf Kostüme müssen Darts-Fans in diesem Jahr verzichten.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Die Weltmeisterschaft wird vom 15. Dezember bis 3. Januar und als erstes Darts-Turnier seit März in Großbritannien vor Zuschauern ausgetragen. Immerhin 1000 Darts-Fans pro Session können das Event trotz Pandemie vor Ort verfolgen, teilte die Profidartsorganisation PDC unter der Woche mit. Üblicherweise finden 3000 Zuschauer im altehrwürdigen "Ally Pally" Platz - die PDC kann somit immerhin auf ein Drittel der Fans bauen.

Fans aus dem Ausland - darunter auch das bierselige deutsche Publikum, das in den Vorjahren immerhin gut ein Viertel aller Zuschauer stellte - müssen jedoch draußen bleiben. Nur Briten können Tickets kaufen. Und das auch nicht einfach so: Im Angebot sind ausschließlich Tische für jeweils vier Personen, die nicht wild durcheinander gewürfelt werden dürfen. Am gleichen Tisch soll nur sitzen, wer aus dem selben Haushalt oder zumindest dem selben sozialen Umfeld stammt.

Außerdem gibt es zwei separate Eingänge, um Fans zu trennen. Im gesamten Gebäude herrscht Maskenpflicht. Die Bedeckung darf nur am Tisch abgenommen werden. Alkohol wird zwar ausgeschenkt, die Feierwut wird aber durch andere Maßnahmen stark beschränkt. So ist das Aufstehen und laute Anfeuern im "Fußballstil", wie die PDC schreibt, in diesem Jahr verboten. Auch die für die WM üblichen Kostümierungen wird es nicht geben. Immerhin "Weihnachtspullis sind erlaubt".

Quelle: ntv.de