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Traum-WM nach Albtraum-SaisonDie glänzende Genugtuung des Erik Lesser

24.02.2020, 16:37 Uhr
imageVon Louisa Grewe
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Erik Lesser fährt als erfolgreichster deutscher Biathlet nach Hause. (Foto: picture alliance/dpa)

Angereist als Ersatzmann, abgereist mit zwei WM-Medaillen. Biathlet Erik Lesser ist der erfolgreichste deutsche Skijäger in Antholz. Während die Norweger dominieren und die anderen deutschen Herren enttäuschen, wird Lesser zum Helden - und beendet seine Saison.

Vor der Siegerehrung schickt Erik Lesser noch schnell eine Nachricht an seine Freundin Nadine, dann steigt er auf das Siegerpodest neben Franziska Preuß - und jubelt. Es ist der wohl am wenigsten erwartete Jubel dieser Biathlon-Weltmeisterschaften im italienischen Antholz. Zuvor hatte er mit seiner Teamkollegin Silber in der Single-Mixed-Staffel gewonnen. Und das obwohl er sich für diese Titelkämpfe eigentlich nicht qualifiziert hatte. Denn nach schwachen Weltcup-Ergebnissen und der Nichterfüllung der WM-Norm, blieb dem 31-jährigen Thüringer, der im Gesamt-Weltcup nur auf Platz 55 rangiert, nur die Rolle als Ersatzmann: "Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich der sechste Mann bin und fünf andere in dieser Saison besser waren als ich, und nicht damit rechne zu laufen."

Aus dieser Nicht-Chance wurde ein Doppel-Einsatz, der am Ende mit Silber und Bronze gekrönt wurde. Er wurde damit zum erfolgreichsten deutschen Biathleten dieser WM. "Das ist ein extrem geiles Gefühl, eine Genugtuung. Es fühlt sich mega an. Ich bin unfassbar glücklich, dass ich mich nach meiner beschissenen Saison so präsentieren konnte", sagte der 31-Jährige. Lesser, der in den vergangenen Jahren stets zur Weltspitze gehörte, war zuvor die gesamte Saison über aufgrund gesundheitlicher Probleme nie richtig in Form gekommen. Im Sommer hatte er sich bei einem Fahrradunfall das Schlüsselbein gebrochen und den Trainingsrückstand nicht mehr aufholen können.

Lesser liefert ab

Die erste WM-Woche musste Lesser komplett pausieren, startete stattdessen beim zweitklassigen IBU-Cup. Dort präsentierte er sich in guter Form. Bundestrainer Kirchner reagierte und nominierte ihn für die Single-Mixed-Staffel, bei der eine Frau und ein Mann in das Rennen gehen - mit Erfolg: "Wir haben unsere beiden besten und schnellsten Schützen ins Rennen geschickt", erklärte Kirchner seine Aufstellung. "Erik hat sich zuletzt in Form gekämpft. Er hat abgeliefert. Die Zwei haben einen Riesenrespekt verdient."

Lesser und Preuß mussten sich nur Marte Olsbu Röiseland und Johannes Thingnes Bö geschlagen geben. Die Norwegerin ist die Dominatorin dieser WM, gewann in allen sieben Rennen eine Medaille. Insgesamt waren es fünf goldene - das hat vor ihr noch keine Biathletin geschafft. Und auch Superstar Thingnes Bö räumte ab, holte vier Medaillen. Die deutschen Herren dagegen enttäuschten und ließen vor allem am Schießstand deutliche Defizite durchblicken. Neben dem besten Deutschen in dieser Weltcup-Saison, Benedikt Doll, kam auch der erfahrene Arnd Peiffer mit den Bedingungen in Antholz gar nicht zurecht. Im Massenstart beispielsweise schoss Doll viermal, Peiffer sogar fünfmal daneben. Erst in der Staffel zeigten die DSV-Athleten ihre Qualitäten. Den Grundstein für den Medaillen-Coup legte allerdings erneut Lesser.

Lesser beendet seine Saison

Der Thüringer zeigte zum zweiten Mal eine blitzsaubere Leistung. "Der Erik ist schon so viele Staffeln gelaufen, der weiß, was er tun muss", sagte Bundestrainer Kirchner. Zwei Tage nach dem Gewinn von Silber bestätigte Lesser seine starken Leistungen vor allem am Schießstand. Der Ex-Weltmeister blieb als einziger Startläufer neben dem Amerikaner Leif Nordgren zweimal fehlerfrei und verließ als Erster den Schießstand - mit 2,2 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Emilien Jacquelin. "Ich bin megaglücklich, dass ich auf der Eins übergeben habe", sagte Lesser. Am Ende verspielte Benedikt Doll als Schlussläufer zwar Gold und Silber, doch auch die Bronze-Medaille wurde überschwänglich bejubelt, verhinderte diese Medaille doch nur knapp die erste medaillenlose WM für die Herren seit 1969. Erfolgreicher waren da die deutschen Damen: Vanessa Hinz, Denise Herrmann und Franziska Preuß holten jeweils Doppel-Silber, eines davon in der gemeinsamen Staffel.

Nach der WM in Antholz beendete Erik Lesser seine Biathlon-Saison vorzeitig. "Ich fahre morgen nach Hause, weil sich dort ein bisschen was geändert hat", sagte er am Samstag nach dem Staffel-Bronze. Näher ging er darauf nicht ein, eine zweite Schwangerhaft seiner Freundin sei es nicht. "Dafür müsste ich aufhören, damit wir Zeit dafür haben", sagte Lesser, der im Januar 2019 Vater einer Tochter geworden war. Der 31-Jährige wird auch nicht wie geplant an der EM in Minsk vom 26. Februar bis 1. März teilnehmen. "Mein Ticket ist schon umgebucht auf jemand anderes", sagte Lesser. "Ein Karriereende ist es aber nicht", sein "voller Fokus" liege auf den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. "So will ich jetzt noch nicht aufhören, denn ich weiß, dass ich noch mehr kann." Nicht nur als Ersatzmann.

Quelle: mit dpa und sid

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