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NFL-Unikum ist tot Don Shula - sein Name steht für Siege

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33 Saisons verbrachte Don Shula als Headcoach in der NFL - und nur zwei davon beendete er mit einer negativen Bilanz.

(Foto: Gary Hershorn)

Sein Name gilt als Synonym für Siege auf dem Football-Feld. Don Shula hat so viele NFL-Spiele gewonnen wie kein anderer Trainer. Und er hat die Miami Dolphins 1972 zu einer perfekten Saison geführt. Bis heute ein Unikum.

Ginge es nur um den Footballspieler Don Shula, wäre es am gestrigen Montag in den amerikanischen Medien sehr wahrscheinlich bei einer kleinen Meldung zum Tod des 90-Jährigen geblieben. Und man hätte vielen Lesern sicher erstmal erklären müssen, wer dieser Mann eigentlich war, der da in einem Vorort von Miami gestorben ist. Doch wer über Don Shula spricht - und das waren in den vergangenen 60 Jahren sehr viele - der redet nicht vom einstigen Defensive Back, der es in sieben Jahren für die Cleveland Browns, Baltimore Colts und Washington Redskins auf 73 NFL-Spiele gebracht hatte.

Nein, dieser Donald Francis Shula, dessen Eltern einst aus Ungarn in die USA gekommen waren, ist der Inbegriff eines erfolgreichen Trainers - des erfolgreichsten Trainers der NFL-Geschichte, um genau zu sein. "Don Shula, NFL-Trainer, der gewann und gewann und gewann, ist gestorben", hieß es in der New York Times. CBS Sports schrieb vom "Legendären Miami Dolphins-Coach" und Yahoo Sports betitelte ihn als "Siegreichsten NFL-Coach und Anführer der ungeschlagenen 1972er Dolphins".

"Die treibende Kraft hinter allem, was wir erreicht haben"

Shulas Markenzeichen waren gefürchtete Defensiven und explosive Offensiven. Er galt als knallharter Taktiker, förderte und forderte seine Spieler gleichermaßen. Und er etablierte in einer Zeit, in der auf dem Football-Feld jeder Yard Raumgewinn mitunter mühsam erlaufen wurde, das Pass-Spiel - machte die Dolphins mit ihren berühmten Quarterbacks Bob Griese und Dan Marino so zu einer Attraktion für Fans und Fernsehanstalten. "Don war die treibende Kraft hinter allem, was wir erreicht haben", sagt Griese, der elf Jahre unter Shula in Miami spielte. "Wie gut er als Trainer war, merkst du erst, wenn du mit seinen Spielern sprichst. Sie haben für ihn gespielt und es gab nichts, von dem sie nicht überzeugt waren, es für ihn schaffen zu können", meinte Ex-Trainer Mike Ditka, der mit den Chicago Bears 1986 Meister wurde.

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Die meisten Spiele, die meisten Siege: Shula prägte die NFL nachhaltig.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

In der langen Geschichte der NFL hat kein Trainer mehr Spiele gecoacht (526), gewonnen (347) und so lange (33 Jahre) durchgehend an der Seitenlinie das Sagen gehabt wie Don Shula. Und obwohl er so lange dabei war, stehen hinter seinem Namen nur zwei Spielzeiten mit einer negativen Bilanz. "Er hat das Sieger-Gen in unseren Verein gebracht und die Dolphins sowie die Stadt Miami in der nationalen Sports-Szenerie verankert", hieß es in einem Schreiben des Klubs, für den Shula 26 Jahre als Coach tätig war. Als er 1970 nach Südflorida kam, brachte er sieben Jahre Trainererfahrung bei den Baltimore Colts sowie eine etwas überraschende 7:16-Super Bowl-Niederlage aus dem Jahr zuvor gegen die New York Jets mit. Miami wiederum hatte die Vorsaison mit gerade mal drei Siegen aus 14 Spielen abgeschlossen.

Zwei vergeblichen Anläufen folgt der perfekte Sturm

Es dauerte nur zwei Jahre, bis Shula auch die Dolphins in den Super Bowl geführt hatte. Allerdings verlor er auch dieses Endspiel, diesmal gegen die Dallas Cowboys (3:24). Und diese Niederlage war schmerzhafter als die einige Jahre zuvor mit Baltimore. Shula galt als guter Coach, war angesehen in der Liga. Doch ihm haftete eben das Manko an, die großen, die wichtigen Spiele nicht gewinnen zu können.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand wissen konnte: Die Niederlage gegen Dallas sollte für die kommenden zwölf Monate die einzige bleiben. Denn es folgte die perfekte Saison der Miami Dolphins.

Die Mannschaft gewann ihre 14 Vorrunden-Partien im Schnitt mit rund 15 Punkten Vorsprung. Herausragend war dabei der 52:0-Heimsieg am neunten Spieltag gegen die New England Patriots. Miami stellte die beste Offensive und Defensive der Liga. Und Miami stand nach zwei Playoff-Siegen mit einer 16:0-Saisonbilanz am 14. Januar 1973 im Super Bowl gegen die Washington Redskins. "Das war der größte Druck meiner gesamten Karriere. Denn ich wollte natürlich nicht eine Super-Bowl-Bilanz von 0:3 haben", so Shula.

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Shula setzte auf eine unkonventionelle Offensive.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Während er angespannt war, versuchten sich seine Spieler in den Tagen vor dem großen Finale abzulenken. Und so entstand folgende Anekdote: Die Verteidiger Bill Stanfill und Manny Fernandez hatten beim Angeln nicht nur Fische, sondern auch einen ein Meter großen Alligator gefangen. Diesen packten sie in Shula's Dusche. Als der Trainer das Reptil sah, erschrak er, rannte wütend zur Mannschaft und stellte diese zur Rede. Doch die Spieler meinten nur: "Coach, kannst du keinen Spaß vertragen? Wir haben sogar abgestimmt und uns mit einer Stimme Mehrheit dazu entschieden, dem Alligator das Maul zuzubinden."

"Wenn jemand Rekord bricht, gratuliere ich"

Shula habe anschließend laut losgelacht, erinnerte sich Linebacker Nick Buoniconti einst in der New York Times. Locker und gelöst reiste Miami zum Super Bowl nach Texas und besiegte die Washington Redskins 14:7. Miami war erstmals Meister und Shula endlich seinen Makel los. "Als wir das Endspiel gewonnen und somit eine perfekte Saison gespielt haben, war das eine riesige Erleichterung für mich", sagte der Coach. Ein Jahr später verteidigten er und die Dolphins ihren Titel mit einem 24:7-Sieg gegen die Minnesota Vikings.

"Don Shula ist einer der größten Trainer und der Standard für Beständigkeit und Führungsstil in der NFL", meinte Bill Belichick. Der Coach der New England Patriots ist in der Liste der Trainer mit den meisten gewonnenen NFL-Spielen Dritter (304 Siege) - und gilt als Einziger, der Shulas Rekord womöglich mal brechen könnte. Und Belichick war es auch, der beinahe mit New England ebenfalls eine perfekte Saison ohne Niederlage gespielt hätte. 2007 erreichten die Patriots mit einer 18:0-Bilanz den Super Bowl, verloren das Finale jedoch überraschend gegen die New York Giants 14:17.

Shula hatte das Endspiel natürlich verfolgt und zwischendurch mit seinen ehemaligen Spielern ein bisschen zittern müssen, ehe New York in der Schlussminute der entscheidende Touchdown gelang. Er hat immer gerne und mit hörbarem Stolz über die perfekte Saison seiner 1972er Dolphins gesprochen. Und er hat 2010 mit einem Vorurteil aufgeräumt. "Die Leute denken, wir sind ein Haufen alter, verärgerter Kerle, die es gar nicht abwarten können, bis das letzte unbesiegte Team der Saison verliert", so Shula. "Wir sind sehr stolz auf unseren Rekord. Aber wenn ihn jemand bricht, rufe ich den Trainer an und gratuliere. Doch bis dahin gehört er uns."

Quelle: ntv.de