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Katarina Witt wird 50 Eisprinzessin und Playboy-Bunny

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Herzlichen Glückwunsch, Kati Witt wird 50!

Sie ist Olympiasiegerin, galt als "schönstes Gesicht des Sozialismus", wurde aber auch beschimpft. In der DDR genießt sie Privilegien wie kaum eine Zweite. Und dennoch ging die Staatssicherheit lieber auf Nummer sicher.

Sie ist immer in Bewegung, nur nicht mehr auf dem Eis. "Einfach in die Halle fahren und laufen, das mache ich nicht. Ich habe immer zu einer Choreographie eine Geschichte erzählt. Eine schöne Erinnerung, aber diese Zeit ist vorbei", sagt Katarina Witt in einem Interview mit dem Sportinformationsdienst. 50 Jahre alt wird die deutsche Eiskunstlauf-Ikone am Donnerstag, 40 davon hat die Sächsin auf Schlittschuhen verbracht und dabei Erfolge über Erfolge gefeiert. Zweimal Olympiasiegerin, viermal Weltmeisterin, sechsmal Europameisterin, achtmal DDR-Meisterin - in den achtziger Jahren war Witt definitiv die beste Läuferin der Welt. Und DER Star des DDR-Sports, mit vielen Verehrern auch in Westdeutschland.

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Eis, das war ihr Element.

Was das "schönste Gesicht des Sozialismus" gar nicht so wirklich mitbekam, denn: "Ich habe mich eindeutig als DDR-Bürgerin gefühlt und das nie in Zweifel gezogen. Eine deutsche Einheit habe ich mir als damals sehr junger Mensch nicht vorstellen können." Zumal die ostdeutsche Obrigkeit ihr populäres Aushängeschild mit Privilegien wie Privat-PKW, Datsche und Reisemöglichkeiten bei Laune zu halten versuchte, dafür aber auch Gegenleistungen verlangte. Dazu gehörten die eine oder andere Ergebenheitsadresse an Erich Honecker und Co. und gelegentliche Auftritte im FDJ-Blauhemd, die ihr dann zu Wendezeiten Beschimpfungen als "Stasi-Ziege" eintrugen.

Üppige Stasi-Akte

Und dennoch griff auch die notorisch misstrauische Staatssicherheit mit ihren Krakenarmen nach Witt und spionierte intimsten Details ihres Privatlebens hinterher, wie sie selbst in ihrer Autobiographie "Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür" dokumentiert. Insgesamt sind es 3103 Seiten in 27 Bänden. Vom Mauerfall 1989 erfuhr sie während der Dreharbeiten zum Film "Carmen on Ice" in Sevilla. "Ich war wahrscheinlich die einzige DDR-Bürgerin, die beim Mauerfall in Spanien war", erinnert sich die Chemnitzerin, die mittlerweile seit langem in Berlin lebt. In den neunziger Jahren genießt sie die neuen Freiheiten, Aktfotos im Playboy inklusive. Prompt ist das Männermagazin ausverkauft. Revuetourneen in Nordamerika, TV-Shows in Deutschland - rastlos jettet Witt umher, "wie ein Rockstar" fühlt sie sich manchmal.

Soziales Engagement kommt hinzu, seit 2005 kümmert sich die Katarina-Witt-Stiftung um behinderte Kinder. Auch Witt selbst, die keine eigenen Kinder hat, wirbt immer wieder für Spendengelder. Mit einer Ausdauer, die ihrer sportlichen Vergangenheit geschuldet ist: "Der Leistungssport ist eine unglaubliche Schule. Mit Rückschlägen komme ich besser zurecht, weil ich sie noch aus dem täglichen Training kenne." Eine Härte, an der auch ihre unerbittliche Trainerin Jutta Müller einen großen Anteil hat.

Offizielle Ämter? Nein, danke!

Von offiziellen Ämtern, zum Beispiel in der Deutschen Eislauf-Union, hat sich die Eiskünstlerin stets ferngehalten, zu sehr hat der Eiskunstlauf in Deutschland an Popularität und Ausstrahlungskraft verloren. Repräsentanzen für Disney on Ice oder BMW sind da glamouröser - und natürlich auch weit lukrativer. Schwer getroffen hat Witt das Scheitern der Olympiabewerbung Münchens für 2018. "Das sportpolitische Parkett ist glatter als manch frisch gewischte Eisbahn", musste sie in dem für sie ungewohnten Job als weltweite Botschafterin erkennen. Auch für Hamburg 2024 wird sie nach dem negativen Bürgerreferendum nun nicht zum Einsatz kommen können.

Dass das technische Niveau der aktuellen Eiskunstläufer deutlich höher ist als das ihre vor 30 Jahren, räumt "Kati" offen ein, aber auch mit einem gewissen Bedauern: "Früher konnte man mal 20 Sekunden posen und mit dem Publikum flirten, dafür gibt's heute nicht mal mehr Blech."

Quelle: n-tv.de, Andreas Frank, sid