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Liebe wichtiger als Olympia-Gold Gaby Seyfert - eine DDR-Eiskunstlaufikone

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Gaby Seyfert jubelt nach dem Gewinn des EM-Titels 1969 in Garmisch-Partenkirchen. Hinter ihr mit Pelzmütze ihre Mutter und Trainerin Jutta Müller.

imago/WEREK

Gaby Seyfert schreibt 1968 Eiskunstlauf-Geschichte. Sie steht als erste Frau den dreifachen Rittberger. Den Erfolg hat sie auch ihrer Trainerin und Mutter Jutta Müller zu verdanken. Das Ende der Karriere aber ebenso. Die DDR-Eisprinzessin feiert nun ihren 70. Geburtstag.

Sie ist athletisch, hat Ausstrahlung und versprüht Lebenslust. Kaum zu glauben, dass die ehemalige Eisprinzessin Gaby Seyfert am Freitag ihren 70. Geburtstag begeht. "Ich feiere im kleinen Kreis mit der Familie", sagt die Jubilarin, mit vollem Vornamen Gabriele. Sport spielt bei ihr bis heute eine große Rolle: Tennis, Fitnessstudio, Abfahrtski. "Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass es mal nicht mehr so geht."

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Ein Foto aus diesen Tagen, aufgenommen auf dem Dresdner Neumarkt.

(Foto: dpa)

Auf dem Eis stand sie lange Zeit nicht mehr. Im vorigen Winter drehte sie mit ihrer sechs Jahre alten Enkelin Karlotta ein paar Runden. Die Chemnitzerin war die erste Eiskunstläuferin der DDR, die es bis in die Weltspitze schaffte. Zweimal war sie Weltmeisterin, dreimal Europameisterin, 1968 gewann sie bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble Silber. Im gleichen Jahr stand sie bei den Europameisterschaften als erste Frau den dreifachen Rittberger, einen der schwierigsten Sprünge. Sie schrieb Sportgeschichte.

Dass sie den riskanten Sprung überhaupt wagte, verdanke sie letztlich einer zu spät erschienenen Preisrichterin. Bei dem damals noch üblichen Pflichtteil eines Wettkampfes "war ich durch das Warten nervös geworden, so sahen dann auch meine Pflichtfiguren aus", erzählt Gaby Seyfert. "Bei der Kür hatte ich dann nichts mehr zu verlieren und ging auf's Ganze."

Entscheidung für die Liebe

In ihrer Karriere fehlt nur olympisches Gold. Für die Winterspiele 1972 in Sapporo galt sie als die große Favoritin. Doch überraschend beendete sie 1970 ihre Laufbahn. "Zu der Zeit war ich das erste Mal ernsthaft verliebt, in meinen späteren Mann und Vater meiner Tochter Sheila, Eberhard Rüger. Er war auch Leistungssportler, Eistänzer, kannte also dieses Leben. Er hätte es verstanden, dass ich abends nicht zur Disco gehen kann, wenn ich früh zum Training auf dem Eis stehen muss." Aber ihre Mutter und Trainerin, Jutta Müller, meinte, "Verliebtsein und Leistungssport passen nicht zusammen. Ich sah das nicht so. Aber sie setzte mich unter Druck, stellte mich vor die Wahl: Liebe oder Sport. Und ich entschied mich für die Liebe".

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Seyfert bei Olympia 1968 in Grenoble. Sie erringt die Silbermedaille.

(Foto: imago sportfotodienst)

Wirklich bereut hat Gaby Seyfert ihre Entscheidung nie: "Ich bin nicht der Typ, der in die Vergangenheit schaut. Natürlich fehlt mir der Olympiasieg, der hätte mich schon gereizt. Aber ich schaue eher in die Zukunft." Traurig war sie, als die DDR-Funktionäre ihr die Annahme eines Eine-Million-Dollar-Angebotes an der Eisrevue "Holiday on Ice" untersagten. "Doch Nachtrauern bringt einen nicht weiter."

Die ersten Schritte auf dem Eis machte sie mit vier Jahren. Eher nebenbei, damals lief noch ihre Mutter. Erst als diese ihre Karriere beendete und später Trainerin wurde, begann Gaby Seyfert 1955 ernsthaft mit ihr zu trainieren. "Talent hatte ich. Und ich habe Eiskunstlaufen geliebt." Doch den Erfolg, so glaubt sie, machen vielleicht 30 Prozent Talent aus. "70 Prozent sind harte Arbeit." Der Alltag zwischen Tochter und Mutter blieb schwierig: Alles drehte sich um das Eiskunstlaufen, von früh bis spät. "Sie war zu mir noch ein bisschen strenger als zu den anderen Läufern."

Immer wieder mischt sich die Mutter ein

Gaby Seyfert erinnert sich aber auch an die Vorteile: "Ich hatte nie Heimweh, meine Mutti war ja immer dabei." Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn studierte sie Sport und arbeitete danach als Trainerin - jedoch nur drei Jahre. Der Grund: Als ihr Schützling Anett Pötzsch als Talent erkannt wurde, "hat man dieses Talent in erfahrenere Trainerhände gegeben. Und das waren die Trainerhände meiner Mutter. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Auch als Trainerin wollte ich natürlich erfolgreich sein", begründet Gaby Seyfert das abrupte Ende ihrer Trainerlaufbahn.

Nach dem folgenden Sprachstudium und einer Arbeit am Internationalen Handelszentrum in Berlin gelang Gaby Seyfert 1985 der Wiedereinstieg in den Sport als Leiterin der Eisshow im Friedrichstadtpalast, bei der sie bis 1991 selbst auftrat. "Das war mein Traumjob." Das Ende mit der Wende traf sie hart. "Das war die bitterste Zeit für mich, nochmal einen Neuanfang zu finden." Nach einigem beruflichen Ausprobieren arbeitete sie bis zur Rente in der Firma von Hertha-BSC-Präsident Werner Gegenbauer als Vertriebsmitarbeiterin.

Quelle: n-tv.de, Uta Büttner, dpa

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