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Unter Tränen sagte Gay seine Teilnahme bei der WM in Moskau ab.
Unter Tränen sagte Gay seine Teilnahme bei der WM in Moskau ab.(Foto: dpa)
Sonntag, 14. Juli 2013

Sprintstars unter Dopingverdacht: Gay und Powell positiv getestet

Es sollte das Top-Duell bei der Leichtathletik-WM in Moskau werden: Tyson Gay gilt als ernshafter Herausforderer für Sprint-Star Usain Bolt. Doch nach einer positiven Dopingprobe sagt der US-Amerikaner seinen Start ab. Auch ein Test des Jamaikaners Asafa Powell war positiv.

Gleich mehrere  Doping-Enthüllungen erschüttern die internationale Leichtathletik. Erst sagte US-Sprintstar Tyson Gay seine Teilnahme an den Welttitelkämpfen in Moskau wegen einer positiven Dopingprobe ab. Wenig später wurde bekannt, dass auch der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell und seine jamaikanische Teamkollegin Sherone Simpson positiv auf Doping-Stimulanzien getestet wurden.

Bei Powell soll Oxilofrin festgestellt worden sein.
Bei Powell soll Oxilofrin festgestellt worden sein.(Foto: REUTERS)

Eigentlich sollte es für Gay in Moskau ein Titelduell mit Usain Bolt geben. Doch unter Tränen bestätigte Gay, der schnellste Mann über 100 Meter in diesem Jahr, in einer Telefonkonferenz, dass er bei einer Trainingskontrolle am 16. Mai positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden sei. "Ich komme nicht mit einer Sabotage-Theorie. Fakt ist vielmehr, dass ich Leuten vertraut habe, die mich nun hängengelassen haben", sagte Gay.

Der 30 Jahre alte Gay will die B-Probe zwar schnellstmöglich öffnen lassen, hat seinen Start bei den Titelkämpfen vom 10. bis 18. August in Moskau aber bereits abgesagt. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) hatte den dreifachen Weltmeister von 2007 schon am Freitag über das positive Ergebnis der Dopingprobe informiert. Um welche Substanz es sich handelt, verriet Gay nicht.

Gay hatte bei den US-Trials mit 9,75 Sekunden über 100 Meter und 19,74 Sekunden über 200 Meter aufhorchen lassen. Er galt als ernsthafter Herausforderer für Jamaikas Sprint-König Usain Bolt, für den der Weg zum WM-Gold nun frei zu sein scheint. Zuvor hatte bereits dessen Landsmann und Titelverteidiger Yohan Blake verletzungsbedingt passen müssen.

Bolt soll nicht unter den positiv getesteten Sportlern sein

Doch nicht nur Gays Probe fiel auf: Bei den Jamaikanern Asafa Powell und Sherone Simpson sei die Substanz Oxilofrin festgestellt worden, sagte ihr Agent Paul Doyle. Diese sei bei den jamaikanischen Meisterschaften entdeckt worden.

Powell war 2008 mit Jamaikas Staffel Olympiasieger über 4 x 100 Meter geworden. Er hielt den Weltrekord ehe er von Landsmann Usain Bolt abgelöst wurde. Dessen Manager versicherte sein Athlet gehöre nicht zu den insgesamt fünf positiv gestesteten jamaikanischen Sprintern. Sherone Simpson gewann 2004 mit Jamaikas Frauen über 4 x 100 Meter Olympia-Gold und holte vergangenes Jahr in London olympisches Staffel-Silber.

Nach mehreren Medienberichten soll auch Staffel-Olympiasieger Nesta Carter zu den positiv getesteten Spitzenathleten aus Jamaika gehören. Das berichten unter anderem der britische "Telegraph", CBS und jamaikanische Quellen.

"Das ist ein Ärgernis für die WM"

Die ersten Reaktionen auf Gays Bekanntmachung reichten von Ungläubigkeit bis Unverständnis. "Wir sind schockiert und entrüstet. Für die Leichtathletik und den Männer-Sprint im Besonderen ist das eine große Belastung. Damit werden im Grunde alle Spitzenleistungen infrage gestellt. Da sind Zweifel angebracht", sagte Helmut Digel, Councilmitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. "real???? Echt??? Wirklich??", twitterte Deutschlands Weitsprung-Ass Sebastian Bayer.

Der IAAF liegen noch keine detaillierten Informationen über den spektakulären Fall vor. "Deshalb kann man jetzt weder etwas über die Schwere des Vergehens noch über die eingenommene Substanz sagen", erklärte Digel. Fest stehe dagegen, dass das Ansehen der Leichtathletik darunter leide. "Wir haben Probleme genug. Das ist ein Ärgernis für die WM", meinte Digel und fügte hinzu: "Entscheidend ist aber, dass dieser positive Test vor der WM aufgedeckt wurde."

Gay war in dieser Saison fit und gesund auf die Bahn zurückgekehrt, nachdem er in den vergangenen Jahren wegen Bänder- und Muskelbeschwerden sowie einer Hüftoperation den Anschluss an die Weltspitze verloren hatte. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London reichte es für den Amerikaner lediglich zu Silber mit der US-Staffel über 4 x 100 Meter.

Umso erstaunlicher geriet sein Comeback in dieser Saison. "Die Zeit gibt mir das Selbstvertrauen, dass ich jeden schlagen kann", tönte er nach seiner Weltjahresbestleistung über 100 Meter Mitte Juni bei den US-Meisterschaften in Des Moines in Iowa. Einen Monat später steht Gay am Pranger und möglicherweise vor dem Karriereende.

Quelle: n-tv.de