EM-Drama nimmt kein EndeGeschockter Para-Star Niko Kappel tobt vor Wut

Weil sich kein Ausrichter findet, fallen die Europameisterschaften der Para-Leichtathleten 2026 aus. Für Kugelstoßer Niko Kappel und Co. wird 2026 damit ein Jahr ohne Höhepunkt und Ziel.
Niko Kappel tobte vor Wut. Auf der Jagd nach seinem letzten fehlenden Titel wird der Para-Leichtathlet knallhart ausgebremst - schon wieder. Im Jahr 2026 finden erneut keine Europameisterschaften statt, der Saison-Höhepunkt wurde ersatzlos gestrichen. "Ich bin frustriert, verärgert und vor allem sehr enttäuscht von unserem internationalen Verband", sagte der Paralympics-Sieger und dreimalige Weltmeister auf Anfrage: "Allein der Fakt, dass keine offene Kommunikation stattfindet, schockiert mich zutiefst."
Es gebe von World Para Athletics (WPA) "kein Statement", keine offizielle Begründung und schon gar "keine Entschuldigung" bei den Athleten, führte Kappel aus. Der Weltverband hatte nach Mitteilung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) die Suche nach einem Ausrichter am Dienstag ohne Erfolg beendet und die Europameisterschaften daraufhin abgesagt. Die Saison verläuft für die deutschen Leichtathleten um Kappel oder Weitspringer Markus Rehm somit ohne Großereignis.
Seit 2021 gab es bereits keine EM mehr
Bei den Sommerspielen in Paris sei vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) die "paralympische Revolution" ausgerufen worden. "Aber selbst kriegen sie es nicht auf die Kette, die Rahmenbedingungen dafür herzustellen", monierte Kappel. Seit 2021 gab es bereits keine EM mehr, vor Corona war der Kontinentalvergleich noch stets im Zweijahresrhythmus ausgetragen worden. Die neuerliche Absage sei somit kein "Einzelfall", führte der kleinwüchsige Kugelstoßer aus: "Da sind offenbar Leute zuständig, die schlicht und ergreifend ihren Job nicht machen."
Mit seinem Unmut stand der 31-Jährige keineswegs alleine da. Rehm arbeitete beispielsweise nach seinem Syndesmoseriss gerade im strahlenden Sonnenschein auf Kreta fleißig an seinem Comeback, als sich ein großer Schatten auf die Saison der größten Para-Sportart legte. Auch die deutschen Verantwortlichen waren fassungslos. "Es ist eine Tragödie, dass unsere Athletinnen und Athleten das Jahr ohne großen Höhepunkt gestalten müssen", sagte der stellvertretende DBS-Sportdirektor Lukas Niedenzu: "Letztlich ist es ein Armutszeugnis, dass kein Austragungsort gefunden wurde."
Absage "schadet uns massiv"
Mit Blick auf die Sommerspiele in zwei Jahren in Los Angeles bedeute dies für die Sportlerinnen und Sportler, "weiter intensiv und konzentriert zu trainieren, ohne in dieser Saison ein Ziel vor Augen zu haben", sagte Niedenzu. Dies sei in Sachen Motivation "eine Herausforderung". Bundestrainerin Marion Peters klagte neben der wegfallenden Standortbestimmung auch über die fehlende Sichtbarkeit. Die Absage "schadet uns massiv, denn wir finden dadurch kaum statt", sagte Peters.
Hinzu kommen die finanziellen Einbußen für die Sportler, unter anderem fallen die Prämiengelder für mögliche Medaillengewinne weg. Kappel, der bei Europameisterschaften zwischen 2016 und 2021 bislang zweimal Silber und einmal Bronze gewann, will sich von der Absage aber nicht von seinem Weg abbringen lassen. "Ich ziehe trotzdem meine Saison durch und habe viele schöne Wettkämpfe wie am 21. Juni auf dem Marktplatz in Stuttgart", sagte der Athlet des dort heimischen VfB.
Und schob eine kleine Spitze in Richtung Weltverband hinter: Die meisten Meetings, so Kappel, seien ohnehin "bei weitem besser organisiert als jeder Wettkampf von World Para Athletics".