"Ist mir scheißegal!"Bundesliga-Trainer hält nach Mega-Aufholjagd Wutrede

Gudjon Valur Sigurdsson ist mächtig sauer - obwohl sein VfL Gummersbach nach einer beeindruckenden Aufholjagd noch einen wichtigen Punkt holt. Der Trainer des Altmeisters hat deutliche Worte für sein Team parat.
Der VfL Gummersbach liefert im Bundesligaduell gegen Frisch Auf Göppingen in eigener Halle eine desaströse erste Halbzeit: 12:19 liegt der Altmeister nach 30 Minuten zurück, kurz darauf wächst der Rückstand sogar auf acht Tore an. Doch dann berappelt sich das Überraschungsteam der Saison, das vehement um den Einzug ins internationale Geschäft kämpft und holt Tor um Tor auf.
Vier Sekunden vor Schluss sorgt schließlich Nationalspieler Miro Schluroff mit dem letzten Wurf des Spiels noch für den 29:29-Ausgleich. Anschließend hätte Trainer Gudjon Valur Sigurdsson unter dem Eindruck der zumindest teilerfolgreichen Aufholjagd glücklich sein können. Doch darauf hat der Isländer überhaupt keine Lust - und liefert eine denkwürdige Wutrede.
"Danke für die Glückwünsche für diesen absolut unverdienten Punkt. Göppingen war heute die viel, viel, viel, viel bessere Mannschaft, das muss man anerkennen", leitet der einstige Weltklasse-Linksaußen vergleichsweise harmlos ein - bevor er mächtig loslegt: "Was sie uns an Einsatzwille und Kampfbereitschaft vorgemacht haben, war vorbildlich."
"Werde ich nicht akzeptieren"
Langsam in Rage geredet, holt "Goggi" die Abrissbirne raus: "Wir haben unzählige Bälle weggeschmissen und hatten 15 technische Fehler. Unsere Würfe waren effektiv, aber in den Zweikämpfen waren wir lustlos. Das werde ich nicht akzeptieren! Unsere Abwehr hat am Anfang ohne Berührungen gespielt und ohne die Lust, unser VfL-Logo zu verteidigen. Wenn wir unter Druck kommen, dann werfen wir Bälle weg. Dann sind wir noch ganz weit weg davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. Miro Schluroff kugelt sich den Finger aus, tapet ihn und hält uns im Alleingang im Spiel."
Schluroff, der krankheitsbedingt schon in der vergangenen Woche bei der Niederlage im Topspiel bei den Füchsen Berlin (26:28) auf der Platte leiden musste, ist mit neun Treffern der erfolgreichste Schütze des gesamten Spiels. Dass der einstige Rekordmeister jüngst noch die längste Siegesserie in seiner ruhmreichen Geschichte seit 57 Jahren hingelegt hatte, die erst nach elf Siegen vom deutschen Meister Berlin gestoppt worden war, konnte Sigurdsson in seiner Wut nicht besänftigen: "Mir ist das scheißegal, ob wir viele Spiele gewonnen haben, es zählt nur die Leistung in deinem letzten Spiel."
"Aber wie schlecht es war ..."
Mit einem Sieg hätte der Tabellenvierte (jetzt 44 Punkte) den Druck auf die vor ihnen platzierten Füchse (46 Punkte) und Flensburg-Handewitt (47 Punkte, jeweils ein Spiel weniger) im Kampf um den sicheren Champions-League-Platz zwei hochhalten können. Der designierte Meister Magdeburg (54 Punkte, ein Spiel weniger) ist dem Rest der Liga schon meilenweit enteilt. Immerhin: Durch den hart erkämpften Punkt verteidigt der VfL Gummersbach seinen Vorsprung auf Platz 5, der nicht mehr zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigt.
Doch Gedanken an die Tabelle hat Sigurdsson an diesem für ihn so ärgerlichen Abend wohl eher nicht: "Es ist mal normal, eine schlechte Halbzeit zu haben, es war klar, dass das mal kommen würde. Aber wie schlecht es war und welche Ausfälle wir heute hatten, deutet darauf hin, dass wir uns mental nicht vorbereitet haben für den Kampf." Das nächste Spiel steht für die Profis des Altmeisters erst am 10. Mai (in Erlangen) an. Bis dahin wird es im Oberbergischen wohl ein paar Dinge zu besprechen geben.