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Erste Nationen sind schon raus Handball-WM startet schon im Corona-Chaos

Die Handball-WM läuft noch gar nicht, da sind die ersten beiden Teams schon ausgeschieden: Die USA und Tschechien reisen aufgrund von Corona-Ausbrüchen im Kader gar nicht erst an. Bei mindestens einem weiteren Team gibt es ähnliche Probleme. Das DHB-Team dagegen ist zumindest schon mal vor Ort.

Die deutschen Handballer befanden sich gerade in ihrem Hotel an den Pyramiden von Gizeh, als die WM in Ägypten schon vor ihrem Start einen unerwünschten Verlauf nahm. Tschechien zog sich nach zahlreichen Corona-Infektionen am Dienstagabend von der WM zurück, kurz darauf erklärte auch das US-Team wegen etlicher Corona-Fälle seinen Verzicht. "Das ist natürlich eine Sache, die jetzt zum falschen Zeitpunkt kommt und überhaupt nicht hierher gehört", sagte Deutschlands Sportchef Axel Kromer nach der Ankunft in Ägypten.

Der Weltverband IHF reagierte umgehend und lud als Ersatz für die Tschechen Nordmazedonien ein, für die USA rückt die Schweiz nach. Die Nordmazedonier treffen bei der am Mittwoch beginnenden Endrunde in der Gruppe G auf Schweden sowie Gastgeber Ägypten und Chile, die heute das Auftaktspiel bestreiten. Die Schweiz spielt in der Gruppe E gegen Frankreich, Österreich und Norwegen.

Bei sommerlichen 27 Grad war zuvor die deutsche Mannschaft in Kairo gelandet. Dort wurden Kapitän Uwe Gensheimer und seine Teamkollegen von medizinischem Personal empfangen. Noch an der Gangway wurde die Temperatur gemessen, dann ging es zum Corona-Test. "Wir haben ein riesiges Ereignis vor uns und wollen möglichst viele Spiele gewinnen", sagte Kromer. "Es ist aber auch wichtig, dass im Vorfeld viele Fragen abseits des Sports zufriedenstellend beantwortet wurden."

Ausrichtung bleibt fragil

Mit einem Sonderbus wurde die streng isolierte DHB-Auswahl in ein Luxushotel unweit der weltberühmten Pyramiden von Gizeh gebracht. Das Fünf-Sterne-Haus bildet mindestens für eine Woche den Lebensmittelpunkt von Spielern und Trainerteam. Verlassen dürfen sie es nur, um zu trainieren oder die Vorrundenpartien gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn zu bestreiten.

Das sogenannte Blasenkonzept war die wichtigste von vielen Voraussetzungen für die Durchführung des umstrittenen Turniers. Die WM in seinem Heimatland gilt als Prestigeprojekt des ägyptischen Weltverbandspräsidenten Hassan Moustafa. Trotz teils massiver Widerstände hat der 76-Jährige alles daran gesetzt, dass die Endrunde mit erstmals 32 Mannschaften stattfinden kann. Die coronabedingten Absagen von gleich zwei Mannschaften zeigen nun, wie fragil die Ausrichtung des Turniers ist. Auch beim deutschen Vorrundengegner Kap Verde soll es sieben positive Fälle geben.

Die weltweit instabile Corona-Situation hatte die Organisatoren in den vergangenen Wochen wiederholt zu Anpassungen beim Hygienekonzept gezwungen. Bis zuletzt hatte Moustafa sogar noch davon geträumt, die Spiele zumindest vor einigen wenigen Zuschauern durchführen zu können. Dieser Plan scheiterte kurzfristig, nachdem etliche Spieler aus Europa massive Bedenken geäußert hatten. Sorgen machen sich viele Spieler und Funktionäre aber auch jetzt noch. Einige Bundesligisten befürchten, dass ihre Spieler mit Corona-Infektionen aus Ägypten zurückkehren, was zu weiteren Spielabsagen führen könnte.

Präsident versteht Bedenken

Moustafa versteht die Bedenken. "Mit dem Covid-19-Vorsorgeplan für Ägypten 2021 wurde jedoch ein Dokument ausgearbeitet - und kontinuierlich aktualisiert und verbessert -, das allen Beteiligten Bedingungen gewährleisten soll, die sicherer nicht sein könnten", sagte er der "Handballwoche". Der Plan sieht unter anderem vor, dass die deutschen Spieler in Ägypten mindestens alle zwei Tage auf Corona getestet werden. Anfangs sollen sogar täglich PCR-Tests erfolgen. "Die Labore in Ägypten arbeiten sehr, sehr schnell zu", sagte Kromer. "Entgegen dem Standard in Deutschland kommen die Ergebnisse relativ schnell ans Team zurück, innerhalb von drei Stunden."

Wird ein Akteur positiv getestet, soll er sofort isoliert werden. Um jederzeit besorgte oder infizierte Spieler aus Ägypten herausbringen zu können, hat der DHB sogar eigens für die WM einen Charterflieger geordert, der während des Turniers auf Abruf zur Verfügung steht. Sollten Spieler oder andere Mitglieder des WM-Teams positiv getestet werden, können sie sofort in die Heimat geflogen werden. "Es wird auch Corona-Fälle bei dieser WM geben, wie es sie gesellschaftlich gerade überall gibt", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Dennoch ist er zuversichtlich: "Das Risiko in einer funktionierenden WM-Blase ist nicht größer, als wenn Bayern München zu einem Champions-League-Spiel fliegt." Dass jedoch schon vor der WM zahlreiche Fälle auftreten, dürfte aber auch Hanning nicht gedacht haben.

Quelle: ntv.de, Nils Bastek, Eric Dobias, Steffen Trumpf und Martin Kloth, dpa