"Schreiben Geschichte für Italien"Hanning führt Italien zu historischem Erfolg

Italien muss bei der Handball-Europameisterschaft schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Doch das tut der Außenseiter mit einem guten Gefühl.
Bob Hanning hat Italiens Handballer zum ersten EM-Sieg seit 28 Jahren geführt. Die Azzurri gewannen zum Vorrundenabschluss gegen Polen mit 29:28 (15:13) und verlassen das Turnier nach den Niederlagen gegen Island und Ungarn zumindest mit einem Erfolgserlebnis. Schon vor der Partie hatte fest gestanden, dass die Südeuropäer keine Chance auf die zweite Turnierphase haben.
"Wir schreiben Geschichte für Italien. Wir sind überglücklich. Ich habe keine Worte für das, was gerade passiert ist", sagte Italiens Spieler Andrea Parisini den Tränen nahe. Wenige Augenblicke zuvor hatte Stuttgarts Bundesligaprofi Simone Mengon das Siegtor erzielt und die Polen anschließend den Ball mit der Schlusssirene weit am Tor vorbei geworfen. Danach feierten völlig aufgelöste Italiener den ehrenvollen Abschluss des Turniers.
Für den ehemaligen DHB-Vizepräsidenten Hanning, der das Amt im Vorjahr übernommen hatte, war es das erste große Turnier an der Seitenlinie der Italiener. Das Duell gegen die Polen, Vize-Weltmeister von 2007, hatte er zum "zweiten Finale" ausgerufen.
"Musst die Chance auch nehmen"
Nach einer 26:39-Klatsche zum Auftakt gegen Geheimfavorit Island, schnupperten die Italiener im zweiten Gruppenspiel gegen Ungarn an einer Sensation: Knapp eine Viertelstunde vor Schluss hatte sich der Außenseiter bis auf 23:24 ran gearbeitet, konnte das Momentum aber wegen zu vieler technischer Fehler nicht in einen Sieg verwandeln.
"Es war ein kleines Fenster offen, um etwas zu machen wie Serbien gegen Deutschland", sagte der deutsche Trainer nach dem 26:32: "Aber dann musst du es auch nehmen." So folgten die Ungarn Island in die Hauptrunde, das Duell mit den Polen war dann zumindest tabellarisch bedeutungslos.
Italien hatte bislang erst einmal an einer Europameisterschaft teilgenommen - vor 28 Jahren im eigenen Land. Nach zwei Siegen und vier Niederlagen beendeten die Italiener das Turnier damals auf Platz elf. Für die Olympischen Spiele konnte sich die Auswahl noch nie qualifizieren, für eine Weltmeisterschaft zweimal.
Hannings "großer Traum"
Hanning, der auch als Geschäftsführer beim deutschen Meister Füchse Berlin tätig ist, hatte die Italiener im Vorjahr übernommen. Er will die Mannschaft wieder zu einem festen Bestandteil des internationalen Wettbewerbs machen und zugleich die Popularität des Sports im eigenen Land steigern. Im Januar 2025 war den Italienern bei der Weltmeisterschaft völlig überraschend der Einzug in die Hauptrunde gelungen, dort verloren sie unter anderem gegen die deutsche Mannschaft.
"Die Weltmeisterschaft hat gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Ich freue mich auf die kommenden Wochen, Monate und Jahre. Zusammen können wir eine Menge erreichen", hatte Hanning bei seiner Vorstellung gesagt. Mit seiner ersten Station als Nationaltrainer erfülle sich ein "großer Traum. Diesen nun mit den Italienern zu leben, ist mir eine Ehre."