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Finale Tage der Vendée Globe Herrmann segelt in den Titel-Showdown

Es ist ein Segelkrimi mit einem deutschen Helden: Boris Herrmann kämpft im Finale bei der Vendée Globe um den Sieg. Die Entscheidung fällt voraussichtlich in der Nacht auf Donnerstag. Nach dem Abenteuer erwarten ihn zu Hause wichtige Alltags-Aufgaben.

Im Final-Krimi der Vendée Globe spielt Boris Herrmann eine der Hauptrollen. Drei Tage vor der Entscheidung lag der 39-jährige Skipper der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" nach packender Solo-Weltumseglung am Montagmittag auf einem Podiumsplatz. Dabei wahrte er seine Chance, mit einem Sieg nach 80 Tagen um die Welt ein Kapitel Segelsport-Geschichte zu schreiben. Nach mehr als 27.000 gesegelten Meilen um die Welt ringt der Vater einer sieben Monate alten Tochter mit einer Armada virtuos agierender französischer Segelsolisten um die Krone der Weltumsegler.

Nie zuvor in drei Jahrzehnten schillernder Vendée-Globe-Historie hat ein Nicht-Franzose die unter Seglern mit der "Besteigung des Mount Everest zur See" verglichenen Regatta gewinnen können. In seiner Heimat ist Herrmann längst der neue Segel-Star. "Boris hat Segeln zum Mainstream in einem Land gemacht, in dem das abendliche Fernsehprogramm sonst nur aus Fußball besteht", sagte Skiff-Europameisterin Susann Beucke. Der Segelmacher, 38-malige deutsche Meister und Sänger Frank Schönfeldt widmete Herrmann sogar einen eigenen Song mit dem Titel: "Boris, flieg!"

"Boris Herrmann ist ein Glücksfall für den deutschen Segelsport. Er verknüpft die eigenen Ziele mit einer Verantwortung für nachfolgende Generationen und die Umwelt. Das und seine kommunikative Art machen ihn neben dem Erfolg sehr sympathisch", sagte Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes. Seit dem Start der Vendée Globe am 8. November ist Herrmann als engagierter Erstteilnehmer Aufmerksamkeit gewiss. Die ARD, der NDR, das ZDF und weitere Sender berichten zu Hauptsendezeiten.

Zu Hause wartet andere Arbeit

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Es ist nicht mehr weit zum Ziel.

(Foto: imago images/PanoramiC)

"Es ist medial das Beste, was dem deutschen Segeln seit langer Zeit passiert ist", stellte der dreimalige Olympiasieger und zweimalige America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann fest. Aus dem ostfriesischen Wattenmeer ist der gebürtige Oldenburger ausgezogen, die Segelwelt zu erobern. Herrmanns pedantische Vorbereitung auf das Abenteuer Vendée Globe, sein Talent als Regattasegler und seine Kommunikationsfähigkeit begeistern Sportfans. Er gibt ihnen tiefe Einblicke in das Leben auf See.

Herrmann hat den Strom packender Bilder, Videos und Interviews von Bord auch in dunklen Stunden wie beim Großsegelriss im Sturm vor Kap Hoorn nie abreißen lassen. Parallel nutzte der Mann, der 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an der Seite seines Freundes und Co-Skippers Pierre Casiraghi über den Atlantik segelte, den Meeres-Marathon zur Motivation und Inspiration seiner Fans im Kampf gegen den Klimawandel und für die Gesundheit der Meere. "Wir haben viele unserer Ziele schon vor dem Finale erreicht. Darüber bin ich glücklich", sagte Herrmann.

Als neuer Star des deutschen Segelsports kämpft der studierte Betriebswissenschaftler in diesen Tagen unter Intensiv-Beobachtung der eigenen und zunehmend vieler TV-Kameras um den krönenden Abschluss seiner abenteuerlichen Reise um die Welt. Direkt nach dem Zieldurchgang wird er seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann erstmals nach drei Monaten noch an Bord wieder in die Arme schließen können. "Darauf und auf das Wiedersehen mit unserer Tochter Malou und unserem Familienhund Lilli freue ich mich am meisten", sagte Herrmann, der wenige Tage nach seiner Ankunft die Heimreise in die heimische Hamburger HafenCity antreten will.

Dort erwarten ihn Alltagsarbeiten wie das Anbringen von Vorhängen und der Aufbau eines Babybetts. "Dabei bin ich kein sehr talentierter Heimwerker", sagte Herrmann lächelnd. Auf See hatte er mehr als einmal mit Reparaturqualitäten à la TV-Charakter MacGyver geglänzt. "Vielleicht kann ich etwas von dieser Motivation mit nach Hause nehmen."

Quelle: ntv.de, Tatjana Pokorny, dpa