Von Hannawald enttäuschtHeß tritt zurück
„Sven Hannawald ist die Riesenenttäuschung meiner Karriere schlechthin", sagte Reinhard Heß nach seinem Rücktritt vom Posten des Bundestrainers.
Abschied tut weh und bringt Enttäuschungen mit sich. Diese Erfahrung muss derzeit auch der zum Rückzug bewogene Skisprung-Bundestrainer Reinhard Heß machen. Die vermeintliche Palastrevolte seiner ehemaligen Ziehkinder Sven Hannawald und Martin Schmitt sorgt bei dem 57-Jährigen für Unverständnis und Verletzung.
„Sven Hannawald ist die Riesenenttäuschung meiner Karriere schlechthin. Nach der Saison verabschiedet er sich mit danke, danke, und dann lese ich, dass er meinen Rücktritt gefordert haben soll. Da bin ich schockiert und verstehe die Welt nicht mehr ", sagte der ursprünglich für eine Amtszeit bis Olympia 2006 vorgesehene Heß.
Nicht weniger enttäuscht zeigte sich Heß mit Blick auf Schmitt: „Bei einem langen Gespräch mit Martin in Lahti habe ich nicht entnommen, dass er nicht mehr mit mir zusammenarbeiten will. Aber da müssen noch andere Kanäle eine Rolle gespielt haben."
Zuvor hatten sich Hannwald und Schmitt, die unter Heß Olympiasiege und Weltmeistertitel gewonnen hatten, offenbar in einem Gespräch mit dem Deutschen Ski-Verband (DSV) für ein Ende der zehnjährigen Tätigkeit des Bundestrainers ausgesprochen.
Während Hannawald, im Urlaub befindlich, nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen war, wehrte sich Schmitt gegen die Vorwürfe: „Wir Skispringer betreiben keine Personalpolitik. Eine Palast-Revolte oder dergleichen hat nicht stattgefunden." Die Trainerfrage sei Sache der Sportführung und von Heß.
Der Bundestrainer vermutet seinen wahrscheinlichen Nachfolger Wolfgang Steiert als Drahtzieher hinter den Kulissen. Der Heimcoach von Hannawald und Schmitt soll am Mittwoch bei einem Treffen aller Trainer mit dem DSV als Heß-Nachfolger präsentiert
werden. „Da muss er zwei, drei Fragen beantworten. Obwohl ich es mehrfach versucht habe, habe ich seit Saisonende kein Gespräch mit Wolfgang Steiert geführt. Er hatte nie Zeit", sagte Heß.
Ob Heß in der Ursachenanalyse des geforderten Rücktritts richtig liegt, dürfte zumindest teilweise fraglich sein. Nicht selten mochte der steife wie allzu väterliche Auftritt von Heß mit dem gut vermarkten Image der „jungen Wilden“ ganz und gar nicht zusammen gehen. Gut möglich, dass erhebliche emotionale Differenzen zwischen Alt und Jung bislang nur verdeckt blieben, nun jedoch aufgebrochen sind.