Sport

Weltbester Athlet und gefallener HeldJim Thorpe, tragische Sport-Ikone

15.07.2012, 14:15 Uhr
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Vor 100 Jahren wird aus dem Niemand Jim Thorpe der "König der Athleten": Der Amerikaner mit den indianischen Wurzeln ist der erste Olympiasieger im Zehnkampf, strahlender Sieger und sportliches Allround-Talent. Doch nachdem er die Arenen verlassen hat, scheitert er im Leben. Die Geschichte eines gefallenen Helden.

Jim Thorpe, einer der besten Athleten der Geschichte, starb im März 1953 verbittert, verarmt und dem Alkohol verfallen in einem schäbigen Wohnwagen. Der Mann, der vor 100 Jahren erster Olympiasieger im Zehnkampf wurde, der von Tausenden auf dem Times Square in New York bei einer Parade als Held gefeiert und mit Konfetti überschüttet wurde, musste am Ende über die Dörfer ziehen, um seiner Familie ein halbwegs erträgliches Leben zu ermöglichen. Für ein paar Dollar erzählte er dann den Menschen seine traurige Geschichte. Der Indianer Jim Thorpe, geboren als Wa-Tho-Huk (Leuchtender Weg), erreichte als Sportler die höchsten Höhen. Doch als er kein Athlet mehr sein konnte und die Arenen für immer verlassen hatte, scheiterte er am Leben.

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Thorpe war ein sportliches Multitalent. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Als Niemand und Außenseiter fuhr Thorpe 1912 zu den Olympischen Spielen nach Stockholm. Im Alter von 24 oder 25 Jahren - sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt - holte er ohne Trainer, ohne Vorbereitung Gold im Fünfkampf und Gold im Zehnkampf. Sein damaliger Weltrekord, nach heutiger Rechnung 6756 Punkte, sollte über Jahre unerreicht bleiben. Seine Leistungen bewegten den damaligen schwedischen König Gustav V. am 15. Juli 1912 zu der Aussage: "Sie sind der größte Athlet der Welt. Ich betrachte es als Ehre, ihre Hand zu schütteln."

Herausragendes Multitalent

Doch Thorpes Glück hielt nur ein Jahr. Er war ein einfacher Mann, Sohn eines Schmieds, die Mutter vom Stamm der Sac and Fox, aufgewachsen ist er in einem Indianerreservat. Zwar besuchte er eine Schule, doch viel häufiger arbeitete er als Stallbursche. Für einen Sportler war er faul, doch sein Talent war herausragend. Er spielte Baseball und Football mit einer Klasse, die ihn heute zum Multi-Millionär gemacht hätte. Damals reichte es nur zum Überleben. Ein Jahr nach seinem Olympiasieg kam heraus, dass er für seine Dienste Geld angenommen hatte - ein Verstoß gegen die Amateurregeln des IOC. Die Goldmedaillen wurden ihm aberkannt, Thorpe auf Lebenszeit gesperrt.

Für ihn war die Verbannung eine Tragödie, der stolze Mann brach in Tränen aus, als er seine Medaillen zurückgeben musste. "Ich war doch nur ein Indianerjunge, der froh war um jeden Dollar. Was wusste ich denn von den Bestimmungen der großen Sportwelt", sagte er später. Hugo Wieslander, in Stockholm im Zehnkampf Zweiter hinter Thorpe, verweigerte die Annahme der ihm nachträglich verliehenen Goldmedaille.

Nie trainiert, trotzdem der Beste

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Später wurde er auch zu einem der besten Footballer der Geschichte. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Thorpe kehrte nie wieder in die Leichtathletik zurück. Stattdessen spielte er Baseball und Basketball und wurde zu einem der besten Footballer der Geschichte. Bei einem Tackling mit Dwight D. Eisenhower verletzte er den späteren US-Präsidenten am Knie. "Er trainierte nie in seinem Leben, und er konnte dennoch alles besser als irgendein anderer Spieler, den ich jemals gesehen habe", sagte Eisenhower später über Thorpe. 2001 wurde Thorpe bei einer Umfrage in den USA zum "Größten Athleten des 20. Jahrhunderts" gewählt - vor Muhammad Ali, Michael Jordan oder Jesse Owens.

Die Natur beschenkte Thorpe üppig mit Talent für den Sport, für das Leben war nicht mehr viel übrig. Nach seiner Karriere wurde aus ihm ein verzweifelt Suchender. Thorpe verfiel dem Alkohol, zeugte acht Kinder mit verschiedenen Frauen, verdingte sich als Straßenkehrer und Türsteher, ließ sich in lächerlichen Häuptlings-Kostümen auf Jahrmärkten bestaunen oder für Nebenrollen in Hollywood-Streifen schlecht bezahlen.

"Geld für die Familie ausgegeben"

"Wir sind pleite. Jim hat nichts außer seinem Namen und seinen Erinnerungen", sagte Patricia, seine dritte Frau, kurz vor Thorpes Tod, "Jim hat sein Geld für die Familie ausgegeben und es verprasst. Oft wurde er auch ausgenutzt." Nach seinem Tod sollte Patricia Thorpes Leichnam dreimal ausgraben lassen, weil sie an anderen Orten mehr Geld mit seinem Grab verdienen konnte. 1982, 29 Jahre nach seinem Tod, wurde Thorpe vom IOC rehabilitiert.

Juan Antonio Samaranch gab ihm seine Ehre zurück und überreichte seinen Kindern Gale und Bill Duplikate seiner Goldmedaillen. Heute liegt Thorpe in Mauch Chunk (Bundesstaat Pennsylvania), begraben. In seinen Grabstein wurden die Worte Gustavs V. eingraviert: "Sie sind der größte Athlet der Welt." Der Legende nach waren Thorpes letzte Worte, als er am 28. März 1953 nach seinem dritten Herzinfarkt im Sterben lag: "Gebt mir meine Medaillen zurück."

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm, sid