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"Du darfst jetzt nicht sterben" Klimke greift nach Verletzungs-Drama an

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Im August 2021 feierte Klimke auf Hale Bob ihr Comeback beim Nations Cup in Arville.

(Foto: imago images/Ingo Wächter)

Ende Mai liegt die Vielseitigkeits-Reiterin Ingrid Klimke in einem Pferdetransporter. Gerade hat sie ihr Pferd überrollt. Ihr Schlüsselbein drückt auf die Luftröhre. "Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe", sagt sie jetzt. Bei der EM in der Schweiz will sie wieder angreifen.

Es ist noch keine vier Monate her, da fühlte sich Ingrid Klimke dem Tod näher als dem Leben. "Ich war zwischendurch mal wach, mal weg und dachte: Hoffentlich schaffst du es", erinnerte sie sich im Gespräch mit der "FAZ" an die Stunden nach ihrem schweren Sturz bei einem Turnier am 30. Mai im polnischen Baborowko: "Ich dachte, du darfst jetzt nicht sterben."

Zu dem Zeitpunkt lag Ingrid Klimke in einem Pferdetransporter, betäubt von Schmerzmitteln, auf dem Weg in die Uniklinik Münster, und sie hatte das Gefühl, "wie wenn dir einer langsam, aber sicher die Luft abdrückt". Zu ihrem großen und vielleicht lebensrettenden Glück war der deutsche Mannschaftstierarzt Manfred Giensch vor Ort, und hatte sofort gecheckt, dass es sich nicht nur um eine gebrochene Rippe handelte.

Der fatale Sturz ereignete sich am vorletzten Hindernis des Geländeritts. Klimkes Stute Cascamara blieb mit den Vorderbeinen hängen, Ingrid Klimke flog aus dem Sattel, ihr Pferd fiel neben sie und rollte sich zum Aufstehen über die Reiterin. Dabei brach Klimkes Brustbein, das Schlüsselbein wurde nach innen gesprengt und drückte auf die Luftröhre. "Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe", sagte sie der "FAZ".

Der lange Weg zurück

Nach der OP stand Ingrid Klimke sechs Wochen lang unter Schmerzmitteln, ohne dass es ihr direkt besser geht. "Sie haben immer wieder andere Schmerzmittel ausprobiert, und ich habe gesagt, ich spüre es immer noch", sagte sie. Dann allmählich kehrte sie ins Leben zurück. Und natürlich in den Sattel, Mitte August gewann sie mit ihrem Paradepferd Hale Bob ein Turnier im belgischen Arville. Beim CHIO in Aachen stellte sie in der vergangenen Woche ihre junge Stute Siena Just Do It vor. Hale Bob, genannt Bobby, war zwar mit in der Soers, aber nur zu Trainingszwecken.

Mit ihm will Klimke, die Tochter des sechsmaligen Dressur-Olympiasiegers Reiner Klimke, in dieser Woche bei der EM in Avenches im Schweizer Kanton Waadt auf die Jagd nach dem Hattrick gehen. 2017 im polnischen Strzegom und 2019 im heimischen Luhmühlen hatte sie mit Hale Bob die Nase vorn. Wie es in Avenches für sie laufen wird, weiß sie noch nicht so genau. "Ich will was reißen", sagte sie der FAZ.

Klimkes Hoffnung ruht vor allem auf ihrem Pferd, das ihr durch die ersten Wochen des Comebacks half. "Bobby war sensationell", sagte sie in dem Interview: "Ich kam mir vor wie ein Beifahrer. Er hat gesagt, die muss wieder zurück in ihr altes Leben, und da mache ich eine richtig coole Runde."

Entscheidung am Sonntag

Die Konkurrenz in Avenches ist groß, auch die im eigenen Team. Der dreimalige Olympiasieger Michael Jung mit WildWave zählt zu den Favoriten, er war vor Ingrid Klimke dreimal in Folge Europameister. Zuletzt ging der EM-Titel 2009 ins Ausland, damals gewann in Fontainebleau die Britin Kristina Cook.

Zum deutschen Team von Bundestrainer Hans Melzer, der in Avenches nach 20 Jahren letztmals im Amt ist, gehören außerdem Andreas Dibowski mit Corrida, Anna Siemer mit Avondale, Christoph Wahler mit Carjatan und Dirk Schrade mit Casino. Heute und Freitag wird die EM mit der ersten Teildisziplin Dressur eröffnet, am Samstag folgt der Geländeritt, am Sonntag fällt die Entscheidung im Springen.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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