Sport

Drama-Sieg gegen Norwegen Kroatien steht im Finale der Handball-EM

imago46253933h.jpg

Finale! Kroatiens Altmeister Domagoj Duvnjak, hier mit dem Norweger Petter Överby.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Im Wettschießen der Superstars führt Domagoj Duvnjak die Handballer aus Kroatien ins EM-Finale. In einem spannenden Spiel mit zweimaliger Verlängerung gegen Norwegen trifft der überragende Spielmacher achtmal. Norwegens Sander Sagosen, der auf zehn Tore kommt, hat das Nachsehen.

Altmeister Domagoj Duvnjak ging nach dem Happy End zu Boden wie ein angeschlagener Boxer. "Ich bin einfach nur auf das Parkett gefallen und habe Gott gedankt", sagte Kroatiens Kapitän. Da hatte er just mit seiner Mannschaft das Halbfinale der Handball-EM gegen die leicht favorisierten Norweger um seinen künftigen Kieler Vereinskollegen Sander Sagosen gewonnen - mit 29:28 (26:26, 23:23, 12:10) nach zweimaliger Verlängerung. "Das war das schwerste Spiel meines Lebens. Ich habe keine Kraft mehr und bin einfach nur glücklich, heute mit einer Medaille zu schlafen", sagte Duvnjak nach dem Krimi in Stockholm.

Mit acht Toren führte der 31 Jahre alte Rückraumspieler vom deutschen Rekordmeister die Kroaten zum dritten Mal ins Endspiel und lässt den EM-Zweiten von 2008 und 2010 vom ersten kontinentalen Titel träumen. "Das war heldenhaft", lobte Kroatiens Teammanager Igor Vori den Auftritt vor 16.573 Zuschauern. Für die Norweger um den besten Turnierschützen Sagosen, der sogar zehnmal traf, platzte dagegen nach jeweils zweiten Plätzen bei der WM 2017 und 2019 der Traum vom ersten Gold. "Es tut mir ziemlich leid für die Jungs, die das ganze Spiel über gekämpft haben", sagte Trainer Christian Berge.

"Wahnwitziges EM-Drama"

Die Zeitung "Verdens Gang" titelte nach den 80 hochspannenden Minuten in ihrer Online-Ausgabe: "Norwegen verliert wahnwitziges EM-Drama." Die erste Halbzeit gehörte den Kroaten, deren Finalgegner im Anschluss zwischen Titelverteidiger Spanien und Slowenien ermittelt wurde. Das lag vor allem daran, dass sie Sagosen nach dessen starkem Beginn mit vier der ersten sechs Tore für Norwegen besser in den Griff bekamen.

584bbecb98fb8646b8ea88ec8c3de1e0.jpg

Kann man so machen: Zeljko Musa.

(Foto: via REUTERS)

Zudem wirkte Kroatien mannschaftlich geschlossener und kam vor allem über Kreisläufer Marino Maric vom nordhessischen Bundesligisten MT Melsungen, dem sechs Tore gelangen, immer wieder zum Abschluss. Nach dem Wechsel war es ein offener Kampf, bei dem die künftigen Vereinskollegen Duvnjak und Sagosen die Protagonisten waren und sich ein Wettschießen der Stars lieferten. Der norwegische Rückraumspieler, der im Sommer von Paris Saint-Germain zum THW Kiel wechselt, war nun kaum noch zu stoppen.

Doch Duvnjak hielt immer wieder dagegen und rettete sein Team mit einem in letzter Sekunde verwandelten Siebenmeter in die zweite Extra-Time, in der Zeljko Musa vom SC Magdeburg wenige Sekunden vor Schluss den umjubelten Siegtreffer erzielte. "Das war mein erster Wurf aufs Tor im gesamten Turnier und ein sehr emotionaler Moment für mich", sagte der bullige Kreisläufer. "Wir haben noch Kraft für das Finale. Jeder Sportler lebt dafür." Über Duvnjak sagte er: "Domagoj ist ein großer Spieler mit einem großen Herz. Ich weiß nicht, wo er das hernimmt. Er ist unglaublich."

Quelle: ntv.de, Eric Dobias, dpa