Schweinsteiger fällt ausLöw fordert "zwei Siege"
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft soll sich mit Siegen gegen Wales und Zypern in die Winterpause verabschieden.
Joachim Löw zieht noch einmal die Zügel an - ein zweites "Tschechien" soll es auch nach dem plötzlichen Ausfall von Bastian Schweinsteiger zum Abschluss der EM-Qualifikation gegen die Fußball-Zwerge Zypern und Wales nicht geben. Der im Mittelfeld gesetzte Bayern-Profi musste wegen einer beim Training erlittenen Schwellung am linken Knie seinen Einsatz absagen und reiste zurück nach München.
Mit den neuen EM-Trikots, die in einer ehemaligen königlichen Reithalle mit einer aufwändigen Show offiziell vorgestellt wurden, soll sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstag in der ausverkauften WM-Arena von Hannover und vier Tage später in Frankfurt gegen Wales wieder als EM-Titelaspirant präsentieren, obwohl nun die komplette erste Mittelfeld-Reihe mit den verletzten Schweinsteiger, Ballack, Frings und Schneider ersetzt werden muss. Auch Ersatz-Kandidat Tim Borowski laboriert noch an einem grippalen Infekt.
Null-Toleranz angekündigt
Löw warnte sein Personal im Vorbereitungs-Camp in Barsinghausen eindringlich vor einem neuerlichen Ausrutscher wie zuletzt mit dem 0:3 gegen Tschechien. "Wir werden jetzt wieder andere Dinge verlangen und einige nicht mehr tolerieren", erklärte der Bundestrainer forsch. Er forderte "zwei Siege, damit wir mit dem nötigen Selbstbewusstsein ins nächste Jahr gehen können und den Fans nochmals Freude bereiten".
Zwar habe sich sein Team die vorzeitige Qualifikation und damit einen stressfreien Jahres-Ausklang mit zuvor guten Auftritten selbst verdient, die jüngste Pleite von München aber wurde dennoch deutlich aufgearbeitet. Für Mittwochabend setzte Löw eine schonungslose TV- Analyse der einzigen Qualifikations-Niederlage an, "da gibt es schon noch Gesprächsbedarf", sagte der Bundestrainer.
Blickfang Brustring
Allerdings räumte er auch ein: "In der Haut von England, Frankreich oder Italien möchte ich jetzt nicht stecken." Alle drei Weltmeister-Nationen zittern noch um die EM-Teilnahme 2008 in der Schweiz und Österreich. Löw durfte dagegen schon ein halbes Jahr vor dem Turnier die traditionell weißen Endrunden-Shirts mit einem prägnanten schwarzen Bruststeifen loben: "Das Vorderteil ist ein richtiger Blickfang."
Die nach den kurzfristigen Ausfällen von Schweinsteiger und dem Schalker Neuling Jermaine Jones 22 noch verbliebenen Akteure für den Jahresabschluss haben die Signale des Trainers offenbar verstanden. "Wir wollen zeigen, dass wir nur eine kleine Schwächephase hatten, die nichts zu bedeuten hat", sagte der ehemalige Hannoveraner Per Mertesacker, der wie Jens Lehmann, Christoph Metzelder sowie die Rückkehrer Miroslav Klose und Philipp Lahm von Löw bereits die Zusage für einen Platz in der Startelf gegen Zypern bekamen.
"Kaiser" fürchtet um Gruppensieg
"Das Nachbarschaftsgeschenk an Tschechien könnte am Ende wehtun. Die deutsche Mannschaft hatte es sich doch zum Ziel gesetzt, Erster zu werden", wies Franz Beckenbauer dennoch auf die Tatsache hin, dass Deutschland den Gruppensieg nicht mehr aus eigener Kraft schaffen kann. Bei Punktgleichheit mit den Tschechen (derzeit je 23 Zähler) würde am Ende der verlorene direkte Vergleich gegen das deutsche Team sprechen.
Löw wählte für die Vorbereitung auf das Rückspiel gegen die aufmüpfigen Insel-Kicker, gegen die auf Zypern nur ein 1:1 gelungen war, die Abgeschiedenheit der Sportschule Barsinghausen außerhalb von Hannover. "Konzentration ist ein wichtiges Thema in dieser Woche", betonte der 47-Jährige. Dass diese von anstehenden Gesprächen um die EM-Prämien gestört werden könnte, glaubt Löw nicht: "Davon ist mir nichts bekannt. Vor dem Spiel gegen Zypern wird es auf keinen Fall Verhandlungen geben, Kapitän Michael Ballack und seine Stellvertreter sind ja gar nicht dabei." Allerdings gab Teammanager Oliver Bierhoff bereits Pläne preis, nach denen Ballack "im Laufe der beiden Länderspiele" zum Team stoßen soll. "Wir wollen die Prämien- Verhandlungen zügig angehen", ergänzte Bierhoff.
Gespräch mit Lehmann angekündigt
Löw will sich in den nächsten Tagen insbesondere mit Jens Lehmann über dessen Reservistenrolle und die Perspektiven bei Arsenal London unterhalten. "Wir müssen gemeinsam erörtern, was das Beste ist", sagte der Bundestrainer und schließt dabei auch einen "Arbeitsplatz- Wechsel" nicht aus.
Von allen Spielern wünscht er sich am Samstag vor 45.000 Zuschauern in Hannover ähnlichen "Spaß und Freude", wie sie Lukas Podolski und der bei der Präsentation noch anwesende Schweinsteiger im neuen EM-Spot von DFB-Ausrüster adidas beim Kick gegen Hobbyspieler in einem Park demonstrieren. Nicht nur die Rückkehrer Oliver Neuville und Mike Hanke oder Neuling Serdar Tasci können sich zudem in den Trainingseinheiten für die EM empfehlen.
Ab sofort hat Löw für die EM-Vorbereitung Stufe Rot ausgegeben: "Der Konkurrenzkampf wird sich 2008 noch mal zuspitzen." Im EM-Jahr will Löw das nach Vorbild seines ehemaligen Chefs Jürgen Klinsmann auch wieder damit unterstreichen, indem er sein Team öfter mit den roten Trikots spielen lassen möchte. Schon gegen Österreich im Februar rechnet der Bundestrainer damit, dass er auch sein zum Jahresabschluss gesprengtes Mittelfeld mit Ballack, Schweinsteiger, Frings und Schneider wieder zur Verfügung hat.
von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa