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Freude im Ziel: Romy Logsch, links, und Cathleen Martini.
Freude im Ziel: Romy Logsch, links, und Cathleen Martini.(Foto: dapd)
Samstag, 19. Februar 2011

Bob-Duo hört auf "Popo-Meter": Martini/Logsch holen WM-Titel

Ein lebensgefährlicher Sturz bei den Olympischen Spielen, Zickenkrieg der Anschieberin, Verletzungen zum unglücklichen Zeitpunkt - alles vergessen. Cathleen Martini und Romy Logsch holen den WM-Titel im Zweierbob. Martini sagt: "Ich habe auf meinen Arsch gehört."

Cathleen Martini und Romy Logsch sind Weltmeisterinnen im Zweierbob. Nach dem erfolgreichen Lauf nahm Martini zunächst ihre Anschieberin sekundenlang in die Arme, danach rang die neue Bob-Weltmeisterin von Glücksgefühlen überwältigt nach Worten. "Das ist einfach nur geil", sagte die 28-Jährige mit Tränen in den Augen nach dem größten Erfolg ihrer Achterbahn-Karriere. Nach zwei zweiten und zwei dritten WM-Plätzen stand die Athletin aus Oberbärenburg bei den Titelkämpfen in Königssee endlich einmal ganz oben auf dem Podest.

Mit einer Glanzleistung mit vier nahezu gleichstarken Läufen distanzierte die dreimalige Europameisterin die Amerikanerin Shauna Rohbock (+0,22 Sekunden) und die kanadische Olympiasiegerin Kaillie Humphries (+0,63) deutlich auf die Plätze. "Ich war während des ganzen Wettkampfs ziemlich cool, die Zitterpartien sind jetzt die Interviews", sagte Martini. Anschieberin Logsch, die zuvor schon im Bob von Sandra Kiriasis aus Winterberg im Jahr 2007 und 2008 Weltmeisterin wurde, ehe ein "Zickenkrieg" das erfolgreiche Duo sprengte, kündigte eine lange Party-Nacht an: "Jetzt wird gefeiert. Jetzt gibt es kein Halten mehr."

Schwerer Sturz in Vancouver

Der Start zum Siegeslauf.
Der Start zum Siegeslauf.(Foto: REUTERS)

Bislang war Martini in ihrer Karriere nicht gerade vom Glück verfolgt gewesen. Im vergangenen Jahr dominierte sie mit fünf Saisonsiegen den Weltcup, doch die Absage in Altenberg wegen einer Wadenverletzung kosteten Martini den Gesamtsieg. Bei Olympia reiste sie mit hohen Erwartungen nach Vancouver, doch ein Horror-Sturz auf der gefährlichen Bahn ließ den Traum von einer Medaille platzen.

Logsch flog im vergangenen Winter bei Tempo 140 aus dem Bob und hilflos durch die Eisrinne. Die Sächsin musste danach monatelang pausieren und kehrte erst im Januar wieder zurück. "Wir mussten uns erst wieder finden", sagte Martini, die die vor ihrem WM-Triumph nur ein Saisonrennen in Calgary gewonnen hatte. Die Trainingspause kurz vor der WM habe ihr sehr geholfen: "Danach hatte ich wieder Lust auf Bobfahren und habe wieder auf meinen Arsch, meinen Popo-Meter gehört."

Die als Topfavoritin gestartete Kiriasis kam dagegen mit der für 22 Millionen Euro modernisierten ältesten Kunsteisbahn der Welt nicht so zurecht und wurde mit sieben Hundertstelsekunden Rückstand auf den Bronzeplatz nur Vierte. "Hier waren andere schneller. Das muss ich akzeptieren", erklärte die Olympiasiegerin von 2006. Anja Schneiderheinze-Stöckel aus Winterberg belegte bei ihrem WM-Debüt als Pilotin einen respektablen achten Rang.

Quelle: n-tv.de