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Verdient der Größte aller Zeiten Nurmagomedov hält alles, was er verspricht

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Khabib und sein Markenzeichen, die traditionelle Kopfbedeckung seiner Heimat Dagestan.

(Foto: AP)

Khabib Nurmagomedov verkörpert Mixed Martial Arts wie kein anderer, er lebt eine Bilderbuchkarriere mit Ansage. Alles, was der Russe ankündigt, macht er wahr. Sein Rücktritt auf dem Höhepunkt hebt ihn sportlich in Sphären von Muhammad Ali und Mike Tyson.

Für den russischen Kampfsportler Khabib Nurmagomedov endet sein erfolgreicher UFC-Titelkampf im Leichtgewicht gegen Justin Gaethje in Tränen. Tränen der Erleichterung und Tränen des Schmerzes. Es war der erste und letzte Kampf ohne seinen Vater Abdulmanap, der im Juli an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben war.

Drei Tage habe der 32-Jährige mit seiner Mutter diskutiert, ob er zu dem Kampf auf Fight Island in Abu Dhabi antritt und seine makellose Bilanz auf 29 Siege ohne Niederlage ausbaut. Nur unter der Vorgabe, dass es sein letzter Kampf sein wird, habe sie eingewilligt - und Khabib hielt sein Versprechen, zog nach dem Sieg die Handschuhe aus und legte sie symbolisch auf den Ringboden. "Keine Chance, dass ich ohne meinen Vater noch einmal in den Ring steige. Das war mein letzter Kampf", erklärte Nurmagomedov.

Der 57-jährige Abdulmanap hatte seinen Sohn auf das Leben eines Käfigkämpfers getrimmt und galt als angesehener Trainer in der Mixed-Martial-Arts-Szene. Seine Methoden waren ungewöhnlich. In jungen Jahren ließ er Khabib sogar gegen einen echten Bären ringen. Bei der Vorbereitung auf die Kämpfe war er stets an der Seite seines Sohnes, Visa-Probleme verhinderten allerdings seine Einreise in die USA - in Abu Dhabi hätte er allerdings dabei sein können.

Die ganze Prozedur, die Vorbereitung auf den Titelkampf - das alles in dem Wissen, es zum letzten Mal zu machen, es ging nicht spurlos an Nurmagomedov vorbei. Ungewohnt bedrückt erschien er zum Wiegen der Kämpfer. Ungewohnt erleichtert wirkte er, als die Waage das nötige Kampfgewicht von 70 Kilogramm anzeigte. Auch beim Einmarsch zum Octagon wirkte der aus Dagestan stammende MMA-Kämpfer angespannt, atmete tief.

Khabibs unbändiger Wille

Im Octagon selbst war Nurmagomedov dann ganz der Alte - und auch hier hielt er sein Versprechen. Einen Sieg durch Aufgabe hatte er im Vorfeld mehrfach angekündigt und den lieferte er auch in gewohnter Manier. Im Ringen ist Nurmagomedov eine Klasse für sich, das wusste sein Gegner Gaethje, der selbst in seiner Schulzeit ein äußerst erfolgreicher Ringer war, in der Vergangenheit aber vor allem mit seiner Schlagkraft für Furore gesorgt hatte. Verhindern, dass der Kampf auf dem Boden ausgetragen wird, konnte der US-Amerikaner am Ende nicht. Das schaffte auch keiner von Nurmagomedovs Gegnern vor ihm.

Und aus dem Triangle Choke, ein Aufgabegriff, der dem Gegner per Beinschere die Luft abschnürt, konnte Geathje sich nicht befreien. Der US-Amerikaner versuchte sein Möglichstes, hob den Russen in der Submission an und schleuderte ihn zu Boden, doch Khabib ließ nicht locker. Ein Sinnbild für den unbändigen Willen, der ihn in seiner ganzen Karriere ausgezeichnet hatte. Dass Gaethje sogar noch abklopfte und seine Aufgabe signalisierte, bekamen weder Nurmagomedov, noch der Ringrichter mit. Sekunden später hatte Gaethje bereits das Bewusstsein verloren, der Kampf war vorbei. "In meinem letzten UFC-Kampf will ich meine beste Leistung zeigen und ungeschlagen meine Karriere beenden", hatte Nurmagomedov im November 2019 erklärt und erneut Wort gehalten.

Wie groß der Druck bei Nurmagomedov gewesen sein musste, seinen Vater zu ehren, ließen die bitteren Tränen nur erahnen. "Nach dem, was der Junge durchgemacht hat, dürfen wir uns glücklich schätzen, dass wir ihm heute beim Kampf zusehen durften", erklärte UFC-Boss Dana White in der Pressekonferenz nach der Kampfsportveranstaltung.

Ohne Frage der GOAT der MMA-Historie

Nach dem Sieg gegen den US-Amerikaner ging es für Nurmagomedov direkt ins Krankenhaus. Der Russe soll sich laut White bereits vor drei Wochen den Mittelfuß und zwei Zehen gebrochen haben - und stand trotzdem im Käfig. "Das hat er niemanden erzählt. Er ist einer der härtesten Typen auf diesem Planeten und verdient den Status des Größten aller Zeiten", so White weiter. Und Nurmagomedov wird mit seinem Sieg über Gaethje an die Spitze der Pound-for-Pound-Fighter, also die gewichtsklassenunabhängige Weltrangliste, rücken. Die Position hatte er als Respektsbekundung ihm gegenüber in den letzten Monaten vehement eingefordert.

Den GOAT-Status (Greatest Of All Time) innezuhaben, ist die ultimative Würdigung jeder Sportlerkarriere. Während in Teamsportarten wie Basketball (Michael Jordan oder LeBron James) oder Fußball (Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi) immer wieder hitzige Diskussionen geführt werden, sprechen im Kampfsport die Zahlen für sich. In einem Atemzug mit Muhammad Ali und Mike Tyson wollte Nurmagomedov genannt werden.

Dass es so kommen wird, dafür spricht einiges: Seine 29 beeindruckenden Siege und eine Gewichtsklasse über Jahre nach Belieben dominiert zu haben. Experten zufolge soll er in seiner Laufbahn keine einzige Runde nach Punkten verloren haben. Entsprechend tritt er auf dem absoluten Gipfel ab - der perfekte Zeitpunkt einer perfekten Karriere.

Während UFC-Kämpfer Conor McGregor bereits drei Mal sein Karriereende erklärt hatte und nun im Januar wohl wieder in den Käfig steigt, glaubt bei Nurmagomedov niemand an einen Rücktritt vom Rücktritt. Schließlich hat Khabib all seine Versprechen immer gehalten.

Quelle: ntv.de