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"Bin selbst bei der Bundeswehr" Olympiasiegerin leidet mit Ukraines Biathleten

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Denise Herrmann ist selbst bei der Bundeswehr angestellt.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Der anstehende Biathlon-Weltcup wird leerer. Russlands Verband boykottiert die Rennen in Finnland, nachdem die Athleten nicht unter russischer Flagge antreten dürfen. Die Ukrainer fehlen, weil sie ihrer Heimat im Krieg beistehen. Für Olympiasiegerin Denise Herrmann ist das fast nicht zu begreifen.

Das deutsche Biathlon-Team will beim ersten Weltcup nach den Olympischen Winterspielen angesichts der russischen Invasion in der Ukraine ein Zeichen setzen. "Ich habe keine Ahnung, wenn ich jetzt da hinfliege, wie sich das anfühlt. In der Whatsapp-Gruppe haben wir uns besprochen, ob wir ein Zeichen setzen können. Wir wollen definitiv mithelfen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das weitergeht", sagte Einzel-Olympiasiegerin Denise Herrmann im "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Rundfunks vor den Rennen ab Donnerstag im finnischen Kontiolahti.

Herrmann ist von den Geschehnissen in der Ukraine geschockt. "Die Nachrichten, die einen in den letzten Tagen nach der Rückkehr erreicht haben - schlimmer geht's eigentlich überhaupt nicht. Man kennt so etwas nur aus Büchern, und jetzt passiert das hier wirklich", sagte Herrmann.

Das ukrainische Biathlon-Team wird bei den letzten drei Weltcups nicht mehr dabei sein. Einige Athletinnen und Athleten, die noch vor Kurzem in Peking am Start waren, wurden nun eingezogen und kämpfen in ihrem Heimatland. Der frühere Weltmeister Dmytro Pidrutschnji hatte unter anderem geschrieben: "Mein Team und ich bleiben in der Ukraine, um unser Zuhause und unsere Familien vor den russischen Streitkräften zu beschützen, die die Ukraine am 24. Februar überfallen haben." Herrmann sagte dazu: "Ich bin ja selbst bei der Bundeswehr angestellt. Ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, wie es denen gehen muss. Das hätten wir uns nicht in den schlimmsten Träumen vorstellen können, dass so etwas passiert."

Dass der Weltverband als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg das russische sowie belarussische Team nur unter neutraler Flagge starten lassen wollte, findet sie gut. "Man kann nicht so weitermachen, als wäre nichts gewesen. Denn dem muss Einhalt geboten werden." Dass der russische Verband sein Team aus Protest nun zurückzog, bedauerte die 33-Jährige: "Sport soll eigentlich verbinden. Für den einzelnen Sportler ist es natürlich brutal. Wir wollen alle das Gleiche: Wir wollen uns messen, wir wollen faire Wettkämpfe. Die Besten sollen am Start sein - und das ist jetzt nicht so."

Auch ihr Teamkollege Erik Lesser kritisierte den russischen Verband: "Es ist traurig zu hören, dass die Russische Föderation die 'Opferkarte' ausspielt und sich nicht beteiligen will", schrieb er bei Instagram. "Es hätte uns geholfen, zu zeigen, dass wir geeint sind und für den Frieden kämpfen." Sein Dank und Respekt zollte er allen russischen Athleten, die sich gegen den "dummen und unnötigen Krieg" geäußert hatten.

Nach Russland zieht auch Belarus seine Athletinnen und Athleten zurück. Damit scheidet auch die ärgste Konkurrentin der dreimaligen norwegischen Olympiasiegerin Marte Olsbu Röiseland im Kampf um den Gesamtweltcup aus. Die Belarussin Dsinara Alimbekawa lag vor den abschließenden drei Weltcup-Stationen nur 62 Punkte hinter der Führenden Röiseland.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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