Seixas wird "alle zerstören"Rad-König Pogacar prophezeit seine eigene Entmachtung

Beim Rad-Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich wehrt Dominator Tadej Pogacar den ersten Angriff von "Wunderkind" Paul Seixas noch eben ab. Danach prophezeit der Slowene selbst, dass seine Tage als König des Radsports gezählt sind.
Tadej Pogacar hat den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen. Diese Nachricht kam am Sonntagnachmittag keineswegs überraschend, schließlich gewinnt Pogacar so gut wie immer, wenn er bei einem Radrennen an den Start geht. Einzig bei Paris-Roubaix hatte ihm die "Königin der Klassiker" vor zwei Wochen in der "Hölle des Nordens" ein Schnippchen geschlagen. Auf der oft unvorhersehbaren Hatz über Kopfsteine wurde der Slowene in einem von Defekten und Stürzen geprägten Rennen "nur" Zweiter, weil ihm Wout van Aert im Velodrom davon sprintete.
Auf der Rundfahrt von Liège nach Bastogne und wieder zurück stellte Pogacar wieder Normalität her, gewann nach Mailand-Sanremo und der Flandern-Rundfahrt das dritte der fünf Radsport-Monumente in diesem Jahr. Es war außerdem sein dritter Sieg in Folge bei "La Doyenne", der "Ältesten" der Monumente. Aber: Pogacar musste sich mächtig strecken, um das zu schaffen - und das lag an Paul Seixas.
Der erst 19-jährige Franzose gilt als Jahrhunderttalent und Rad-Wunderkind. Die französische Sportöffentlichkeit wähnt in ihm schon den Erlöser, der die unverschämt lange Durststrecke bei der Tour de France beendet. Seit Bernard Hinault - der 1978, 1979, 1981, 1982 und 1985 siegte - hat kein Franzose das bedeutendste Radrennen der Welt mehr gewonnen. Seixas trauen sie es zu, auch Hinault ist sicher, dass endlich ein Nachfolger parat steht. Vielleicht noch nicht dieses Jahr, aber schon bald.
Bei der Baskenland-Rundfahrt vom 6. bis 11. April hatte Seixas eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens abgeliefert, fuhr in den baskischen Bergen allen davon, auch der deutschen Rad-Hoffnung Florian Lipowitz, 2025 Dritter der Tour de France. Nach sechs Etappen triumphierte der Teenager mit 2:30 Minuten Vorsprung auf Lipowitz.
"So viel wie möglich gewinnen, bis er alle zerstört"
Auch Pogacar hält große Stücke auf den Teenager. Mit Spannung hatte die Radwelt das erste Kräftemessen des Königs und seines Thronfolgers in Belgien erwartet. Und Pogacar bekam den ersten Vorgeschmack auf das, was ihm in den nächsten Jahren blüht. Als einziger Fahrer im Feld hatte Seixas Pogacars Attacke auf der gefürchteten Côte de la Redoute pariert. Erst am letzten Anstieg gelang es dem viermaligen Tour-Sieger, den Jüngling abzuschütteln, im Ziel lag er 45 Sekunden vor Seixas. "Dass Paul bereits mit 19 Jahren in einem so großen Feld auf so hohem Niveau mithalten kann, motiviert alle anderen, weiter daran zu arbeiten, sich zu verbessern", adelte der 27-Jährige seinen jungen Rivalen.
Mehr noch: Pogacar gab an, er müsse sich sputen, um seine Ziele wie den fünften Tour-Sieg zu erreichen. Früher oder später werde aber die Ära Seixas beginnen, prophezeite er. "Wir werden weiter hart arbeiten, in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bis er alle zerstört", sagte er.
Der geadelte selbst ging auf die großen Worte nicht ein, sondern beschränkte sich auf eine Analyse, warum es bei Lüttich-Bastogne-Lüttich noch nicht reichte zu seinem ersten Klassiker-Coup. Ihm fehle vor allem noch "Kraft", um bis zum Ende Pogacars Tempo mitzugehen. "Das ist offensichtlich. Ich muss mich einfach verbessern, aber wir sehen ja, auf welchem Niveau er ist – es ist extrem schwer, ihm zu folgen. Er ist der größte Fahrer der Geschichte."
Ob es auch bei der Tour de France zum Generationenduell kommt und Seixas die Chance bekommt, Pogacars historischen fünften Sieg, der ihn auf eine Stufe mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Hinault und Miguel Indurain heben würde, zu verhindern, ist offen. Sein Rennstall Decathlon - CMA CGM hat noch nicht entschieden, ob das Wunderkind im Sommer bei der Tour der Leiden sein Debüt feiert.