Sport

Alkoholkontrollen bei Jugend-DM Reitverband verschärft Kampf gegen den Suff

60175956.jpg

Bei der Meisterschaft der deutschen Nachwuchsreiter soll eine strikte Null-Promille-Grenze gelten.

picture alliance / dpa

Alkohol und Leistungssport - das passt eigentlich nicht zusammen, wird bei Turnieren von Nachwuchsreitern aber lange Zeit geduldet. Nun führt der Verband vor dem Hintergrund der jüngst publik gewordenen Alkoholexzesse und sexuellen Übergriffe Kontrollen ein.

Die deutschen Nachwuchsreiter stehen unter besonderer Beobachtung. Bei den Jugend-Meisterschaften in München wird an diesem Wochenende der Kampf gegen Alkoholexzesse mit neuen Maßnahmen umgesetzt. Erstmals führt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) Kontrollen durch. Das bestätigte FN-Sport-Geschäftsführer Dennis Peiler. "Es wird stichprobenartig Tests geben", sagte der Sport-Geschäftsführer. "Diese werden von der FN durchgeführt."

*Datenschutz

Am Wochenende zuvor hatte die FN erstmals Probleme mit einer Gruppe von vier bis fünf Nachwuchsreitern bestätigt. Jugend-Abteilungsleiterin Maria Schierhölter-Otte hatte von Alkoholexzessen, Sachbeschädigung und sexuellen Übergriffen berichtet: "Das ist eine neue Dimension." Der Verband ist alarmiert, der örtliche Veranstalter auf der Olympia-Reitanlage in München auch. "Wird bei einem Teilnehmer Rest-Alkohol (...) festgestellt, so wird dieser von der weiteren Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften ausgeschlossen", steht in der Ausschreibung. Die Reiter sind also informiert.

Kein Zusammenhang mit Medienbericht

"Es gibt klare Ansagen über das Verhalten", berichtete Peiler. "Wir haben mit allen Equipe-Chefs der Landesverbände gesprochen. Auf unsere Reiter aus den Bundeskadern haben unsere Bundestrainer und die Jugendleitung ein besonderes Augenmerk." Der Verband will angesichts der Probleme Durchsetzungsvermögen zeigen. "Wir werden alles daran setzen, durchzugreifen, wenn es nötig sein sollte", sagte Peiler. "Wer sich nicht benimmt, wird nach Hause geschickt. Leistungssport und Alkoholexzesse passen nicht zusammen."

In München starten junge Reiter in vier verschiedenen Altersgruppen - von Kindern bis zu Jugendlichen unter 21 Jahren. Beschlossen worden seien die Maßnahmen bereits vor der Veröffentlichung im "Spiegel" am vergangenen Wochenende. Die Testgeräte sind nach Peilers Angaben bereits vor einigen Wochen bei einem Nachwuchs-Turnier eingesetzt worden. "Im Kontext der Vorfälle bei der letzten EM haben wir überlegt, was wir besser machen können", sagte Peiler: "Das war schon vor dem Bericht." Bei der Nachwuchs-EM im slowakischen Samorin im August 2017 hatten junge deutsche Reiter unter Alkoholeinfluss randaliert.

Der FN liegt zudem nach eigenen Angaben ein konkreter Fall vor, "in dem es um Vorwürfe aus dem Bereich sexualisierte Gewalt ging". Die Disziplinarkommission hatte eine 18-monatige Wettkampfsperre gegen den betroffenen Reiter ausgesprochen und den Fall an die Staatsanwaltschaft Münster weitergeleitet. Die Situation sei "schwierig und unangenehm", sagte der Sport-Geschäftsführer des Verbandes. "Viel lieber hätten wir es, wenn sich alle vernünftig verhalten - und die überwiegende Mehrheit benimmt sich ja auch gut." Peiler sieht die Probleme nur bei einer kleinen Gruppe.

Verband kritisiert Teile der Elternschaft

Besonderes Augenmerk liegt nun in München auf der traditionellen Feier am Samstag. "Für die Party im Gastronomiezelt am Springplatz ist eine Einverständniserklärung der Eltern bei Minderjährigen erforderlich", heißt es im Anschreiben an die Teilnehmer. Das galt so allerdings auch schon vor fünf Jahren, bei der bisher letzten Jugend-Meisterschaft in München. Auch die Eltern sind nach Ansicht des Verbandes in der Pflicht.

Jugend-Abteilungsleiterin Schierhölter-Otte hatte aber bereits am vergangenen Wochenende über Erziehungsberechtigte berichtet, die sagen: "Ihr da vom Verband in Warendorf braucht nicht unsere Kinder zu erziehen. Wir wissen selber, was gut ist und was nicht." Wenn Eltern den Alkohol in ihren Lkws mitbringen zu den Jugend-Meisterschaften, "was sollen wir dann machen?"

Quelle: n-tv.de, Michael Rossmann, dpa

Mehr zum Thema