Das Radelnde GeburtstagskindRudi Altig wird 65 Jahre alt
Rudi Altig, einer der populärsten und erfolgreichsten deutschen Athleten der Nachkriegszeit feiert am Montag seinen 65. Geburtstag.
Rudi Altig, einer der populärsten und erfolgreichsten deutschen Athleten der Nachkriegszeit feiert am Montag seinen 65. Geburtstag.
Im rheinland-pfälzischen Sinzig wird er mit Freunden auf seinen Ehrentag anstoßen - aber nicht auf den Ruhestand.
Er präsentiert weiter einige Firmen und wird auch in dieser Saison wieder die Tour de France für die ARD begleiten: „Der Radsport bleibt der rote Faden in meinem Leben, den reiße ich nicht ab."
Seine Erfolgsbilanz kann auch Jan Ullrich oder Erik Zabel noch staunen lassen. Rudi Altig war der erste deutsche Superstar der Szene.
Als „Sprinteur royal", den königlichen Sprinter, hatte ihn L'Equipe 1962 gefeiert, als er bei seinem Tour-Debüt gleich die erste Etappe gewann und schließlich als erster Deutscher im Grünen Trikot in Paris einfuhr.
1966 gewann er, wovon Zabel immer noch träumt: das große Tour-Finale in Paris. Allerdings noch im Prinzenpark und nicht auf den Champs-Elysees.
Der bullige Mannheimer (1,85 m, 85 kg) war Weltmeister auf Bahn und Straße, Weltspitze im Kampf gegen die Uhr, ein Klassiker-Jäger erster Güte.
18 Etappen gewann er bei Tour (8), Giro (4) und Vuelta (6). Bei der Frankreich-Rundfahrt trug er 18 Tage lang meist als Einzelkämpfer Gelb, bis heute (mit Ullrich) deutscher Rekord.
Dazu sicherte er sich die Gesamtwertung in der Spanien-Rundfahrt 1962: „Nur für die Tour-Riesen war ich zu schwer."
Als noch kaum bekannter „Yoga-Mann" kam Rudi Altig 1959 erstmals auf die Titelseiten. Da wurde er in Amsterdam Amateur-Weltmeister in der Verfolgung, und weil ihn schon damals Rückenprobleme plagten, stand er nach jedem Rennen eine halbe Stunde lang Kopf.
Er war in höchst bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, verzichtete deshalb auf die Olympia-Chance und wurde sofort Profi. In Frankreich, in einem Team mit Tour-Sieger Jacques Anquetil. Der „Fremdenlegionär", der schon nach kurzer Zeit bestens französisch parlierte, kuschte nicht vor „Meister Jacques" und hatte sich damit gleich den Respekt der Grande Nation verschafft: „Wir hatten damals aber auch mehr Freiheiten. Sowas wie heute gab es nicht, dass alle nur für einen fahren mussten."
1963 schien seine Laufbahn schon zu Ende. Die überfällige Operation an der Bandscheibe kostete ihn ein Jahr, doch dann kehrte er mit dem Gewinn der Flandern-Rundfahrt 1964 spektakulär zurück.
Es war der erste deutsche Sieg in einem Klassiker nach dem Krieg, und Altig hatte ihn durch eine lange Alleinfahrt über die Kopfsteine erfightet. Zwei Jahre später zog er sich auf dem Nürburgring auch das Regenbogentrikot des Straßen-Weltmeisters über, in einem denkwürdigen Ausscheidungsrennen, bei dem er schon abgeschlagen schien: „Sicher mein wertvollster Erfolg."
Immer noch ist Altig der letzte deutsche Straßen-Weltmeister, 1966 war er dafür zum Sportler des Jahres gewählt worden. Der „schönste Sieg meiner Karriere" aber folgte 1968, als ihm einen Tag nach seinem 31. Geburtstag endlich der ersehnte erste deutsche Triumph bei Mailand-San Remo glückte.
Wieder drückte er so lange vorn aufs Tempo, bis nur noch wenige mitkamen, und im Spurt hatte dann niemand eine Chance gegen ihn.
Der Wunschzettel war abgehakt: „Ich habe fast alles gewonnen, was ein richtiger Rennfahrer gewinnen sollte."
Nebenbei hat Rudi Altig als Publikumsliebling noch die Hallen bei Sechstagerennen gefüllt und 23 Siege eingefahren.