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"Niemann vielleicht der Beste" Schachgenie Carlsen braucht 99,998-Prozent-Beweis

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen hat Hans Niemann mittlerweile öffentlich des Betrugs beschuldigt. Beweise für seinen Verdacht hat der Norweger bis jetzt aber noch nicht vorgelegt. Genau das wird er aber tun müssen, wenn er den Weltverband von der Schuld Niemanns überzeugen will.

Magnus Carlsen ist fest davon überzeugt, dass Hans Niemann in der Vergangenheit betrogen hat. Nicht nur in den zwei Fällen, die der 19-Jährige öffentlich einräumte, sondern auch in der jüngeren Vergangenheit und häufiger, wie der Norweger in seiner Stellungnahme vor einigen Tagen schrieb. Er würde gerne noch mehr zu dem Thema sagen, erklärte Carlsen, doch ohne Niemanns Erlaubnis könne er dies nicht tun, ließ der Superstar durchblicken, dass hinter den Kulissen womöglich längst ein Rechtsstreit zwischen den Parteien entbrannt ist.

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Ob Carlsen dem Weltverband konkrete Beweise für weitere Betrügereien seines Widersachers vorgelegt hat, ist nicht bekannt. FIDE-Referee Greg Keener hält das aber für zwingend nötig. Nicht nur, um Niemann weiter zu belasten, sondern auch damit Carlsen seiner These Substanz verleihen kann. Die FIDE-Vorschriften seien so gestaltet, dass sie es Spielern erschweren, unbegründete Beschwerden und falsche Beschuldigungen zu erheben, schilderte Keener in einem "New York Times"-Artikel. "Wenn Spieler Betrugsvorwürfe ohne starke Beweise erheben, können sie bestraft werden." Er spricht von einer "extrem hohen Latte für den Beweis von Betrug".

"Der Minimum-Standard, den die FIDE als mutmaßlichen Beweis für einen Verstoß gegen die Fair-Play-Regeln akzeptiert, ist eine 99,998-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Person wirklich betrogen hat. Anders ausgedrückt: 99,99 Prozent sind nicht genug", erklärte David Hater, ein weiterer renommierter Referee des Weltverbands. Sobald jemand wie Carlsen Betrugsvorwürfe gegen einen anderen Spieler erhebt, "sollte er sicher sein, dass er gute Beweise hat", ergänzte Hater. Ob Carlsen diese Beweise tatsächlich hat, ist nach wie vor unklar. Auch, woher der Norweger diese Beweise haben könnte, kann nur spekuliert werden.

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Nicht wenige Experten glauben, der Weltmeister habe einen Einblick in die "chess.com"-Datenbanken erhalten und Partien von Niemann mithilfe der Betrugssoftware des Unternehmens analysiert. Doch Chief Chess Officer Daniel Rensch hat diese Gerüchte bereits zurückgewiesen und erklärt: "Niemand, nicht einmal Magnus, hat unsere Systeme gesehen." Der Superstar habe seine Vorwürfe "zu 100 Prozent" auf seine eigenen Informationen gestützt: "Ich weiß nicht, wo er sie herhat", schrieb Rensch.

Noch hat Carlsen den Rückhalt der Szene und Öffentlichkeit. Zu verdächtig ist der kometenhafte Aufstieg Niemanns, zu nah seine Verbindung zu einem überführten Betrüger, zu groß die Zahl seiner "perfekten" Partien. "Wenn Herr Niemann nicht betrügt, ist das Ausmaß seiner Errungenschaften wirklich erstaunlich. Manchmal ist sein Spiel so präzise, dass es Zuschauer und Gegner gleichermaßen sprachlos zurücklässt. Vielleicht ist er schon der beste Spieler der Welt. Aber wenn Herr Niemann betrogen hat, dann ist der Schaden, den er dem Spiel zugefügt hat, nicht auszurechnen", schilderte Keener in seiner Kolumne den Zwiespalt, in dem sich der Sport nun schon seit fast vier Wochen befindet. Und ein Ende des Schauspiels ist noch lange nicht abzusehen.

Quelle: ntv.de, tno/sport.de

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