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Deutscher boxt gegen Fury Schwarz möchte gern wie Rocky sein

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Fighter oder Fallobst? Tom Schwarz.

(Foto: imago images / Ed Gar)

Ein Underdog boxt gegen einen Weltstar. Da wittert Tom Schwarz vor seinem Kampf gegen Tyson Fury in Las Vegas seine Chance - und macht einen auf Rocky. Seine einzige Chance ist ein K.-o.-Sieg. Aber selbst, wenn das nicht klappt, glaubt er: "Dann bin ich ein gemachter Mann".

Der Film Rocky eroberte Ende des Jahres 1976 die Welt. Sylvester Stallone spielte den sehr talentierten, aber völlig unbekannten Rocky Balboa, der überraschend die Chance bekommt, gegen den weltbesten Boxer Apollo Creed in den Ring zu steigen. Der deutsche Boxer Tom Schwarz, der all seine 24 Profikämpfe gewann, aber noch keine bekannten Gegner hatte und lediglich Insidern ein Begriff war, sieht da eine Parallele und stilisiert sich als Rocky.

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Bitte einmal böse gucken.

(Foto: imago images / Ed Gar)

Der 25 Jahre alte Schwarz steigt in der Nacht zum Sonntag (ab 5 Uhr unserer Zeit, der MDR überträgt ab 22.35 Uhr) gegen Klitschko-Bezwinger und Megastar Tyson Fury in den Ring. "Aber für mich ist das wie Rocky 2, weil Rocky den Kampf in Teil 2 gewann - genauso wie ich es tun werde", sagt der krasse Außenseiter im Gespräch mit n-tv.de. Er bekam die Chance seines Lebens unverhofft. "Ich kam aus dem Urlaub, als mein Promoter Ulf Steinforth mich in sein Büro rief und mir den Vorschlag machte, ob ich gegen Tyson Fury boxen möchte. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und dann zugesagt."

Dass Fury überhaupt gegen den Deutschen kämpft, hängt nicht zuletzt mit den Fernsehrechten im Schwergewicht zusammen. Fury, WBC-Weltmeister Deontay Wilder und Anthony Joshua gelten als die Zugpferde im Schwergewicht, stehen aber bei unterschiedlichen US-Sendern und Streaming-Diensten unter Vertrag. "Dadurch gehen sich diese Boxer aus dem Weg", erzählt Christof Hawerkamp, der Pressesprecher vom Magdeburger SES Boxing, bei dem Schwarz unter Vertrag steht. "Tom Schwarz stand in der Rangliste der Verbände WBO und IBF auf Position zwei und acht. Daher war er in der Verlosung für diese Highlight-Fights."

"Man braucht dicke Eier und ein großes Herz"

Fury wurde am 28. November 2015 bekannt, als er Wladimir Klitschko die erste Niederlage nach elfjähriger Dominanz zufügte und ihm vier Weltmeister-Gürtel abnahm. Danach aber tauchte er zweieinhalb Jahre ab, zumindest, was den Sport betrifft. Schlagzeilen machte er mit Doping und Drogengeschichten, sprach über Selbstmord. Seit einem Jahr ist der Brite zurück und nach 28 Profikämpfen weiter ungeschlagen. Am 1. Dezember lieferte er sich einen spektakulären Kampf mit Deontay Wilder, die Punktrichter einschieden auf Remis.

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"Für mich ist Tyson Fury der beste Boxer der Welt"

(Foto: imago images / Ed Gar)

"Für mich ist Tyson Fury der beste Boxer der Welt", sagt Schwarz. "Er hat mit Klitschko den bis dahin besten Boxer der Welt besiegt. Außerdem ist Fury nicht nur ein Boxer, sondern auch ein sehr großes Showtalent. Er betreibt Psychokrieg vor den Kämpfen. Aber diesmal hat er einen Gegner, mit dem er das nicht machen kann. Denn ich bin mental sehr stark und lasse so etwas nicht an mich heran." Boxerisch ist es kaum möglich, sich auf den Stil von Fury einzustellen - weil er keinen typischen Boxstil hat. Er wechselt immer wieder Auslage und Distanz, provoziert den Gegner zudem sehr gerne.

"Der Boxstil ist mir egal. Um zu gewinnen, braucht man einfach dicke Eier und ein großes Herz", sagt Schwarz. "Ich habe 13 Wochen Training voll durchgezogen. Das wird man sehen. Ich bin absolut in Top-Form und will nur noch in den Ring. Ich glaube, dass er mich etwas unterschätzt. Jeder meiner Gegner tut das - bis dann die Rechte kommt." Schwarz hat 16 seiner 24 Profikämpfe per K. o. gewonnen. Um Fury zu besiegen, müsste er den 2,06-Meter-Riesen, der neun Zentimeter größer ist als er selber, wohl ebenfalls zu Boden schlagen. Als Underdog in den USA gegen einen Weltstar zum Punktsieger erklärt zu werden, ist kaum möglich. Diese Erfahrungen mussten Felix Sturm im Jahre 2004 gegen Oscar de la Hoya oder Axel Schulz 1995 gegen George Foreman machen.

"Dann bin ich ein gemachter Mann"

"Ich muss ihn auf jeden Fall K. o. schlagen. Über Punkte zu gewinnen, wird schwierig. Deshalb werde ich alles rausfeuern, was ich habe", verspricht Schwarz. Auch wenn es in dem Kampf um keinen Weltmeister-Titel geht, würde Schwarz im Falle eines Sieges sofort zum Star mutieren. Der Kampf findet in Las Vegas statt, praktisch der Hauptstadt des weltweiten Boxspektakels. Mehr als 15.000 Zuschauer finden in dem legendären MGM Grand Garden einen Platz. Der Kampf wird in die ganze Welt übertragen. Sollte Schwarz gewinnen, wären dicke Börsen und Titelkämpfe garantiert. Möglicherweise gegen Wilder oder aber den Sieger des Rückkampfes zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua.

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Der Wunsch als Vater des Gedankens: Schwarz wäre gerne wie Rocky.

(Foto: imago stock&people)

Doch ist er vom Charakter überhaupt dafür gemacht, ein Superstar zu sein? Schwarz ist kein Showtalent wie Fury, kein lustiger Sympathieträger wie früher Axel Schulz, kommt auch nicht als Gentleman daher wie einst Henry Maske. Er gibt sich zurückhaltend und äußert sich in Interviews eher einsilbig. Auch hier erinnert er ein wenig an die Filmfigur Rocky Balboa.

Ob er den Kampf auch mit der gleichen Einstellung angeht wie Rocky? In dem Film wird Rocky in der Nacht vor dem Kampf bewusst, dass er gegen den weltbesten Boxer gar nicht gewinnen kann. Also setzt er sich das Ziel, über die Runden zu kommen und nicht K. o. zu gehen. Wäre das auch für Schwarz ein Erfolg? "Für mich zählt nur der Sieg, ich denke an nichts anderes. Ich habe jeden Tag Fury im Kopf. Und es ist nicht schön, die ganze Zeit diesen Meister Proper zu sehen", sagt er. "Wenn ich gegen einen Weltstar wie Fury geglänzt habe, völlig unabhängig von dem Ergebnis, bin ich ein gemachter Mann." Dann hätte sich der Ausflug nach Las Vegas gar im Falle einer Niederlage gelohnt.

Quelle: n-tv.de