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Kombinierer fünfmal bei OlympiaSiebenmaliger Weltmeister Rydzek macht Schluss

12.03.2026, 13:22 Uhr
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Seine fünften Olympischen Spiele waren die letzten für Johannes Rydzek. (Foto: picture alliance / NTB)

2010 gewinnt Johannes Rydzek seine erste Medaille in der Nordischen Kombination. Es folgen zahlreiche weitere, mehr als eineinhalb Jahrzehnte ist der Bayer nicht aus dem Sport wegzudenken. Doch nun beendet der 34-Jährige seine Karriere.

Johannes Rydzek saß vor einer grünen Allgäuer Wiese und kämpfte mit den Tränen, doch seine Entscheidung formulierte er mit fester Stimme und großer Überzeugung: "Der Moment fühlt sich richtig an", sagte Rydzek, als er sein Karriereende verkündete - und klopfte auf sein Herz. Am heiligsten Ort des nordischen Skisports am Holmenkollen in Oslo wird der zweimalige Olympiasieger und siebenmalige Weltmeister am Sonntag sein letztes Rennen bestreiten.

Seine Entscheidung kam nicht unerwartet: 34 Jahre alt ist der Oberstdorfer, die Hälfte davon verbrachte Rydzek im Weltcup. Nach den so enttäuschenden Winterspielen in Val di Fiemme im Februar allerdings, als seine Medaille-Hoffnungen mit Vinzenz Geigers Sturz im Tiefschnee versanken, hatte er zur Zukunft vielsagenden "Mal seh'n ..." gemurmelt. Daraus wurde nun: "Es ist Zeit."

Der Moment fühle sich richtig an, sagte Rydzek: "Gleichzeitig tut es aber auch weh." Nun schließt sich in Oslo, wo er 2011 bei seiner ersten WM die ersten drei seiner 14 Weltmeisterschafts-Medaillen gewann, ein Kreis. "Ich bin voll mit mir im Reinen, auch wenn jetzt viel Wehmut im Gepäck nach Norwegen sind", sagte Rydzek vor seinem 301. Weltcup-Einsatz, einer weniger als Rekordhalter Akito Watabe.

Vier WM-Titel in einem Jahr

Zu den Aspekten, mit denen der Oberstdorfer im Reinen ist, gehört auch, dass er trotz aller Titel meist ein wenig im Schatten anderer stand. Rydzeks Anfänge fielen mit dem Finale eines Ronny Ackermann zusammen, sein langjähriger Wegbegleiter und letzter Bundestrainer Eric Frenzel war noch einen Tick erfolgreicher, und in Rydzeks späten Jahren prägte sein Allgäuer Klub-Kollege Geiger die Kombination stärker.

Doch Rydzek erreichte, meist in seinem "Superman"-Shirt unterm Rennanzug, was in seiner Sportart keiner oder kaum einer schaffte. In seinem Traumwinter 2016/17 gewann er alle vier WM-Titel in Lahti, gewann danach die Wahl zum Sportler des Jahres - als, wenn man Eishockey-Superstar Leon Draisaitl ausklammert, einziger klassischer Wintersportler der vergangenen 20 Jahre.

Anderthalb Jahrzehnte lagen zwischen Rydzeks erster großer Medaille (Olympia-Bronze 2010) und dem letzten großen Titel (Staffel-Gold bei der WM 2025) und dazwischen Leistungslöcher, aus denen sich "Super-Ritschie" immer wieder hinauskämpfte. Auch dank gewaltigen Ehrgeizes, der manchmal kippte - dem jungen Jarl Magnus Riiber wollte Rydzek beispielsweise einst an den Kragen. "Über so lange Zeit auf so hohem Leistungsniveau performen zu können, das war großartig", sagte Frenzel: "Ich bin dankbar, so viele Jahre mit ihm verbracht zu haben."

In Rydzek geht der Letzte der klassischen "Dominierer"-Generation, die Mitte der Zehnerjahre im Skizweikampf fast unschlagbar war. Die Frenzels, Kircheisens oder Rießles sind längst in Rente. Nun bleibt Geiger, der erst später hinzustieß, als Führungsfigur, daneben Julian Schmid als weiterer Weltklasseathlet - für neue Dominanz könnte das (zu) wenig sein.

Vielleicht also muss Rydzek selbst ran, in anderer Funktion und nicht nur als Edelfan seiner langlaufenden Schwester Coletta, um seinen Herzenssport zu pushen. Zudem dieser vor einer unsicheren (olympischen) Zukunft steht. "Ich möchte der Kombination erhalten bleiben", sagt er. Das dürfte der Verband gerne vernehmen.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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