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"Habe niemandem geschadet"Stark alkoholisierter Olympia-Trainer spricht über Eklat

23.04.2026, 11:10 Uhr
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Igor Medved musste die Olympischen Spiele vorzeitig verlassen. (Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva)

Die Olympischen Winterspiele sind schon zwei Monate her, für einen Trainer haben sie aber immer noch Konsequenzen: Igor Medved verliert stark alkoholisiert seinen Job. Nun wehrt sich der frühere slowenische Skispringer gegen Gerüchte.

Während der Olympischen Winterspiele hat der finnische Skisprung-Trainer Igor Medved für einen Eklat gesorgt. Er war betrunken erwischt worden und hatte die Spiele suspendiert verlassen müssen. Anschließend wurde er entlassen. Nun hat der Slowene mit der Sportzeitung "Ekipa" in seiner Heimat über den Vorfall gesprochen. Und sich dabei auch zur Wehr gesetzt.

"Ich habe einen Fehler gemacht, für den ich mich entschuldige. Er geschah außerhalb meiner Arbeitszeit, und ich habe niemandem geschadet", so Medved. "Ob die Entscheidung des finnischen Verbandes zu hart war oder nicht, ist deren Urteil und nicht meine persönliche Meinung. Natürlich tut es mir leid, dass es so weit gekommen ist."

Keine große Trauer über Jobverlust

Die Möglichkeit auf eine Vertragsverlängerung hat Medved durch den Eklat verpasst. Doch es klingt, als wäre er darüber nicht sonderlich traurig. "Selbst bei einer möglichen Vertragsverlängerung um weitere zwei Jahre hatte ich bestimmte Bedingungen, wie wir uns weiterentwickeln und auf ein höheres Niveau bringen könnten. Um jeden Preis hätte ich selbst nicht weitergemacht, da dies zu einem Burnout geführt hätte. Das Trainerteam war klein und hätte verstärkt werden müssen, wenn wir ganz nach oben wollen", teilte der 45-Jährige gegen den finnischen Verband aus. "Ich wäre nur bereit gewesen, den Vertrag zu verlängern, wenn sie dies im Rahmen ihrer minimalen Möglichkeiten auch getan hätten."

Während in den 1990- und 2000er-Jahren Finnen wie Janne Ahonen und Matti Hautamäki die Weltspitze mitbestimmten, ist die Nation seit vielen Jahren weitgehend in der Versenkung verschwunden. Medved hatte das finnische Team im Juni 2024 übernommen. Sein Nachfolger ist inzwischen Lauri Hakola, der das Männer- und Frauenteam betreuen soll. Im März - nach Medveds Aus - gab es recht überraschend zwei Podestplätze für die Finnen. Im Super-Team holten Antti Aalto und Niko Kytosaho im heimischen Lahti Platz drei. Aalto wurde zudem auch im Einzelspringen in Oslo Dritter.

Alkohol-Eskapaden nur erfunden?

Auch wenn er seinem Job nicht nachtrauert, eines ärgert Medved mächtig. Die Berichte über weitere Alkohol-Eskapaden, die nach der Suspendierung aufkamen. Die finnische Zeitung "Iltalehti" hatte berichtet, dass Medved an "mehreren Tagen" während der Spiele unter dem Einfluss von Alkohol gestanden habe. An einem Abend nach einem Wettkampf soll er sogar von der örtlichen Polizei gestoppt worden sein, weil er schwankend durch die Gegend lief. Ein weiteres Mitglied des finnischen Teams soll zu diesem Zeitpunkt mit ihm unterwegs gewesen sein.

Schon unmittelbar nach seinem Ausschluss von den Olympischen Spielen hatte die Zeitung von einem Vorfall berichtet, der sich im vergangenen Winter beim Weltcup-Springen in Sapporo ereignete. Der Slowene hatte demnach damals so tief ins Glas geschaut, dass er am nächsten Morgen den Bus zum Flughafen verpasste. Auch während seiner Zeit als B-Kader-Trainer in Slowenien soll er mit Alkoholproblemen auffällig geworden sein, hieß es.

Medved wehrte sich nun dagegen: "Leider habe ich auch vieles über mich selbst gelesen, was nicht stimmt, aber ich möchte mich damit nicht weiter befassen. Da Sie in diesen Kreisen arbeiten, wissen Sie sicherlich, wie damit umgegangen wird", sagte er "Ekipa". Seinen nachgewiesenen Alkoholkonsum bei den Olympischen Winterspielen hatte Medved mit einem Partybesuch bei seinen Landsleuten, den slowenischen Skispringern, erklärt, die seiner Aussage zufolge ihr Gold im Teamwettbewerb feierten. Der slowenische Pressesprecher dementierte anschließend jedoch, dass eine solche Feier überhaupt stattgefunden habe.

Medveds größte Sorge derzeit ist, aufgrund der Gerüchte zusätzliche Schwierigkeiten bei der Jobsuche zu bekommen: "Die Zeit wird es zeigen. Ich habe zwei gesunde Arme und Beine und bin geistig fit, also werde ich meinen Weg finden. Es gab bereits einige Gespräche, aber nichts Konkretes. Ich kann aber neben dem Skispringen noch etwas anderes in meinem Leben machen." Medved war früher selbst Skispringer. Von 2001 bis 2006 gehörte er dem slowenischen Kader an, war aber nie ein absoluter Topspringer.

Unschön sind die Berichte auch für seine Familie. "Vor den Kindern ziehe ich mich lieber zurück, wenn ich schon darüber sprechen muss", sagte er, "aber meine Partnerin war mir die ganze Zeit über eine große Stütze, sodass ich in dieser Hinsicht glücklich sein kann."

Quelle: ntv.de, ara

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