Sport

"Bestes Dorf" überhauptStelldichein der Sportler

05.08.2008, 18:30 Uhr

Im Olympischen Dorf herrscht Ruhe vor dem Sturm. Die meisten Sportler sind schon angereist und machen sich mit der Gegend vertraut. Es herrscht pure Begeisterung.

Gleich beim Fastfood-Riesen um die Ecke sitzen zwei deutsche Ruderer, mitten auf der Straße übt ein Asiate Schattenboxen, und ein paar Usbeken spielen Billard. Es ist Kaffeezeit im Olympischen Dorf und drei Tage vor Beginn der Sommerspiele herrscht in der Hitze von Peking die Ruhe vor dem Sturm. Noch sind nicht alle da, aber die, die schon eines der 3276 Appartements bezogen haben, sind begeistert.

Und noch gibt es viel zu erkunden. "Disko? Haben wir noch gar nichts von gehört", sagt Ruderer Clemens Wenzel aus Potsdam - und sein Grinsen lässt offen, ab das wirklich so ist. In der Mensa ist er auch nur zum Kaffeetrinken. Und natürlich, um sich ein bisschen umzuschauen. "Das ist der Hammer, wen man hier alles trifft", sagt Wenzel.

Vor allem der Fitnessraum im Dorf ist beliebt, auch im Swimmingpool ist viel los. Im "Entertainment-Center" gibt's Billard, Tischfußball und Kino. Auch Basketballstar Dirk Nowitzki und seine Teamkollegen waren schon zum Zocken da. Wetten ist allerdings offiziell verboten.

Jeden Tag Peking-Ente

Und da es natürlich auch keinen Hund zu essen gibt, ist Peking-Ente die beliebteste Speise in der Mensa. 40 bis 50 Stück werden pro Tag verzehrt. Aus einer Ente schneiden die insgesamt 2400 Köche rund 100 Portionen. "Eine Million Äpfel werden wir am Ende der Spiele ausgegeben haben", sagt Restaurant-Chefin Catherine Tollan.

An langen Tischen mit weißen Plastikstühlen essen die Athleten. Überhaupt ist alles funktional, aber großzügig und ordentlich eingerichtet. Beschwert hat sich noch niemand vernehmlich, im Gegenteil, die meisten sprechen vom "besten Dorf" überhaupt.

Dazu gehört auch die Poliklinik mit 635 Ärzten, Pflegern und Volontären. Die Notaufnahme hat man schon mal in US-Fernsehserien gesehen, aber alles ist auf dem neuesten Standard. Grün ist das Dorf auch, die Pflanzen blühen, und der Rasen wird auch in der prallen Mittagshitze gesprengt.

Sechs bis neun Stockwerke haben die insgesamt 42 Häuser. Die Deutschen wohnen im Bereich C. Die Wohnungen sind etwa 120 Quadratmeter groß, in meist Doppel- aber auch Einzelzimmern bewohnen bis zu acht Sportler ein Appartement. Wie die Deutschen haben praktisch alle ihr Revier mit der Landesfahne markiert. Über den Basketballern mit Nowitzki wohnen die Handballerinnen und darüber werden bald auch die Weltmeister von Heiner Brand einziehen.

Wachmänner sichern das Gelände

Gut gesichert sind sie alle. Rein kommt unerlaubt praktisch keiner. Zwei Drahtzäune, eine Mauer und immer in Sichtweite ein Wachmann nach dem anderen sichern das Dorf. Nach den Spielen werden die Wohnungen verkauft. Alles ist modern ausgestattet, erneuerbare Energien und eine eigene Wasseraufbereitung werden genutzt. Bügeleisen und Wäschespinne gehören zur Standardausstattung der Zimmer im Dorf.

Dort hat Clemens Wenzel sich schon einen wichtigen Termin vorgemerkt. "Ich habe gehört, dass es hier auch einen Friseur gibt. Das werd ich in der zweiten Woche auch noch ausnutzen. Ist ja umsonst."

Marlen Haselhuhn, sid