Sport

Rückzug aus der BundesligaTV Lützellinden gibt auf

27.04.2004, 15:08 Uhr

Der TV Lützellinden gibt auf. Der siebenfache deutsche Meister im Frauenhandball hat auf einen Einspruch gegen den Lizenzentzug durch die Handball-Bundesliga-Vereinigung Frauen verzichtet und beginnt in der Regionalliga neu.

Der TV Lützellinden gibt auf. Der siebenfache deutsche Meister im Frauenhandball hat auf einen Einspruch gegen den Lizenzentzug durch die Handball-Bundesliga- Vereinigung Frauen (HBVF) verzichtet. Die am Montag um Mitternacht ablaufende Einspruchsfrist ließen die Mittelhessen verstreichen.

Die Verantwortlichen des Clubs waren nicht in der Lage, eine Bankbürgschaft über 35 000 Euro vorzulegen. Nutznießer des Rückzugs wird Lützellindens Nachbar TV Mainzlar sein. Der Tabellenvorletzte und sportliche Absteiger teilte am Dienstag mit, dass er trotz finanzieller Schwierigkeiten weiter in der Bundesliga spielen will.

Mit der Nachholpartie des TV Lützellinden am Mittwoch beim 1. FC Nürnberg und dem Saisonabschluss am kommenden Samstag gegen den designierten Meister HC Frankfurt/Oder endet eine Ära im deutschen Frauenhandball. Die Spielerinnen aus dem Vorort von Gießen schrieben unter der Ägide des oft umstrittenen Trainers und Managers Jürgen Gerlach national und international Geschichte.

In 22 Jahren gewannen die Lützellindenerinnen drei Mal den Europapokal, fünf Mal den nationalen Pokal und sieben deutsche Meisterschaften. In jüngster Vergangenheit aber sorgte der einstige Vorzeigeclub für negative Schlagzeilen. In der vergangenen Saison hatte der Verein wegen akuter Finanznot die Lizenz erst im zweiten Anlauf erhalten.

Vor einigen Wochen war der TV Lützellinden ins Visier von Staatsanwaltschaft und Steuerbehörden geraten. Die Fahnder suchten nach Beweisen für nicht gezahlte Steuern und versäumte Abgaben an Krankenkassen und die Berufsgenossenschaft in den Jahren 1999 bis 2002. Vor zwei Jahren war der Verein wegen der Aktivitäten eines ehemaligen Managers ins Fadenkreuz der Ermittler geraten und von der HBVF abgemahnt worden.

Sportlich sicherte sich Lützellinden mit einem Rumpfaufgebot den Klassenverbleib in der Bundesliga. Denn schon während der Saison meldeten sich Spielerinnen in Serie ab. Insgesamt zwölf Handballerinnen kehrten dem Verein den Rücken. Meist waren nicht pünktlich gezahlte Gehälter die Ursache. Auch die verbliebenen Spielerinnen werden sich nach dem nun feststehenden Bundesliga- Ausstieg nach anderen Clubs umsehen. Den Neuanfang wollen die Mittelhessen voraussichtlich in der Regionalliga starten. Dies bestätigte Gerlach am Dienstag der "Wetzlarer Neuen Zeitung".