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Verharmloser des DDR-Dopings "Täve" Schur darf nicht in die Hall of Fame

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Der 86-jährige "Täve" Schur bleibt in der Ruhmeshalle des deutschen Sports außen vor.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch im zweiten Anlauf verpasst das DDR-Radsportidol "Täve" Schur die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports. Ein Grund: Seine Banalisierung des DDR-Staatsdopings. Für Schur ist die Tür jetzt endgültig zu. Trotzdem gehen die Diskussion weiter.

Das DDR-Radsportidol Gustav-Adolf "Täve" Schur hat die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports erneut verpasst. Der 86-Jährige erhielt nicht die erforderliche einfache Mehrheit der Jurymitglieder. Das gab die Stiftung Deutsche Sporthilfe als Trägerin der Hall of Fame bekannt. An der Nominierung, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf Vorschlag seiner Landessportbünde anregte, hatten sich wegen Schurs mangelnder Distanzierung zum DDR-Regime zuletzt heftige Diskussionen entzündet.

Als Mitglieder aufgenommen wurden dagegen Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler, Skispringer Sven Hannawald, Kombinierer Franz Keller und Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Sie erhielten laut Sporthilfe "jeweils eine deutliche Stimmenmehrheit". Detaillierte Zahlen wurden nicht genannt.

Dritter Anlauf ausgeschlossen

Schur, der bereits 2011 von der Jury abgelehnt worden war, hatte inmitten der neuesten Aufnahme-Diskussion die Doping-Geschichte der DDR verharmlost. Den DDR-Sport als kriminell zu bezeichnen, sei "völliger Quatsch", sagte er der Zeitung "Neues Deutschland". Große Entrüstung rief sein Satz hervor, dass es im  Gegensatz zum westdeutschen Sport im Osten keine Dopingtoten gegeben hätte.

Nach der erneuten Ablehnung ist die Tür zur Hall of Fame für Schur endgültig zu. Die Sporthilfe regte wegen der Diskussionen aber eine Neustrukturierung des Aufnahmeverfahrens an. "Schur ist nicht gewählt worden, und es wird in dieser Weise keinen dritten Anlauf geben. Denn die Sporthilfe ist überzeugt, dass man der gesamten Diskussion um die deutsche Sport-Vergangenheit nur versuchen kann gerecht zu werden, wenn man sich nochmals sehr grundsätzlich mit der Thematik auseinandersetzt und nicht nur über Jury-Stimmen redet", sagte Sporthilfe-Chef Michael Ilgner: "Die Sporthilfe stößt deshalb an, eine neuerliche öffentliche Diskussion über die Vergangenheit des deutschen Sports und deren Aufarbeitung zu führen."

Die Jury setzt sich zusammen aus allen lebenden Hall-of-Fame-Mitgliedern sowie aus den Vorsitzenden von Vorstand, Aufsichtsrat und Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe, den Mitgliedern des Stiftungsrats, Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, der Politik sowie Persönlichkeiten weiterer Institutionen des Sports. Mit den vier aktuellen Neuaufnahmen besteht die Hall of Fame nun aus 108 Mitgliedern.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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