Sport
Dienstag, 03. Juni 2008

Sorbische Nationalmannschaft: Von der Kreisliga zur EM

Von der Kreisklasse auf die internationale Fußballbühne: Für die sorbische Fußball-Nationalmannschaft ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Im schweizerischen Kanton Graubünden spielt das Team aus Sachsen noch bis zum 7. Juni bei der Europeada 2008, der ersten Fußball-Europameisterschaft der alteingesessenen nationalen Minderheiten. "Das ist eine Riesensache, in die wir da hineingeraten sind. Verrückt", sagt Thomas Paschke.

Spieler aus vier Vereinen

Im normalen Leben Krankenpfleger ist der 38-Jährige nun Nationaltrainer der "Serbska Wubranka" - der sorbischen Auswahl. Einen Trainerschein besitzt Paschke nicht, dafür aber viel Enthusiasmus für die Sache. Seine 21 Kicker hat er aus den vier sorbischen Sportvereinen in Panschwitz-Kuckau, Crostwitz, Nebelschütz und Radibor rekrutiert, die in der Oberlausitz auf Kreis- und Bezirksebene spielen. "Sie mussten fit sein und natürlich sorbisch sprechen", sagt Paschke.

Zwei Trainingseinheiten und zwei Testspiele absolvierten die 20 bis 38 Jahre alten Akteure im Vorfeld mitten im Punktspielbetrieb ihrer Heimteams, im Kampf um Aufstieg oder Klassenerhalt. "Um das Team zu schweißen", meint Paschke. Die Auswahlspieler bekamen ein Nationaltrikot, auf dessen Brust in den Farben Blau-Rot-Weiß das Lindenblatt als Symbol der Sorben prangt. Den Text ihrer Hymne haben sie geübt. "Es ist richtig gut, wenn man die hört", meint der 18- jährige Felix Rehor.

Bereits zwei Spiele gewonnen

Von den Gegnern weiß Trainer Paschke wenig. "Um nicht zu sagen, gar nichts." Sie heißen Zimbrer oder Okzitaner, stammen aus Italien und Frankreich. "Je größer die Minderheit, desto größer und wohl auch besser ist der Pool an Spielern, aus dem sie schöpfen können", spekuliert er. Beim ersten Gegner, der kroatischen Minderheit in Rumänien, die 0,03 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ging die Rechnung auf. Die Sorben, deren 60.000 Vertreter in Deutschland 0,07 Prozent der Bevölkerung stellen, gewannen die Partie am Sonntag mit 4:1. "Wir sind optimal gestartet, darauf können wir aufbauen", sagt Paschke. Gegen die Okzitaner aus Frankreich folgte am Montag ein knapper 2:1-Erfolg.

Neben den Sorben treten noch deutschsprachige Teams aus Dänemark, Ungarn, Polen und Südtirol an. Hinzu kommt die dänische Minderheit in Deutschland. Die Nordfriesen schicken sogar ein Frauenteam ins Rennen. Allerdings kassierten die Kickerinnen gleich zu Beginn zwei derbe Niederlagen: 4:19 gegen die dänische Minderheit in Deutschland und 1:46 gegen die Roma aus Ungarn.

Kulturen und Bräuche vorgestellt

Die Europeada wird durch Sprach-, Kultur- und Tourismusorganisationen sowie die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) organisiert. 18 Mannschaften, allesamt sprachliche Minderheiten und staatenlose Volksgruppen Europas, treten im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft an zehn verschiedenen Spielstätten gegeneinander an. Neben den sportlichen Ereignissen werden die Kulturen und ihre Bräuche präsentiert.

Auch die "Serbska Wubranka" wird von einer Delegation aus Funktionären, Fans und einer sorbischen Folkloregruppe begleitet. "Wir wollen, dass unsere Kultur in dem Moment, wo in Europa alles zusammenwächst, nicht untergeht", sagt Delegationsmitglied Georg Spittank.

Für Thomas Paschke steht der Fußball im Mittelpunkt. "Ich bin nicht hier, um Politik zu machen. Wir wollen fußballerisch so viel wie möglich erreichen", sagt er und ergänzt dann doch: "Wir Sorben sind doch auch nur stinknormale Leute. Der Fußball ist eine gute Bühne, um das nach außen zu tragen."

Von Katja Glass, dpa

Quelle: n-tv.de