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Arzt bot "All-inclusive"-Doping WM-Razzia könnte noch Beben auslösen

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Den Ermittlungen zufolge könnte Doping-Arzt Mark S. seine Praktiken schon Anfang der 2000er-Jahre begonnen haben.

(Foto: dpa)

Der Doping-Skandal, der die Ski-WM in Seefeld erschüttert, könnte ein noch sehr lange nachbeben. Laut Staatsanwaltschaft könnten die Ermittlungen bis in die 2000er-Jahre zurückgehen. Neben fünf Ski-Langläufern gerät auch ein Radprofi ins Visier - mehr Athleten dürften folgen.

Der Umfang des Doping-Skandals von Seefeld ist längst noch nicht abzusehen. Die mutmaßlichen Doping-Praktiken des verhafteten Erfurter Sportarztes Mark S. sollen laut der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft München schon Anfang der 2000er-Jahre begonnen haben. "Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir noch viel weiter zurückgehen werden im Laufe der Ermittlungen", sagte der Leiter der bayerischen Ermittlungsbehörde Kai Gräber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er glaube, dass das "in die Anfänge der Jahre 2000 zurückreichen dürfte".

Der Staatsanwaltschaft sei ein Coup gelungen, so Gräber. "Mir fällt kein Fall ein, der ähnlich spektakulär vom Aufschlag und ähnlich gut von der Beweislage gelaufen ist." Die Beweislage sei "nahezu erdrückend". Es könne sein, dass noch mehr Verdächtige hinzukommen, die bislang nicht bekannt sind.

Bislang keine Erkenntnisse zu deutschen Athleten

Gräber hoffe, dass die vom Rechtsanwalt des deutschen Arztes Mark S. angekündigte Kooperationsbereitschaft auch die Decodierung der Namen auf den in Erfurt beschlagnahmten 40 Blutbeuteln umfasse. Er geht zudem "sehr stark" davon aus, dass weitere Sportarten betroffen seien. Der Staatsanwalt wisse nicht, ob Deutsche unter den Kunden von Mark S. waren. "Ich formuliere es so: Mir liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass deutsche Athleten zum illegalen Patientenstamm des Beschuldigten gehört haben."

Das Geschäft von S. soll sehr lukrativ gewesen sein. Bislang kursieren "Behandlungs"-Beträge von 5000 Euro. Doch Gräber geht davon aus, dass die Summen höher gewesen sein dürften. "Zwischen acht- und fünfzehntausend Euro. Nicht pro Jahr gezahlt, sondern pro Saison nach unseren Erkenntnissen. Das war ein All-inclusive-Paket", so Gräber gegenüber der "FAS".

Ermittlungen gegen Radprofi

Nachdem im Zuge einer Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld am Mittwoch fünf Langläufer festgenommen worden waren, haben diese alle Eigenblutdoping gestanden und sind wieder auf freiem Fuß. Allerdings wurden noch weitere Präparate in Seefeld gefunden. Zudem bestätigte die Staatsanwaltschaft Innsbruck nun auch Ermittlungen gegen einen Tiroler Radprofi. Der 31-Jährige gab demnach bei Vernehmungen ebenfalls zu, Blutdoping angewandt zu haben.

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Johannes Dürr hatte in der ARD über Doping ausgepackt.

(Foto: dpa)

Eine Klage droht dem bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi des Dopings überführten Langläufer Johannes Dürr. Der Österreicher hatte mit seinen Aussagen die Razzien in Seefeld und Erfurt ausgelöst. Nun will ihn der Langlauf- und Biathlon-Chef des österreichischen Ski-Verbandes, Markus Gandler, verklagen, weil Dürr in einer ARD-Dokumentation behauptet hat, dass er bei seinen Doping-Praktiken auch vom Personal des ÖSV unterstützt worden wäre. Dies kündigte Gandler, der seine Ämter nur noch bis Ende des Winters ausüben wird, in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" am Sonntag an.

Dürr "kein Einzelfall"

Gräber dagegen nimmt Dürr in Schutz: "Mich freut, dass Herr Dürr rehabilitiert worden ist." Zum Vorwurf an Dürr, der Langläufer habe nur sein Buch promoten wollen und er sei lediglich ein Einzelfall, sagte Gräber: "Letztendlich haben die Ermittlungen ergeben, dass er kein Einzelfall ist."

Unterdessen ist man in Deutschland und Österreich besorgt um die Glaubwürdigkeit des Sports. DSV-Präsident Franz Steinle beklagt, dass durch Aufdeckung des Doping-Skandals auch der Deutsche Skiverband wieder thematisiert wird. "Uns tut es etwas weh und uns verärgert es etwas, dass man nicht hinreichend differenziert zwischen einem Netzwerk und dem Sport als solchem. Wir haben mehrfach betont, dass nach unseren Recherchen im DSV kein Athlet in irgendeiner Betreuung bei diesem Arzt ist", sagte Steinle bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Er könne "von ganzem Herzen" sagen, dass der DSV eine Null-Toleranz-Politik habe, was Doping angehe.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa

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