Sport

"Aber es war ja Olympia" Weißflog klärt mysteriösen Absturz von '88 auf

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Jens Weißflog schwieg 33 Jahre lang zu seinem sportlich bittersten Tag.

(Foto: imago images/Bernd März)

1988 reist Jens Weißflog als ein Favorit auf olympisches Skisprung-Gold nach Kanada - doch Weißflog stürzt ab, landet am Ende auf einem unerklärlichen 31. Rang. Dafür wird das Skisprungidol in der DDR abgestraft. 33 Jahre schweigt Weißflog zu den Gründen für die Pleite, nun gibt es eine Erklärung.

33 Jahre nach dem 31. Platz bei den Olympischen Winterspielen in Calgary hat Skisprung-Legende Jens Weißflog eine Begründung geliefert. Er sei nach einem Sturz im Training in Banff mit einem Schleudertrauma auf die Schanze gegangen, sagte Weißflog "Zeit Online". "Man bewegt sich so lange mit dem Schmerz, dass man ihn irgendwann schon fast nicht mehr spürt. Aber es war ja Olympia, man verbindet damit große Hoffnungen. Ich habe also nicht gedacht: "Mist, mir tut das Genick weh und ich komme kaum in meinen Skischuh rein.' Ich wollte trotzdem alles tun, um an diesem Tag vorn zu sein."

Da die DDR-Springer in Calgary auch erheblich Materialnachteile hatten, gelang kein Spitzenplatz. Weißflog hatte Mitte der Achtziger gemeinsam mit dem Finnen Matti Nykänen die Skisprungszene beherrscht. Zwischen 1984 und 1989 hatte er zweimal die Vierschanzentournee gewonnen und acht WM-Medaillen geholt. Nach Kanada war er als amtierenden Olympiasieger von Sarajewo 1984 gereist - und mindestens Mitfavorit auf Edelmetall. Doch es kam anders, 33 Jahre später ist nun klar, warum.

Damals musste Weißflog wegen der verpassten Medaille auf dem Rückflug in der Sondermaschine auf Anordnung des DDR-Sportchefs Manfred Ewald in der letzten Reihe sitzen. Auch beim Empfang der Olympia-Mannschaft auf dem Flughafen in Berlin musste er den hinteren Ausgang nehmen.

Weißflog ist einer der wenigen Skispringer, die ausnahmslos alle wichtigen Wettbewerbe in seinem Sport gewinnen konnte: 1984 gewann er Olympisches Gold für die DDR, von den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer kehrte er mit zwei Goldmedaillen in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Bei Weltmeisterschaften holte er dreimal Gold, die prestigeträchtige Vierschanzentournee gewann er viermal.

Weißflogs Legendenstatus speist sich nicht nur aus seinen überragenden sportlichen Erfolgen. Weißflog triumphierte nämlich rund um die deutsche Wiedervereinigung in zwei politischen Systemen - und nach der Umstellung vom Parallel- auf den V-Stil auch noch in zwei verschiedenen Flugsystemen.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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