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Box-Comeback gegen Tyson Wie Roy Jones jr. 40 Millionen verpokerte

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Roy Jones Jr.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am 12. September treffen die Box-Opas Mike Tyson und Roy Jones Jr. in einem Schaukampf für wohltätige Zwecke aufeinander. Aus sportlicher Sicht kommt das faszinierende Duell der Faustkampf-Ikonen allerdings leider 17 Jahre zu spät.

Am 1. März 2003 war Roy Jones Jr. auf dem Gipfel seiner Macht. Mittel-, Supermittel- und Halbschwergewicht hatte der Amerikaner schon erobert. Jetzt wies ihn der Gürtel des Weltverbandes WBA auch als Schwergewichts-Champion aus. Im "Thomas & Mack Center" in Paradise hatte Jones den zwölf Kilogramm schwereren Puerto-Ricaner John Ruiz über zwölf Runden ausgepunktet – ein Kinderspiel für den damals 34-Jährigen.

Denn Jones – darin stimmten eigentlich alle Fachleute überein – war zu jener Zeit der beste Boxer der Welt. Gesegnet mit einer im Faustkampf nie gesehenen Athletik, unfassbaren Reflexen und zwei blitzschnellen Fäusten. Nach seinem Sieg über Ruiz gab es für den Pound-for-Pound-König nicht mehr viel zu holen. Einen Vereinigungskampf gegen Lennox Lewis – seinerzeit der legitime Meister aller Klassen – lehnte Jones aus verständlichen Gründen ab. Schließlich war Lewis einen ganzen Kopf größer als der 1,80 Meter lange Jones und brachte gut 50 Pfund mehr auf die Waage.

Aber da war ja noch Mike Tyson. Der einstmals "Baddest man on the Planet" war 2002 von Lewis zwar veritabel verdroschen worden. Kurz vor Jones' Meisterstück gegen Ruiz aber hatte sich Tyson mit einem krachenden Knockout-Sieg in Runde eins über Clifford Etienne zurückgemeldet – "Iron Mike" war also wieder im Geschäft. Und der Name Tyson zog sowieso immer noch. Jones vs. Tyson – die Aussicht auf das Duell Boxkünstler gegen K.o.-Knipser elektrisierte die USA. Die Pay-per-View-Sender HBO und Showtime wetzten die Messer, Jones winkte eine Börse, die ihm eine Rente für 40 Leben ermöglicht hätte.

Jones zieht lieber die Tarver-Karte

40 Millionen Dollar habe man dem WBA-Champion für einen Fight gegen Tyson geboten, verriet ESPN-Experte Andre Ward, selbst ein ehemaliger Weltklasse-Boxer, kürzlich in einem Interview. Eine Wahnsinns-Summe. Zum Vergleich: Tyson und Lewis kassierten für ihren Mega-Fight 2002 vertraglich garantierte 17,5 Millionen Dollar pro Nase (exklusive Pay-per-View-Anteile). Der Kampf schien zum Greifen nah. Dann aber tat Jones etwas, das alle verblüffte. Der Superstar, der seine Karriere stets nach seinem Gusto und nicht dem windiger Promoter steuerte, beschloss, ins Halbschwergewicht zurückzukehren. Im Limit bis 79,3 Kilogramm forderte der vorlaute Antonio Tarver den König zum Kampf. Jones zog die Tarver-Karte und ließ die Millionen sausen.

Womöglich waren Jones die 40 Millionen für ein Duell mit dem immer noch gefährlichen Tyson zu wenig. "Ich habe gehört, er wollte noch mehr", berichtete Ward. "Roy sagte aber auch: Der Kampf wird sich irgendwann schon ergeben." Eine Einschätzung, mit der "RJJ" voll daneben hauen sollte. Der Traumkampf kam nie zustande. Jones verteidigte seinen Halbschwergewichts-Titel durch einen schwammigen Punktsieg über Tarver, der viele Fragen offen ließ. Statt die schwache Vorstellung abzuhaken und den Fight gegen Tyson zu forcieren, gab Jones seinem Herausforderer eine weitere Chance. Es folgte die Sensation: 2004 haute Tarver den König mit einem linken Haken vom Sockel – K.o. in Runde 2. Danach war Jones nie mehr der Alte.

Auch Jones verpasst den perfekten Abgang

Wie so viele Box-Größen verpasste Jones den goldenen Absprung mit vollem Konto, kämpfte noch bis ins Alter von 49 Jahren weiter, ging zwischendurch gegen Gegner k.o., die er früher mit den Händen auf dem Rücken Kraft seines Atems umgepustet hätte. Und jetzt? 17 Jahre zu spät treffen Jones, 51, und Tyson, 54, doch noch aufeinander. Am 12. September in einem Schaukampf für wohltätige Zwecke in Kalifornien. Richtig auf die Murmel hauen werden sich die Box-Opas Gott sei Dank nicht. Die zuständige California State Athletic Commission hat das Tragen von 12-Unzen-Handschuhen angeordnet (normal sind im Schwergewicht zehn Unzen). Die Show steht im Vordergrund. Und natürlich der gute Zweck.

"Das ist keine Situation, in der die beiden versuchen, sich die Köpfe abzuschlagen. Sie werden da reingehen und sich im Ring etwas bewegen, so dass die Fans diese Legenden sehen können", sagte Kommissions-Chef Andy Foster dem Fachportal Boxingscene.com. Sollte etwa eine der Ikonen einen Cut erleiden, "ist es vorbei". Ähnlich äußerte sich Tyson bei ESPN: "Wir sind erfahrene Kämpfer. Wir wissen, wie wir auf uns aufpassen. Uns wird's gut gehen. Vertraut mir."

Und: Anders als vor 17 Jahren geht es beim Tango der Box-Legenden auch nicht ums Geldverdienen – jedenfalls, wenn man Tyson glauben darf. "Das Geld geht an verschiedene Wohltätigkeit-Organisationen. Niemand muss sich Sorgen machen oder eifersüchtig sein, dass ich reich werde. Oder sagen, dass ich es wegen des Geldes tue. Ich fühle mich einfach gut, dass ich das machen kann." Für Jones und Tyson strahlt am 12. September noch einmal das Scheinwerferlicht. Danach aber wird es wieder dunkel – und manch einer mag von 40 Millionen träumen.

Quelle: ntv.de